Dieser Ustermer erklärt Kindern das Immunsystem auf einfache Art
Kinderbuch über inhalative Allergien
Fabio Ersch aus Uster hat als Maturitätsarbeit ein Kinderbuch über Allergien geschrieben – damit die Betroffenen das Thema besser verstehen, als er es als Kind konnte.
Rote und geschwollene Augen, ein Jucken in der Nase – für Allergiegeplagte hat der Frühling schon lange begonnen. Auch die achtjährige Emma wacht eines Morgens mit brennenden Augen auf. Doch sie wohnt nicht etwa im Zürcher Oberland, sondern in einem Kinderbuch. «Emma und das Geschenk» heisst das Buch, das der Ustermer Fabio Ersch im Rahmen seiner Maturitätsarbeit geschrieben hat.
«Als Kind kam ich selbst oft mit roten Augen und juckender Haut vom Spielen nach Hause», erzählt der 20-Jährige. «Obwohl man mir erklärte, dass dies mit einer Allergie zusammenhängt, konnte ich nicht richtig nachvollziehen, was damit gemeint war.» Mit seinem Buch will er das komplexe Thema der inhalativen Allergien – also Hausstaub-, Pollen- oder Tierhaarallergien – altersgerecht und bildlich erklären und vor allem betroffenen Kindern beim Verständnis helfen.
Falsche Reaktion auf Fremdkörper
Emma bekommt zu ihrem Geburtstag eine Katze, mit der sie draussen spielt und die manchmal auch zusammen mit ihren Kuscheltieren in ihrem Bett schlafen darf. Ihre grösste Angst ist es, dass die Allergie, die ihre geröteten Augen hervorruft, von der neuen, bereits heiss geliebten Katze ausgelöst wird.
«Bei einer Allergie reagiert der Organismus auf einen harmlosen Fremdkörper, als wäre er eine Bedrohung», sagt Ersch. «Doch für Kinder, die noch nicht wissen, was ein Immunsystem ist, muss man beim Erklären viel früher ansetzen.»
Um den Kindern ihren Körper und dessen Tücken näherzubringen, bediente er sich am bereits vielfach bewährten Modell, das Abwehrsystem des Körpers als Polizei darzustellen, die gegen Bösewichte – in diesem Fall Viren und Bakterien – kämpft. «Zuerst wollte ich auch alle Bilder für das Buch selbst zeichnen, merkte aber schnell, dass dies eine zu grosse Aufgabe wäre.»
Darum suchte er sich Hilfe bei einer professionellen Illustratorin und wurde bei Celine Geser aus Rüti fündig. «Sie sah Potenzial und spornte mich dazu an, es nicht nur bei der Maturitätsarbeit zu belassen, sondern das Buch auch zum Verkauf anzubieten.»
In der eigentlichen Maturitätsarbeit geht Fabio Ersch dem Thema inhalative Allergien in komplexer «Erwachsenensprache» nach. «Viele Einzelheiten konnte ich gar nicht in das Buch miteinfliessen lassen – zumindest nicht im Text.»
Wer genau hinschaut – und selbst einiges an Ahnung hat –, erkennt jedoch in den Bildern Hinweise. «So wird etwa die Histaminausschüttung, die zu unterschiedlichen Auswirkungen im Körper und zu allergischen Reaktionen führt, im Buch durch einen schwitzenden Polizisten dargestellt.»
Teil der Geschichte von Emma ist auch der Hauttest, dem sie sich unterziehen muss, um den Auslöser für ihre allergische Reaktion zu finden. Glücklicherweise ist es nicht die Katze, und Emmas Geschichte findet ihr Happy End: Sie ist «nur» auf Pollen allergisch und bekommt vom Kinderarzt Augentropfen. «Es war mir wichtig, nicht nur die Allergie an sich, sondern auch Tests und Therapiemöglichkeiten zu veranschaulichen», sagt der Ustermer. «Denn diesen Prozess machen die betroffenen Kinder ja auch durch, und mithilfe meiner Erklärungen hoffe ich, ihnen die Angst etwas zu nehmen.»
Breites Netzwerk an Fachpersonen
Mittlerweile sind seit der Maturität an der Kantonsschule Uster zwei Jahre vergangen. In seinem Zwischenjahr konnte sich Fabio Ersch – neben dem Militär – dann endlich Gedanken machen, um einen Weg für die Publikation des Buchs zu finden. Er entschied sich dazu, das Buch im Eigenvertrieb anzubieten. Seit dem 1. Februar ist es erhältlich.
«Momentan bin ich unterwegs in Kinderarztpraxen und bei Allergologen, um meine Flyer zu verteilen», sagt Ersch. «Vieles läuft noch über Mund-zu-Mund-Werbung.»
Dank seinem Vater, der Kinderarzt in Uster ist, kann er auf ein grosses Netzwerk von Ärzten und Fachpersonen zurückgreifen. «Das hat mir bereits bei meiner Maturitätsarbeit sehr geholfen – gerade wenn es um das Korrekturlesen am Schluss ging.» Mit Erfolg: Seine Maturitätsarbeit wurde mit «sehr gut» bewertet.
Er selbst hat keine medizinische Laufbahn eingeschlagen. Derzeit studiert er Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. Weitere Bücher schliesst er allerdings nicht aus. «Es gäbe ja noch weitere Allergien, die man unter die Lupe nehmen könnte, etwa Nahrungsmittelallergien.» Nun gehe es aber erst einmal darum, sein aktuelles Buch unter die Leute zu bringen. «Und das Studium hat ebenfalls Vorrang.»
Bleibt noch eine letzte Frage: Warum gerade der Name Emma in der Geschichte? Fabio Ersch lacht verlegen: «Ehrlich gesagt habe ich einfach Google gefragt, welche Namen derzeit am häufigsten vorkommen, damit sich möglichst viele Kinder angesprochen fühlen …»
Weitere Informationen zum Buch sowie zur Bestellung unter www.emmaunddasgeschenk.ch.