Friedhelm Krieger bereitet Paz Peru auf ein neues Kapitel vor
Zukunft von Hilfswerk aus Wetzikon
Friedhelm Krieger aus Wetzikon reist noch immer nach Peru, wo er das Hilfswerk Paz Peru gegründet hat. Dessen Zukunft bereitet er nun vor.
Auch mit 85 Jahren denkt Friedhelm Krieger noch nicht ans Aufhören. Er ist zwar pensionierter Religionslehrer, aber im Ruhestand ist er nicht. Paz Peru lässt das nicht zu.
Dieses Hilfswerk hat Krieger 1988 gegründet. Damals reiste er zusammen mit ehemaligen Schülern zum ersten Mal nach Peru, genauer gesagt in die Region Arequipa im Süden des Lands. «Vor Ort hatten wir einige Aktionen geplant, um der Bevölkerung zu helfen, beispielsweise verteilten wir Babynahrung.»
Was als einmalige Sache geplant war, wurde zu einem Hilfswerk. Bis heute hat Paz Peru über 160 Projekte in und um Arequipa umgesetzt. Die Stiftung hat kleinere Spitäler und Schulen gebaut, betreibt Kliniken und Lernstätten.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht dabei die Casa Isabel, die ursprünglich als Einrichtung für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen geplant war. Die Institution ist mittlerweile gewachsen und bietet nun auch ein Zuhause für körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder und Jugendliche.
Gute Beziehung zum Staat
«Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir vor Ort peruanische Fachkräfte haben», erklärt Krieger. «Und dies hat sich bis heute bewährt.» Insgesamt sind aktuell 120 Personen für Paz Peru tätig. Angestellt sind sie bei der Organisation vor Ort.
«Rechtlich ist die Organisation in Peru unabhängig von der Stiftung hier in Wetzikon», erklärt Krieger. «Denn eines Tages müssen sie den Betrieb auch ganz allein stemmen.»
Krieger bereitet die Organisation in Peru nämlich seit Jahren auf seinen Abgang vor. Wann dieser ist, bleibt noch offen und liegt für den Theologen in Gottes Hand. «Solange ich kann, werde ich nach Peru reisen.» Dort ist der Rat des Theologen und Hilfswerksgründers immer noch geschätzt. «Papa Don Fried», wie ihn die Kinder nennen, ist für viele ein Held.

Die Organisation schaffte es, in den letzten Jahrzehnten eine gute Beziehung mit dem peruanischen Frauenministerium aufzubauen. Dieses finanziert deshalb zahlreiche Projekte der Stiftung über Leistungsvereinbarungen.
Trotzdem unterstützt die Schweizer Stiftung immer noch den Betrieb vor Ort, beispielsweise wenn grössere Investitionen anfallen. Und deshalb ist Krieger weiterhin regelmässig als Spendensammler unterwegs. So gestaltet der Theologe beispielsweise regelmässig Gottesdienste und stellt die Arbeit von Paz Peru vor – dafür wird die Kollekte für die Stiftung gesammelt.
Stiftung wird sich wandeln
«Die Arbeit von Friedhelm kann niemand ersetzen», sagt Christoph Vollenweider. Der pensionierte Journalist ist Vizepräsident des Stiftungsrats und seit der Gründung dabei. «Uns im Stiftungsrat ist klar, dass der Erfolg der Stiftung eng mit dem Engagement und dem Charisma von Friedhelm verknüpft ist.»
Deshalb ist für ihn klar, dass das Engagement der Stiftung in den kommenden Jahren zurückgehen wird – sobald sich Friedhelm Krieger nicht mehr im gleichen Masse einbringen kann. «Wir stellen uns vor, dass wir in der Schweiz immer noch für Fragen und Anliegen aus Peru zur Verfügung stehen, aber nicht im gleichen Umfang, wie Friedhelm dies tut», sagt er.
Das Ziel ist, dass die peruanische Organisation den ganzen Betrieb und auch den laufenden Unterhalt der Institutionen künftig selbst tragen kann. «In der Schweiz werden wir noch einen Stock Geld behalten, mit dem wir gezielt spezielle Anliegen unterstützen können.»
Ein Beispiel dafür sind teure Operationen für Kinder mit komplexen medizinischen Problemen. Hier pflegt die Stiftung auch eine enge Zusammenarbeit mit einer niederländischen Organisation in Arequipa.
Die richtige Grösse
Die Entwicklungsmöglichkeiten von Paz Peru sind damit beschränkt. «Die sollen auch nicht mehr wachsen», sagt Krieger mit Überzeugung. «Wir haben jetzt eine überschaubare Grösse, da lässt sich noch Ordnung halten.»
Sorgen um die Zukunft seines Lebenswerks macht er sich nicht. «Die Organisation ist abgesichert», beteuert er. Dazu tragen nicht nur die Spenden aus der Schweiz oder staatliche Gelder aus Peru bei. Eine wichtige Einnahmequelle sind auch die Werkstätten von Paz Peru, beispielsweise in der Textilproduktion.
«Wir orientieren uns marktorientiert», betont Krieger. Gleichzeitig sollen die Werkstätten auch Personen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen einen Arbeitsplatz bieten. Das Geschäft laufe gut.
Im Februar reiste Krieger wieder nach Peru, um nach dem Rechten zu sehen. Dort hat er auch eine Ehrung durch das Ministerium für Frauen und gefährdete Bevölkerungsgruppen für seine Arbeit erhalten. 2012 erhielt er bereits die Ehrenmedaille des peruanischen Kongresses. Seither darf er den Titel «Caballero» (Ritter) tragen.


Doch «Papa Don Frieds» Augenmerk beim Besuch wird auch heuer wieder bei seiner Organisation liegen. «Aber wenn ich vor Ort bin, werde ich auch nochmals betonen, dass sie es irgendwann allein schaffen müssen.»
Mehr Informationen zur Stiftung Paz Peru sowie Spendenmöglichkeiten findet man auf der Website www.stiftung-pazperu.ch.