Dieser Feuerwehrmann löscht auch in seinen Ferien Brände – in Griechenland
Freiwilliger aus Effretikon
Wo andere am Strand ausspannen, bekämpft Roger von Allmen Wald- und Vegetationsbrände. In der Nähe von Athen hat der Oberleutnant der Feuerwehr Illnau-Effretikon/Lindau eine zweite Feuerwehrfamilie gefunden.
«Badeferien?» Roger von Allmen schüttelt sich. «Das halte ich keinen Tag lang aus.» Wasser sei für ihn nicht zum Schwimmen, sondern zum Löschen da, sagt er mit einem Augenzwinkern, während er für den Fotografen im Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Illnau-Effretikon/Lindau Platz nimmt.
Auf von Allmens Uniformjacke prangt ein Logo mit Flammen, Feuerwehrhelm und dem griechischen «ΠΥ.Σ.ΕΘ.» – freiwilliges Feuerwehrkorps. Am rechten Ärmel finden sich die Schweizer und die griechische Fahne vereint.
Schweiz und Griechenland – wie geht das zusammen?
Der Feuerwehr Illnau-Effretikon/Lindau trat der heute 47-Jährige 2005 bei. Damals war er gerade von Neftenbach nach Effretikon gezogen. «Ich wollte möglichst rasch Leute kennenlernen», erzählt er bei einem Kaffee in seiner Küche. «Und wo geht das besser als in einem Verein?» Dass ihn sein Engagement künftig mehrmals pro Jahr nach Griechenland führen würde, ahnte er damals noch nicht.
Trainingscamp als Türöffner
An der Suisse-Public-Ausstellung für Blaulichtorganisationen wurde von Allmen auf ein Ausbildungscamp von ESEPA aufmerksam, einer ehrenamtlichen Einheit griechischer Feuerwehrleute. «In den heissen und trockenen Sommern gehören Vegetations- und Waldbrandbekämpfung dort zum täglichen Brot», erzählt er. «Das wollte ich erleben.»
Im Sommer 2013 absolvierte der gelernte Automechaniker in der Nähe von Rizomata in der Provinz Thessalien ein zweieinhalbwöchiges Trainingscamp. Rund 30 Feuerwehrleute aus ganz Europa lernten, wie man grossflächige Brände bekämpft und was es heisst, wenn nicht alle paar Meter ein Hydrant zur Verfügung steht.
«Da hat es mir den Ärmel reingenommen», sagt er. Und nicht nur den Ärmel.
Im Ausbildungscamp lernte er Eveline Hodel kennen, eine Feuerwehrfrau und Arztsekretärin aus Olten und seine heutige Lebenspartnerin. Seither engagiert sich das Paar mit weiteren Feuerwehrleuten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich unter dem Namen Pyseth Volunteers drei- oder viermal pro Jahr vor Ort.
«Wir sind nicht einfach Gäste», bekräftigt von Allmen. «Wir übernehmen Verantwortung – im täglichen Dienst, bei Übungen und natürlich auch im Ernstfall.» Inzwischen sind sie offizielle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr von Neos Voutzas, einem Küstenort rund 20 Kilometer nordöstlich von Athen.
Auf der Feuerwache versehen jeweils rund zehn Personen Dienst. Die Pyseth Volunteers sind fix im Dienstplan eingetragen. Doch sobald irgendwo ein Feuer ausbreche, spiele dieser keine Rolle mehr. «2024 waren wir bei einem Grossbrand bei Varnavas vier Tage und vier Nächte durchgehend im Einsatz», erinnert sich der Effretiker.
«Wer nicht mehr konnte, legte sich ein Stündchen auf den ausgerollten Schläuchen zum Schlafen hin.» Unterdessen hat er immer einen Schlafsack, eine Isomatte und Powerriegel mit dabei. «Du weisst nie, wie lange es dauert, bis auch das letzte Glutnest unter Kontrolle ist.»
Flug und Hotel zahlen Roger von Allmen und seine Partnerin aus dem eigenen Sack. Vor Ort wird ihnen jeweils ein Auto gestellt, um bei einer Alarmierung sofort einrücken zu können. «Im Hotel erhalten wir unterdessen einen Sonderpreis – als Dankeschön für unser Engagement.»
In Griechenland gibt es zwar Berufsfeuerwehren. Diese seien aber oftmals schlecht ausgerüstet, weil der Staat kein Geld habe. Umso wichtiger sei die Rolle der Freiwilligen Feuerwehr. «Anders als bei uns bekommen deren Mitglieder aber noch nicht einmal Sold», sagt von Allmen, der bei der Feuerwehr Illnau-Effretikon/Lindau den Rang eines Oberleutnants hat.
