So tönt der neue Mami-Podcast aus Wetzikon
«Richtig Muetter» auf die Ohren
Im Podcast von Nadine Mühlebach und Eileen Weber aus Wetzikon geht es «mutterwärts». Unter dem Titel «Richtig Muetter» sprechen die beiden über ihre täglichen Herausforderungen.
Kafitanten: So bezeichnen sich Nadine Mühlebach und Eileen Weber aus Wetzikon. «Einfach mit mehr Deep Talk als Small Talk.» Die beiden lernten sich vor sieben Jahren bei ihrer Arbeit als Lehrpersonen im Zyklus 1 (ehemals Kindergärtnerin) kennen. Und schnell war klar: Das passt.
«Wir konnten bereits ab dem ersten Moment nicht über Belangloses sprechen, sondern tauchten sogleich tief in alles ein», erzählt die 38-jährige Nadine Mühlebach. «Uns verband der Wunsch, bei jedem Thema über den Tellerrand hinauszublicken, auch wenn das unbequem werden kann», ergänzt die 37-jährige Eileen Weber.
Mittlerweile sind beide Mütter und haben damit ein neues, zentrales Diskussionsthema, um sich auszutauschen. Mühlebach hat zwei Töchter, Weber einen Sohn. Was genau die beiden Mütter beschäftigt, können sich seit vergangenem Dezember alle anhören.
In ihrem Podcast «Richtig Muetter» sprechen die Freundinnen über das Dasein als Mutter mit allen Hochs und Tiefs. Zentraler Bestandteil davon ist der Begriff der Muttertät, der den Prozess des Mutterwerdens beschreibt. «Dieser ist zwar nicht neu, aber kaum jemand kennt ihn», sagt Eileen Weber.
In den Siebzigerjahren rief die Anthropologin Dana Raphael aus den USA den Begriff Muttertät ins Leben. Es greift die Parallelen zur Pubertät auf: In beiden Lebensphasen verändern sich unter anderem Körper, Hormonhaushalt als auch Selbstbild und die Beziehungen einer Frau. Original im Englischen lautet der Begriff «matrescence», an das Wort «adolescence» angelehnt.
Eileen Weber arbeitet mittlerweile nicht mehr im Bildungswesen, sondern hat sich einer feministischen Coachingausbildung gewidmet. «Ich will zukünftig ein Begleitangebot für Frauen und Mütter schaffen und sie auf ihrem Weg bestärken.» Der Podcast sei der erste Schritt in diese Richtung. Zudem hat sie einen Mütterkreis im Fiz-Familiencafé in Wetzikon ins Leben gerufen.
In Nadine Mühlebach hat sie die perfekte Sparringpartnerin für den Podcast gefunden. «Ich habe mir schon länger überlegt, einen Podcast zu starten», sagt Mühlebach.
Das Zielpublikum seien natürlich in erster Linie Mütter. «Wir wollen aufklären, zu offenen und ehrlichen Gesprächen animieren und durch unseren Austausch zeigen, du bist nicht allein», sagt Weber. Und Mühlebach ergänzt: «Im besten Fall hören uns aber auch Väter, Grosseltern, werdende Eltern und eigentlich alle, die mit Elternschaft zu tun haben. Wir wollen inspirieren, aktivieren, aber auch kritisch hinsehen.»
Nicht mehr alle Tassen im Schrank
In ihren Gesprächen schaffen es die beiden, auf sehr bildliche Weise ihre Aussagen auf den Punkt zu bringen. Eine Person wird etwa als Chuchichäschtli mit vielen Tassen drin beschrieben. Jede einzelne widerspiegelt einen Lebensbereich. «Wenn ein Kind in die Welt kommt, braucht es im Chuchichäschtli Platz für diese neue, zu Beginn sehr grosse Tasse», sagt Nadine Mühlebach. «Dann müssen einige andere Tassen raus – aber nicht für immer.» Nach und nach können Tassen wieder einziehen. Andere werden vielleicht ersetzt oder ganz entsorgt.
Obwohl solche Bilder nicht im Vorfeld zurechtgelegt werden, sondern in den Gesprächen entstehen, kommt der Podcast nicht ohne Vorbereitung aus. Diese besteht darin, dass Weber sich ein Thema überlegt und Fachliteratur dazu liest. «Und ich stelle dann einfach noch das Mikrofon auf», meint Mühlebach lachend. Sie ist für den Schnitt, die Jingles und den Upload der Folgen verantwortlich. Doch Weber dementiert: «Du stellst die wichtigen Fragen dazu und zeigst auf, wo allfällige blinde Flecken sind, durch die eine spannende Diskussion entstehen kann.»
Aufgenommen wird bei Nadine Mühlebach zu Hause. «Und dann sitzen wir bei mir auf dem Boden – umgeben von Ikea-Faltmatten für einen möglichst guten Ton – und reden, solange es spannend ist.» Die Aufnahmen werden in Häppchen von maximal 45 Minuten Länge aufgeteilt. «Wir sind noch weit weg von einem professionellen Podcast», räumt Weber ein. «Wobei dieser Anspruch auch nicht besteht.»
Gäste aus anderen Lebensrealitäten
Direkt, ehrlich und «fadegrad»: So ist der Tonfall im Podcast. Die Namensfindung habe sich lange hingezogen. «Am Ende schwankten wir zwischen ‹Mamisch› und ‹Richtig Muetter›», erzählt Eileen Weber. «Ich habe zwei verschiedene Jingles eingesprochen, und ab dann war schnell klar, dass es in Richtung Mutter geht», sagt Mühlebach.
Dass dieser Name auf sehr viele verschiedene Arten betont werden könne, dadurch unterschiedliche Bedeutungen erhalte und auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen sei, passe zum facettenreichen Podcast, sind sich die beiden einig. In Zukunft wollen sie auch Gäste begrüssen, um möglichst vielen verschiedenen Familienformen Sichtbarkeit zu bieten: etwa Eltern mit Adoptivkindern, Alleinerziehende oder gleichgeschlechtliche Eltern. «Es gibt so viele spannende Lebensrealitäten», sagt Weber.
Bösen Zungen, welche die Augen verdrehen ab einem zusätzlichen Podcast im vermeintlich gesättigten Markt, halten sie genau damit dagegen. «Es soll nicht um Konkurrenz gehen, sondern um ein Nebeneinander, das sich gegenseitig unterstützt und weiterbringt. Deswegen verweisen wir auch auf andere Podcasts und Internetseiten, die wir als wertvoll erachten.» Und Mühlebach betont: «Wenn auch nur eine Handvoll Menschen von unseren Gesprächen profitieren kann, hat es sich gelohnt.»
Der Podcast ist über Spotify, Youtube und Apple Podcasts zu finden.