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Gesellschaft

Wetziker Pub-Festival in den Startlöchern

«Wir geben den Feiernden einfach mehr Ruhezeiten»

Obwohl die Besucherzahlen tendenziell rückläufig sind, gibt es dieses Jahr sieben statt sechs Partyabende am Pub-Festival. OK-Chef Thomas von Allmen verrät, warum – und wie er und sein Team dem Rückgang gegensteuern.

Thomas von Allmen war in jungen Jahren regelmässig Gast am Pub-Festival – seit einigen Jahren steht er diesem vor und steuert die Entwicklung des Traditionsevents. (Archiv)

Foto: Sandro Compagno

«Wir geben den Feiernden einfach mehr Ruhezeiten»

Wetziker Pub-Festival in den Startlöchern

Obwohl die Besucherzahlen tendenziell rückläufig sind, gibt es dieses Jahr sieben statt sechs Partyabende am Pub-Festival. OK-Chef Thomas von Allmen verrät, warum – und wie er und sein Team dem Rückgang gegensteuern.

650 Franken pro Monat – so viel verdiente Thomas von Allmen in seiner Lehre als Kaufmann vor 20 Jahren. Im Mai ging davon jeweils fast alles fürs Pub-Festival drauf. «Sechsmal ans Pub-Festival, jedes Mal mit einem Lappen im Sack. Unter der Woche gab es in der Berufsschule dann wieder Sandwiches zum Zmittag.»

So erinnert sich der heute 38-Jährige an seine Anfänge am Wetziker Anlass. «Ich hätte mir damals nie vorstellen können, dass ich wenige Jahre später selbst zu den Tätschmeistern gehöre.»

Doch genau das ist jetzt die Realität. 2009 wurde von Allmen Projektleiter bei der Organisatorin Rock-it Event GmbH und leitete 2010 sein erstes Pub-Festival. 2022 übernahm er die Firma – und ist damit der OK-Chef des Pub-Festivals. Die diesjährige Durchführung des Events ist somit eine ganz besondere für den Veranstalter aus Dürstelen. «Das Festival und ich, wir feiern unser 20-Jähriges», sagt er mit einem Lachen.

Über die Jahre hat sich aber nicht nur seine Rolle verändert, sondern auch das Publikum des Festivals selbst. «Das Durchschnittsalter der Besuchenden ist nach der Pandemie eher gestiegen», sagt von Allmen. Viele Besucherinnen und Besucher befinden sich heute in einer anderen Lebensphase – mit Kindern, die schon gross sind, und mehr Freiraum fürs Ausgehen. «Es ist fast ein Revival-Effekt.»

Dem Rückgang gegensteuern

Ein Wandel, der das Pub-Festival zuletzt unter Druck setzte. Noch im vergangenen Jahr sprachen die Organisatoren von Sparmassnahmen und verändertem Partyverhalten bei den jungen Erwachsenen, ja sogar von einem Ablaufdatum.

Ganz so dramatisch sieht von Allmen die Situation heute nicht mehr, auch wenn er den Trend bestätigt. Veranstaltungen wie das Pub-Festival seien insgesamt rückläufig, sagt er. «Von 2024 auf 2025 hatten wir einen minimen Besucherrückgang im tiefen dreistelligen Bereich über sechs Partyabende», ordnet er ein.

Gleichzeitig gebe es immer wieder Bewegungen, die neue Dynamik bringen könnten – etwa wenn jüngere Generationen auf den Geschmack kämen. «Wir lassen uns nicht entmutigen», so von Allmen. Ziel sei es, gegenzusteuern und das Format so lange wie möglich zu erhalten.

Viele Leute feiern in einer Halle, die in buntes Licht getaucht ist.
Es wird zwar noch gefeiert, wenn auch nicht mehr so intensiv wie früher – heute gehen die Jungen tendenziell nur noch an einem Tag pro Woche in den Ausgang . (Archivfoto)

Dieses Gegensteuern zeigt sich im diesjährigen Programm auf überraschende Art und Weise: Das Festival bietet mit der Ü30-Party am 22. Mai einen zusätzlichen Abend an, statt sechs Partys sind es dieses Jahr sieben. Grund dafür ist, so ironisch es klingt, eben auch der Besucherrückgang.

Von Allmen sagt: «Wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass die Samstage besser laufen als die anderen Tage. Anders als früher gehen viele Junge heute nicht mehr an beiden Abenden in den Ausgang.»

Statt also möglichst viele Abende kompakt zu bündeln, verteilt sich das Pub-Festival heuer stärker über mehrere Wochenenden. «Wir geben den Feiernden einfach mehr Ruhezeiten zwischen den Events», sagt von Allmen.

Dass der zusätzliche Partyabend mit einer Ü30-Party gefüllt wird, hat auch mit dem Revival-Charakter des Pub-Festivals zu tun. «An vielen Abenden haben wir Gäste, die alte Zeiten wieder aufleben lassen. Mit der Ü30-Party kann man das noch etwas mehr in den Fokus rücken.»

Das Programm überdenken

Schon im letzten Jahr haben die Veranstalter mit ersten Massnahmen reagiert, um den finanziellen Rückgang aufzufangen. Seit 2025 wird der Event vollständig in Eigenregie geführt. Früher wurden die Plätze in der Halle an externe Betreiber oder Vereine vergeben, die selbst für Betrieb und Einnahmen zuständig waren.

Heute übernimmt der Veranstalter diese Aufgabe selbst und setzt stärker auf eine Kombination aus Eintritt und Konsumation. «Wir konnten die wegfallenden Eintrittsgelder mit den Einnahmen an der Bar kompensieren», sagt von Allmen. Gleichzeitig ist ihm auch bewusst, dass die Zahlungsbereitschaft beim Publikum eine Grenze hat: «Die Schmerzgrenze bei den Eintrittspreisen ist erreicht; sie zu erhöhen, ist keine Option.»

Deshalb überdenkt das Team das Angebot des Pub-Festivals. Zwischen den klassischen Partyabenden könnten künftig auch andere Formate stattfinden. «Konzerte sprechen ein anderes Publikum an als die klassischen 90er- oder Ballermann-Abende.» Konkrete Pläne gibt es diesbezüglich jedoch noch nicht, wie von Allmen betont.

Erst wolle man schauen, wie dieses Jahr laufe. Die Ticketverkäufe ziehen bekanntlich kurz vor dem Start noch an. «Viele entscheiden auch spontan, ans Festival zu kommen – je nach Laune und Wetter.» Von Allmen selbst wird jeden Abend vor Ort sein, wenn auch nicht immer bis zum Schluss. Am meisten freut er sich auf die Sängerin Loona. «Sie verbreitet Sommervibes und gute Stimmung. Das können wir in der Welt gerade gut gebrauchen.»

Das Pub-Festival 2026 startet am Samstag, 2. Mai, mit der «Big Bang 2000er Party». An den darauffolgenden Wochenenden finden in der Wetziker Eishalle verschiedene Partys statt. Das genaue Programm und Tickets sind unter www.pubfestival.ch zu finden. (tas)

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