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Gesellschaft

«Schweizer Jugend forscht»

Deshalb beobachtete diese Maturandin aus Saland streitende Taucherli

Die 18‑jährige Aliena Baumgartner aus Saland erforschte das Verhalten von Taucherli. Für ihre Arbeit wurde sie nun ausgezeichnet.

Aliena Baumgartner untersuchte das Territorialverhalten von Taucherli für ihre Maturaarbeit und fand ein überraschendes Ergebnis.

Foto: Schweizer Jugend forscht/Wikimedia

Deshalb beobachtete diese Maturandin aus Saland streitende Taucherli

«Schweizer Jugend forscht»

Die 18‑jährige Aliena Baumgartner aus Saland erforschte das Verhalten von Taucherli. Für ihre Arbeit wurde sie nun ausgezeichnet.

Aliena Baumgartner aus Saland war während des ersten Lockdowns 2020 in der sechsten Klasse – und ihr war oft langweilig. Deshalb verbrachte sie viel Zeit an einem Weiher und beobachtete Tiere. Besonders angetan war sie von Kaulquappen.

Die Faszination für Natur und Tierverhalten begleitet die 18‑Jährige bis heute. Ihr Berufsziel: Biologin zu werden.

Für ihre Maturaarbeit nutzte sie die Gelegenheit für ein erstes eigenes Forschungsprojekt: Sie untersuchte das Territorialverhalten von Taucherli, in der Fachsprache eurasische Blässhühner.

Doch wieso genau Taucherli? Die Nachwuchsbiologin hat eine einfache Antwort: «Weil man sie gut beobachten kann.» Sie erklärt: «Mir ging es darum, zu untersuchen, wie sich das Verhalten im Brutstadium auf das Territorialverhalten auswirkt.»

Man sieht Taucherli bei einem Konflikt.
Wenn Taucherli Konflikte haben, geht es rau zu und her.

Territorialverhalten bedeutet, dass Tiere ein bestimmtes Gebiet als ihr eigenes ansehen und es gegenüber anderen verteidigen oder kontrollieren wollen. Taucherli haben dafür verschiedene Methoden: Sei es mit aufgestellten Nackenfedern oder Flügeln oder eigentlichen Revierkämpfen.

23 Stunden am Teich

Um das Verhalten genauer zu untersuchen, machte sie im vergangenen Sommer Filmaufnahmen von zwei Weihern – einem in Bauma, dem anderen in Bubikon. «An beiden gab es vier Brutpaare, deshalb eigneten sie sich für den Vergleich», erklärt Baumgartner.

Während der Rittwegweiher in Bauma in der Nähe ihres Wohnorts liegt, musste sie für jenen in Wändhüslen bei Bubikon jede Woche eine kurze Reise in Kauf nehmen. Vor Ort machte sie wöchentlich 30 Minuten Filmaufnahmen – insgesamt kamen so von März bis Juni 23 Stunden Material zusammen.

«Die Auswertung war das Mühsamste an der ganzen Arbeit», sagt Baumgartner. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Sie konnte ihre Hypothese bestätigen, wonach Taucherli vor allem zu Beginn und gegen Ende der Brutsaison Konflikte austragen.

Gleichzeitig gewann sie neue Erkenntnisse: Auch in Auseinandersetzungen mit anderen Arten – insbesondere mit Teichhühnern – treten die meisten Konflikte in diesen Phasen auf und nicht, wie ursprünglich angenommen, kurz nach dem Schlüpfen des Nachwuchses.

Die kritischen Augen der Experten

Als Baumgartner ihre Arbeit im vergangenen Oktober einreichte, erwartete sie eine gute Note. Womit sie aber nicht rechnete, war, dass ihre Arbeit auch für das Halbfinale des Wettbewerbs «Schweizer Jugend forscht» ausgesucht wird.

Die gleichnamige Stiftung, die das Ziel verfolgt, jungen Menschen die Freude an der Wissenschaft zu vermitteln, führt jährlich einen Wettbewerb für Maturaarbeiten aus dem ganzen Land durch. Heuer fand die 60. Austragung statt.

Im Januar musste Baumgartner im Halbfinale ihre Forschungsarbeit Expertinnen und Experten vorstellen – und schaffte es in die nächste Runde.

Es folgte eine intensive Phase. Denn die Oberländerin musste ihre Arbeit bis Ende März unter Anleitung nochmals überarbeiten und weiterentwickeln. Für die Maturandin ein zusätzlicher Aufwand. «Ich musste auch noch ein Poster und ein kurzes Video erstellen», sagt sie.

Doch die Saländerin hatte ihr Ziel vor Augen: die nationale Ausstellung in Muttenz Anfang Mai. Als eine von rund 100 Jungforscherinnen und -forschern stellte Baumgartner dort ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit vor.

Ein etwas anderes Zwischenjahr

Dabei nahm auch eine Expertenjury die Forschungsarbeiten unter die Lupe. Denn am Ende der Ausstellung erhalten alle Arbeiten ein Prädikat: Gold, Silber oder Bronze – oder hervorragend, sehr gut oder gut. Für Baumgartner reichte es für Silber. Ausserdem erhielt sie den Sonderpreis «Alpine Plant Ecology – Lernen und Forschen im Hochgebirge», die vom Chemiekonzern DSM-Firmenich gestiftet wird.

Dass es nicht für die höchste Auszeichnung gereicht hat, macht sie nicht traurig. «Es gab so viele gute Projekte», sagt sie. Am Finale im Baselbiet habe sie auch den Austausch mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern geschätzt. Zum ganzen Projekt meint sie: «Es hat viel Spass gemacht.»

Ihr letztes Forschungsprojekt wird es nicht sein. Sie will bald ein Biologiestudium starten – doch zuerst möchte sie ein Zwischenjahr machen. Dieses nutzt sie aber nicht für eine ausgedehnte Reise. «Ich hoffe, dass ich in verschiedenen Biologie-Forschungsgruppen reinschnuppern kann.»

Bronze für Ustermer

Aliena Baumgartner war nicht die einzige Oberländer Vertreterin am Finale von «Schweizer Jugend forscht». Für seine Arbeit «Vorhersage der Ozonkonzentration mithilfe von neuronalen Netzen» erhielt der Ustermer Diego Muzzarelli das Prädikat Bronze.

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