Gesellschaft

Postgeschichte

In Wetzikon ist die stehende Helvetia hoch im Kurs

Was macht die Faszination der Briefmarken aus? Sammelnde berichten darüber.

Briefmarken sind kleine Kunstwerke.

Foto: Luc Müller

In Wetzikon ist die stehende Helvetia hoch im Kurs

Die einen lecken sie ohne Beachtung kurz ab – für die anderen sind Briefmarken kleine Kunstwerke, die ins Album gehören. Zu Besuch beim Philatelistenclub.

Klein, aber fein. Das gilt nicht nur für den Philatelistenclub Wetzikon und Umgebung mit seinen 40 Mitgliedern. Sondern auch für die kleinen, bunten Kunstwerke, auf welche es die Sammlerinnen und Sammler abgesehen haben. Hinter den Minipapierchen stecken immer ganz viel Geschichten, wie ein Besuch im Wetziker Vereinslokal zeigt.

Leute
Der Club hält regelmässig Treffen ab.

«Heute steckt man nicht mehr einfach die Briefmarken ins Album. Man dokumentiert vielmehr die Postgeschichte oder die Vielfalt von Marken, die in einer einzelnen Stadt erschienen sind», erklärt Hans Peter Glaus. Der 77-Jährige ist Präsident des Philatelistenclubs Wetzikon und Umgebung. Ihn interessieren aussergewöhnliche Marken: solche aus Porzellan, Metall oder gewobene. Die Post im In- und Ausland hat zahlreiche solcher Sondermarken herausgebracht.

Präsi
Hans Peter Glaus ist Präsident des Philatelistenclub Wetzikon und Umgebung.

«Mich fasziniert auch immer wieder die Geschichte, die hinter den Marken steckt. So habe ich beispielsweise einen Breif aus dem US-Gefangenenlager Camp Hearne in Texas, wo Deutsche um 1943 inhaftiert waren», sagt Glaus. Ab den 1960er Jahren habe eine Überproduktion der Postmarken begonnen. «Frühere Marken sind viel wertvoller», erklärt Glaus. Inzwischen existierten auch Kryptomarken – die gar keinen physischen Wert mehr haben für Sammler.

Börse
Die diesjährige Börse fand am 22. März in Wetzikon statt.

Der Club bietet Beratungen an, wenn jemand beispielsweise eine Briefmarkensammlung geerbt hat und diese einschätzen lassen will. Zudem organisiert er jedes Jahr eine Vereinsbörse. Diese fand jetzt gerade am
22. März in Wetzikon statt. 13 Händler waren vor Ort, um ihre Waren zu präsentieren. Auch die Clubmitglieder zeigten ihrer Briefmarkenschätze.

Typ mit Album
Ueli Felder sammelt Marken mit Vögeln drauf.

«Ich sammle Marken mit Vogelmotiven. Eisvögel, Wiedehopf und Pirol interessieren mich besonders», berichtet Ueli Felder, der früher als Pöstler tätig war. «Ich bin auch ab und zu auf Briefmarkenbörsen unterwegs oder tausche Briefmarken.» Der 76-Jährige ist der Börsenobmann und zuständig für die Organisation der jährlichen Clubbörse. Beim Treffen hat er mehrere Alben mit Briefmarken aus Deutschland dabei.

Jagdmotive – das ist die Leidenschaft von Josef Krummenacker (76). «Ich habe schon im Kindergarten angefangen zu sammeln.» Beim Durchblättern seines Albums tauchen zahlreiche Marken aus dem Ausland auf: so auch Jagdszenen aus Kirgistan. Und Marken, die Pferdetrams zeigen. Denn Gespanne sind weitere Motive, auf die es Krummenacker abgesehen hat.

Frau
Regina Bachmann interessiert sich für aussergewöhnliche Briefmarken wie solche aus Porzellan oder Stoff.

An einem anderen Tisch hat Regina Bachmann, eine der wenigen Frauen im Verein, ihre Schätze ausgebreitet. Es sind spezielle Sondermarken. «Wenn man über diese Marke streicht, riecht es nach Rauch», erklärt sie. Die Marke zeigt ein Holzfeuer. Sie sei durch ihren Mann Erich, der seit 40 Jahren hier im Club aktiv ist, zum Sammeln gekommen. Früher hat sie im Postlogistikzentrum Hinwil Päckli sortiert. Und jahrelang war sie im Club als Jugendleiterin tätig, wo sie Jugendlichen die Faszination des Briefmarkensammelns näherbrachte.

Mann mit Brille
Fredi Dietschi interessiert sich für Briefmarken, welche die stehende Helvetia zeigen.

Fredi Dietschi (68) war früher als Pöstler tätig. «Ich habe als Kind schon Briefmarken gesammelt. In den 60er und 70er Jahren war das noch sehr populär.» Bis heute ist er mit viel Leidenschaft dabei. Mit Kollegen hat er vor rund zwei Jahren das Onlineforum basler-taube.ch gegründet. Hier tauschen sich Sammlerinnen und Sammler aus. Er selber hat sich auf Marken spezialisiert, welche die stehende Helvetia zeigen.

Mann alt
Jakob Meier sammelt sogenannte «alte Schweizer»: die ersten Briefmarken der Schweiz.

Rayon 1, so nennt sich eine Marke von 1851, die zu den ersten Marken in der Schweiz zählt. Solche «alte Schweizer» interessieren Jakob Meier. «Diese Marken sind besonders. Ich wollte eine besondere Sammlung aufbauen und habe mich deshalb auf diese Marke fokussiert.» Die Eltern des 82-Jährigen hatten ein Geschäft – oft trafen Geschäftsbriefe ein. «Die schönen Briefmarken faszinierten mich sofort.»

Um 1900 habe es in der Schweiz noch 120 Schokoladenfabriken gegeben. Heute seien es noch 34, erzählt Pierre Dafflon. Marken und Postkarten von Schweizer Schokoladenfabriken, das ist die Sammelleidenschaft des ehemaligen Bäcker und Konditors. «Ich habe schon früh angefangen, Biefmarken zu sammeln. Mein Vater hatte schon eine Sammlung», betont Dafflon.

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