Der George Clooney von Uster: Bora Okumus ist Finalist beim Swiss Men’s Award
Mister-Wettbewerb
Der 55-jährige Ustermer hat es unter die letzten zwölf des Wettbewerbs geschafft. Ob er auch der glückliche Sieger des Swiss Men’s Award sein wird, entscheidet sich am 2. Mai.
Bora Okumus hat die Lobby des Hotels Illuster als Treffpunkt für das Interview vorgeschlagen. Der 55-Jährige ist ein Mann der alten Schule – er begrüsst einen mit Namen, fragt höflich nach dem Getränkewunsch (Cappuccino) und ordert noch ein Wasser zur Sicherheit mit dazu.
Der Ustermer spricht mit ruhiger, eher leiser Stimme – dafür wird er umso schneller sehr persönlich. Er komme gerade aus dem Spital zurück, sein 90-jähriger Vater liege im Sterben. Andere hätten das Thema im Interview vielleicht umschifft – zu gross die Gefahr, sich verletzlich zu zeigen. Doch Okumus ist offenbar von der anderen Sorte.
Ohne Umschweife erzählt er, was in den vergangenen Monaten bei ihm los war: Die langjährige Krankheit des Vaters mit Spitalaufenthalten und Aufenthalten im Pflegeheim waren für seinen Vater, ihn und die restliche Familie eine grosse Belastung.
Dabei war der Vater für Okumus eher ein Antivorbild: «Ich wollte nie werden wie er. Er hat mich und meinen Bruder geschlagen, meiner Mutter hat er kaum ein eigenes Leben zugestanden.» Vielleicht hat sich der Ustermer, dessen Eltern aus der Türkei stammen, deswegen für einen anderen Weg entschieden: «Loyalität, Ehrlichkeit, Integrität und Zuverlässigkeit» sind die Werte, die er für sich beansprucht – und mit denen er auch beim Swiss Men’s Award, einem alternativen Mister-Wettbewerb, punkten will.
Der «Mister Right» muss Persönlichkeit haben
Dabei wird einmal pro Jahr nach dem «Mister Right» gesucht, veranstaltet und organisiert wird der Wettbewerb von Renata Angehrn. In einem früheren Gespräch mit dieser Zeitung sagte die Thurgauerin, nachdem der «Mister Schweiz» nicht mehr gesucht worden sei, habe etwas gefehlt, das weniger das Aussehen und mehr das Innere eines Menschen bewerte. «Mein ‹Mister Right› soll der Schwiegersohn, Geschäftspartner und Freund sein, der sich jeder wünscht», erklärte Angehrn.
Bewerben können sich dafür alle Männer ab 20 Jahren, die Jury, zu der auch Angehrn und der jeweils amtierende «Mister Right» gehören, trifft dann eine Auswahl aus den besten 20. Unter die hat es Okumus geschafft. Während des aktuell laufenden Durchgangs habe er sich bereits gut behaupten können. «Das ‹Boot Camp› habe ich gewonnen, und auch bei den anderen Teilwettbewerben war ich immer in den Top Three.»



Das «Boot Camp» ist nur einer der zahlreichen «Coaching Days», bei denen sich die Männer unter Beweis stellen oder vielmehr weiterentwickeln. So zum Beispiel am «Social Media Day», an dem die Kandidaten von Experten geschult werden, sich möglichst wirkungsvoll und glaubwürdig in den sozialen Medien zu präsentieren.
Beim «Fun Day» stand, wie der Name schon sagt, der Spass im Mittelpunkt – die Teilnehmer mussten sich hierbei in einem Ninja Warrior Parkour behaupten und einen persönlichen Skill vorführen. «Ich bin mit null Erwartungen an den ganzen Wettbewerb herangegangen, war einfach ich selbst, ganz unverstellt», erzählt der Ustermer. «Bis jetzt war das, so glaube ich, mein Erfolgsrezept.»
Drei Töchter und jede Menge Lebenserfahrung
Mittlerweile sind weitere acht Männer rausgeflogen, die anderen noch übrig gebliebenen elf Kandidaten überbietet Okumus zumindest klar, was das Alter angeht: Sie sind zwischen 22 und 53 Jahre alt. «Ich glaube, dass ich dadurch auch ein gewisses Mass an Lebenserfahrung mitbringe, was vielleicht ein Vorteil sein könnte.»
Lebenserfahrung bringt der Mann, der im bürgerlichen Leben Cybersecurity-Spezialist ist, reichlich mit – er hat drei Töchter im Alter zwischen 16 und 29 Jahren, war 25 Jahre verheiratet. Als das Thema auf seine Familie fällt, wird er nachdenklich. «Ich bin extrem treu und loyal. Ich dachte immer: einmal heiraten fürs Leben. Als es nicht geklappt hat, hat mich das zerrüttet», erzählt er. Auch zu seinen Töchtern habe er mittlerweile nur wenig Kontakt. «Ich hoffe sehr, dass sich unser Verhältnis wieder bessert.»
Heute ist der 55-Jährige wieder glücklich liiert – und seine Partnerin war es auch, die ihn zur Teilnahme am Swiss Men’s Award motivierte. «Sie fand, dass ich ein Mann bin, der eine gewisse Persönlichkeit mitbringt – abseits der Optik und gewisser körperlicher Standardmasse, die man bei anderen Mister-Wettbewerben ja haben muss.»
Seine Partnerin wird es auch sein, mit der sich der Ustermer im Finale des Wettbewerbs präsentieren will – mit einer gemeinsamen Tanzeinlage möchte er die Stimmen der Jury gewinnen und die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer erobern. Ansonsten ist für Okumus noch vollkommen unklar, was am 2. Mai im Stadthofsaal in Uster genau auf ihn zukommt. «Ich wäre auch überrascht, wenn ich gewinnen würde – auch, weil beim Award Wert auf Social Media gelegt wird.» Dies sei nicht seine Stärke.

Von anderen Kandidaten werde er dennoch als einer der Favoriten gehandelt. Falls Okumus gewinnen würde, dürfte er sich ein ganzes Jahr «Mister Right» nennen – und wäre damit auch der letzte Mann, der diesen Titel trägt. Denn den Wettbewerb wird es, so hat es Gründerin Renata Angehrn bereits angekündigt, nach Abschluss dieser Staffel nicht mehr geben. Im Gespräch mit dem «Blick» hatte die 69-Jährige unter anderem ihr Alter und die immer schwieriger werdende Finanzierung als Grund genannt.
Wer die Kürung des «Mister Right» in Uster mitverfolgen will, kann hier noch Tickets erwerben.