Die harten Kerle im Gartenparadies
Gartenserie, Teil 1
Diese kältetoleranten Gemüsesorten erlauben uns Gartenfans die Saison schon vor den Eisheiligen zu starten – auch ohne Gewächshaus.
Nicht der Geburtstag, nicht Weihnachten und auch nicht Ostern – für Gärtnerinnen und Gärtner liegen die wichtigsten Tage mitten im Mai: die Eisheiligen. Die Eisheiligen beginnen am 11. Mai und bezeichnen mehrere Namenstage von katholischen Heiligen. Am letzten Tag dieser Kaltphase, am 15. Mai, steht die sogenannte «Kalte Sophie» (Heilige Sophia von Rom).
Gemäss einigen Bauernregeln ist die «Kalte Sophie» der Start für die Gartensaison. Danach darf das ganze Gemüse in den Garten, weil dann keine gefährlichen Bodenfröste oder zu kalte Nächte mehr zu erwarten sind.
Aber Mai? Für eingefleischte Gartenfans viel zu spät. Schliesslich kitzelt uns die Sonne schon jetzt raus in den Garten. Deshalb besprechen wir heute die harten Kerle im Gartenparadies. Sie dürfen schon vor den Eisheiligen – teils schon ab Ende Februar – ins Beet. Ohne Vorziehen, ohne grosses Tamtam, einfach die Samen rein und zuschauen.
Und ein weiterer Vorteil: Einige dieser Pflanzen sind bis zu den Eisheiligen schon erntefertig und schaffen dann Platz für wärmeliebende Sorten.
Der Kinderfreund
Wer hat genauso wenig Geduld wie wir Gartenfreunde? Richtig, Kinder. Und für die sind die Radiesli da. Sie scheinen extra für Ungeduldige konzipiert zu sein. Nicht nur kann man die kleinen Knollen bereits jetzt ins Beet säen, sie wachsen auch unglaublich schnell und sind damit die beste Hilfe, die Kinder mit an die frische Luft zu holen.
Sie kennen nur die kleinen, roten Rundlinge? Dann ist es Zeit, Samentütchen zu durchstöbern. Es gibt die flinke Knolle nämlich auch gelb, violett, zweifarbig – zum Beispiel aussen weiss und innen rot, genannt Wassermelone – aber auch in langer, weisser Form mit dem treffenden Namen Eiszapfen. So kann man sich eine spannende, farbige Frühlingsernte zusammenstellen.
Erntereif sind die Radiesli nach etwa acht Wochen. Wenn sie deutlich aus der Erde schauen, sollte man mit dem Ernten nicht mehr zu lange warten, da sie sonst pelzig, holzig oder zu scharf werden.
Apropos scharf: Macht man sich die Mühe und wässert die Radiesli regelmässig, werden sie deutlich milder im Geschmack.
Im Garten
Neu gehen wir etwa einmal im Monat zusammen in den Garten und besprechen kleine Tipps und Tricks, wie der Garten mit wenig Aufwand noch mehr Freude bringt.
Sie haben Anregungen oder Fragen? Dann melden Sie sich gerne per Mail an redaktion@zol.ch, Betreff «Im Garten».
Der Mützenträger
Brokkoli im März ins Freiland säen? Davon würden viele abraten, doch mit einem kleinen Trick funktioniert das und bringt auch einige Vorteile mit sich.
Der Trick? Eine Mütze. Oder genauer gesagt: ein Pflanzenhut. Die Plastikhauben können günstig im Gartencenter gekauft werden oder, wer es lieber mit Upcycling macht, der kann bei durchsichtigen Getränkeflaschen den Boden abschneiden, und schon lassen sich die Flaschen über die Samen setzen. Unten eingraben, damit die Flaschen nicht davonfliegen.

Und was ist nun der Vorteil von dem Extraaufwand? Der frühe Start ermöglicht eine Ernte vor der grossen Sommerhitze. Diese führt oft zum Aufblühen des Brokkoli. Der Brokkoli kann zwar auch gegessen werden, wenn er blüht, feiner ist er aber vorher – und er sieht hübscher aus. Zudem kommen mit der Wärme auch die Schädlinge. Vor allem der Kohlweissling hat es auf unseren Brokkoli abgesehen.
Und zu guter Letzt: Auch der Brokkoli ist nach etwa acht Wochen erntereif und kann dann schon Platz für neues Gemüse machen. Oder Sie lassen die Pflanze stehen, da sich an den Seiten weitere, kleinere Röschen für eine zweite Ernte bilden.
Das Supergrünzeug
Der Brokkoli sollte in einem Abstand von gut einem halben Meter gesät werden. Und rundherum bleibt es einfach leer? Natürlich nicht, damit versorgen wir nun Popeye – und uns selber.
Denn auch der Spinat fühlt sich pudeliwohl bei tiefen Temperaturen. Auch hier gilt: Samen jetzt rein ins Beet und zuschauen. Schon sechs Wochen später kann mit der Ernte begonnen werden. Für eine fortlaufende Ernte empfiehlt es sich, nur die äusseren Blätter abzuschneiden, damit das Herz weiterwächst.

Die Klassiker
Ebenfalls früh ins Beet dürfen die beiden Klassiker Rüebli und Salat. Wer mit den beiden jetzt startet, minimiert den Aufwand. Denn früh im Jahr bleibt der Boden leichter feucht – und das ist für diese beiden Aussaaten entscheidend. Nie durchtrocknen lassen!
Nach dem Spriessen die Rüeblisämlinge auslichten, damit sie etwa einen Abstand von 2 bis 3 Zentimetern haben. Beim Auslichten haben Sie weniger Aufwand, wenn Sie die Samen vor dem Säen mit Sand mischen oder noch einfacher: Kaufen Sie sich gleich ein Saatband, dann wachsen die Rüebli wohl erzogen im richtigen Abstand.
Je nach Sorte wird dann schon ab Juni geerntet – und das so lange, wie Sie möchten. Falls Sie den Platz haben, lassen Sie die Rüebli einfach im Boden, bis Sie sie brauchen. Das geht bis in den kommenden Frühling hinein. Die Rüebli bleiben auch bei Frost gut und fein.
Auch Asia-, Pflück-, Eissalat und Rucola fühlt sich bei tiefen Temperaturen wohl. Die Samen als Lichtkeimer nur etwa 0,5 Zentimeter tief säen und leicht andrücken. Gerade der Zupfsalat sichert eine relativ lange Erntedauer. Etwa im Juni sollten Sie aber spätestens nachsäen.
Doch aufgepasst: Der Eisberg- und der Kopfsalat sind absolute Gfrörli. Sie müssen noch warten, bis sich die Kalte Sophie für dieses Jahr verabschiedet hat.
Weitere Arbeiten vor den Eisheiligen
Wer für dieses Jahr Rosmarin, Thymian, Rosen, Obstbäume oder Beerensträucher pflanzen möchte, kann das jetzt machen. Ebenfalls kann man nun Frühkartoffeln vorkeimen. Dafür legen Sie diese in Eierkartons und lassen sie an einem hellen Ort bei einer Temperatur zwischen 12 und 15 Grad vorkeimen. Nach vier Wochen können Sie die Kartoffeln ins Freie setzen. Und einige Grobarbeiten gibt es nun auch zu tun: Rosen, Halbsträucher (Hortensie, Gartensalbei, Lavendel, Strauchmargerite, Rosmarin, Thymian etc.) und Stauden sollten nun geschnitten werden.