«Der Begriff Ehrenamt hat in Griechenland eine ganz andere Bedeutung als bei uns. Es ist eine Ehre, bei der Freiwilligen Feuerwehr zu sein, und die Wertschätzung der Bevölkerung ist gross.» Als er sich nach dem Grossbrand 2024 in einem Laden etwas zu essen und zu trinken kaufen wollte, hatten sich die Leute darum gestritten, wer für ihn zahlen darf. «Ich musste raus, so haben mich die Emotionen geschüttelt.»
Spenden und Sponsoren für Atemschutzgeräte
Die griechischen Freiwilligen erhalten aber nicht nur keinen Sold, sie müssen auch einen Grossteil ihrer Ausrüstung selbst berappen. «Anfangs verfügten unsere Feuerwehrfreunde noch nicht einmal über geeignete Atemschutzmasken. Also begannen wir, Unterstützung in Form von Sponsoren und Spenden zu organisieren.»
2025 beteiligten sich die beiden zudem an einer Spendensammlung für ein Tanklöschfahrzeug. Knapp 7000 Franken konnten sie innerhalb zweier Monate aus der Schweiz zusammentragen.
Temperaturen von weit über 30 Grad, die ausgetrocknete Vegetation und der Wind vom Meer reichen aus, um aus einem kleinen Feuer einen Grossbrand werden zu lassen. Die Bedingungen an der Brandfront seien extrem. Besonders die Augen litten unter Rauch, Hitze und Staub.
«Letztes Jahr erlitt Eveline leichte Verbrennungen am Hals.» Das Harz der Bäume hatte sich in der Hitze verflüssigt und wurde vom Wind in Tröpfchenform verteilt. «Das ist wie heisses Plastik auf der Haut.» Auch von Allmen kam nicht ungeschoren davon. Beim Lenken eines Löschfahrzeugs lehnte er mit dem Arm innen gegen die Fensterscheibe der Tür. «Danach wusste ich, wie heiss es da draussen tatsächlich war.»
Die Bekämpfung von Flächenbränden unterscheide sich von allem, was er in der Schweiz gelernt habe, sagt der Oberleutnant der Feuerwehr Illnau-Effretikon/Lindau. «Bei uns haben wir einen Röhrenblick, halten mit dem Schlauch auf das, was brennt, sei es ein Haus, sei es ein Auto.» Bei einem Flächenbrand hingegen könne man nicht einfach Wasser reinlassen, es verdampfe umgehend. «Du löscht nichts, was bereits verloren ist, auch kein Haus. Du versuchst zu verhindern, dass das Feuer weiter überspringt.»
Dabei werden oftmals Brandschneisen angelegt – teils von Hand mit Hacken, teils mit schwerem Gerät. Wasser ist vielerorts Mangelware und muss in Tanklastwagen über die oftmals schlecht ausgebauten Strassen an die Einsatzorte gebracht werden. Unterstützung kommt daher auch mal aus der Luft. «Wenn so ein Erickson-Helikopter zehn Tonnen Wasser auf einen Schlag abwirft, kannst du dich unten am Boden nur noch wegducken.»
Einer der prägendsten Einsätze ereignete sich im Sommer 2018. Damals verwüsteten Wald- und Buschbrände weite Teile der Region Attika. Mehr als 100 Menschen verloren ihr Leben. «Seither hat man von unserer Feuerwache in Neos Voutzas freien Blick aufs Meer.»
Im Juli wieder im Einsatz
Die dortige Feuerwehr sei für ihn und seine Lebensgefährtin unterdessen eine zweite Familie. «Wenn du Tag und Nacht gemeinsam gegen ein Feuer kämpfst, macht das etwas mit dir. Da spielt es keine Rolle mehr, woher man kommt.»
Im März 2025 waren Roger von Allmen und Eveline Hodel erstmals einen Tag lang als Touristen unterwegs – in Athen und notabene auch auf der Akropolis. Der Grund für ihre Reise war allerdings ein anderer: Die zwei Schweizer durften gemeinsam mit der Feuerwehr von Neos Voutzas an der Parade anlässlich des griechischen Nationalfeiertags mitmarschieren.
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Im Juli werden sie erneut in ein Flugzeug nach Athen steigen. Beide wie immer in ihrer Feuerwehrausrüstung – feuerfesten Stiefeln, Hosen und Jacken –, den Helm und den Atemschutz im Handgepäck. «Unterhosen oder Zahnbürste könnten wir notfalls vor Ort kaufen. Bei der Ausrüstung geht das nicht.»
Beim Heimflug hingegen werden sie sich nicht von all den Touristen unterscheiden – die bis dahin garantiert russige und stinkige Ausrüstung muss in den Frachtraum.
