Nun ist das Café am Bahnhof Hinwil wieder geöffnet
Ruhepol im Pendlerstress
Sarah Ehrismann hat dem alten SBB-Häuschen am Bahnhof Hinwil neues Leben eingehaucht. Neben Kaffee und Cheesecake bietet ihr Café Sarita’s auch selbst gehäkelte Augenschmäuse.
Nur etwas über ein Jahr war das Café Diamond am Bahnhof in Hinwil geöffnet. Aus familiären Gründen musste die Betreiberin das Lokal Anfang 2026 schliessen und einen Nachmieter für den Vertrag mit den SBB suchen. Denn das Café war im ehemaligen SBB-Häuschen eingemietet.
Nun kann dort wieder Kaffee getrunken und Kuchen gegessen werden – aber nicht nur. «Wir bieten auch Zmorge, Brunch und eine kleine Mittagskarte an», sagt Sarah Ehrismann. Sie hat den Vertrag übernommen und Anfang April das «Sarita’s» eröffnet.
«Schon seit dem Gymi war es mein Traum, ein eigenes Café zu führen», sagt die 39-Jährige, die zuerst Soziologie studiert hat und danach die Hotelfachschule absolvierte. Das Konzept für ihr eigenes Lokal lag seit zehn Jahren in der Schublade, jetzt konnte sie es endlich realisieren.
«Ich begann schon vor eineinhalb Jahren, mich nach einem geeigneten Lokal umzusehen», erzählt Ehrismann, die in Meilen lebt. Zuerst beschränkte sich diese Suche auf Gemeinden am Zürichsee. Aufgrund mangelnder Möglichkeiten weitete sie das Gebiet schliesslich auf das Oberland aus – und wurde fündig. Zum Bewerbungsprozess für das Lokal in Hinwil gehörte auch ein Vorstellungsgespräch bei den SBB, danach wurden die Verträge unterschrieben. Bis im März arbeitete Ehrismann noch als stellvertretende Geschäftsführerin in der «Outback Lodge» in Zürich, parallel dazu bereitete sie das SBB-Häuschen auf die Eröffnung vor.
Stachlige Dekoration
Von ihrer Vorgängerin konnte Ehrismann gleich die gesamte Einrichtung übernehmen, so fällt erst auf den zweiten Blick auf, dass sich hier etwas verändert hat. «Aber ich habe bei der Dekoration meinen persönlichen Touch reingebracht.»
Dieser widerspiegelt sich in Pflanzen und altem Geschirr, das sie von Verwandten und Bekannten erhalten hat, aber vor allem in der Tischdekoration: Auf jedem Tischchen steht eine andere Art Kaktee – aus Wolle gehäkelt. «Das Häkeln ist eines meiner grössten Hobbys», sagt Ehrismann strahlend. Und die Deko fällt auf: «Ich werde jeden Tag auf die Kakteen angesprochen, und es gab auch schon Fragen, ob ich Kurse anbieten würde – diese sind tatsächlich geplant.»

Ein anderes Thema, das täglich von ihren Kundinnen und Kunden zur Sprache gebracht werde, sei die Nähe zur Bäckerei Steiner auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Aber diese sieht sie nicht als Konkurrenz. «Ich habe ein ganz anderes Angebot. Zudem stelle ich neben Brot und Gipfeli alles selbst her.»
«Alles», das sind Süssgebäck, Zopf und salzige Speisen. Ihre Spezialität ist Cheesecake in verschiedenen Sorten, darunter auch vegane und laktosefreie Varianten. Am Eröffnungstag bot sie davon Gratismüsterli an. «Ich habe damit gerechnet, dass die Leute sich einfach ein ‹Probiererli› schnappen und weitergehen, aber bereits am ersten Tag sind viele Besucher wirklich lange bei mir sitzen geblieben.»

«Ofenbasierte» Speisekarte
Unterstützt wird Sarah Ehrismann von einer Kollegin, mit der sie bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. «Ich bin eher in der Küche eingespannt und sie im Service.» Da es sich nicht um eine eigentliche Gastroküche handle, sondern um eine Produktionsküche, sei die Speisekarte eher «ofenbasiert», erklärt sie.
Im Hintergrund wird sie von ihrem Partner unterstützt, der sich etwa um Website und Buchhaltung kümmert. Sie selbst habe keine Kinder, darum sei das Café ihr Baby. «Und ich kann mich zu 100 Prozent reinhängen.» Trotzdem: «Wir sind ein kleiner Betrieb, und manchmal hat es einfach das, was es hat.» Das Schwierigste bisher sei denn auch die Zusammenstellung der Speisekarte gewesen. «Ich habe einfach zu viele Ideen.»
Das «Sarita’s» – den Kosenamen für Sarah erhielt Ehrismann einst von einem italienischen Küchenchef – ist von Mittwoch bis Freitag bereits ab 6.30 Uhr geöffnet, am Wochenende ab 9 Uhr. Noch bleibt jedoch der Ansturm der Pendler auf den Morgenkaffee aus, obwohl sie alles auch als Take-away anbietet. «Die Leute müssen wohl erst merken, dass das Café wieder offen ist», sagt Ehrismann.

Noch gilt es für sie und ihre Mitarbeiterin, die Abläufe fortlaufend zu optimieren und festzusetzen. «Wir müssen uns noch etwas einspielen.» Gleichzeitig kann sie sich bereits über Stammgäste freuen. «Es gibt wirklich ein paar Kunden, die seit der Eröffnung jeden Tag hier gewesen sind», freut sie sich. Und auch wenn es aus Platzgründen keine Kinderecke gibt, ist in einem Regal eine Auswahl an Spielsachen und Kinderbüchern zu finden. «Hier sind alle willkommen», sagt Ehrismann. «Ganz nach meinem Motto: Genuss zum Verweilen.»