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Gesellschaft

Highland Cattle Show

In Fehraltorf tragen die Models Haarspray und Hörner

Haarspray liegt in der Luft, Sägemehl knirscht unter den Füssen – und Klauen. In Fehraltorf massen sich Hochlandrinder an einem Schönheitswettbewerb der besonderen Art.

Spieglein, Spieglein an der Wand… die Schönsten des Landes trafen sich in Fehraltorf.

Foto: Christian Merz

In Fehraltorf tragen die Models Haarspray und Hörner

Haarspray liegt in der Luft, Sägemehl knirscht unter den Füssen – und Klauen. In Fehraltorf massen sich Hochlandrinder an einem Schönheitswettbewerb der besonderen Art.

Sorgfältig wird das glänzend haselnussbraune, wellige Fell mit Föhn und Bürste in Form gebracht. Ein Spritzer Haarspray, der Scheitel sitzt. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen eines Schönheitswettbewerbs – allerdings nicht auf einem Laufsteg in Paris, sondern in der Reithalle Barmatt in Fehraltorf. Und die Models tragen Hörner.

An der Highland Cattle Show werden die gehörnten Vierbeiner, in ihrer schottischen Heimat Highland Cattles genannt, von Fachleuten beurteilt und prämiert. Das Prinzip ähnelt einer klassischen Viehschau mit Schweizer Milchkühen. Am Samstag bewertete die eigens aus Norddeutschland angereiste Richterin Katharina Bedürftig alle Tiere. «Wir engagieren bewusst erfahrene Experten aus dem Ausland», erklärt Sepp Gisler aus Hittnau, Präsident der Highland Cattle Society Switzerland und Moderator der Show. «So sehen wir, wie unsere Schweizer Zucht im internationalen Vergleich dasteht.»

Pro Kategorie traten jeweils acht bis neun Tiere an, aus denen die Richterin die besten drei auswählte. Bewertet werden der rassetypische Ausdruck, aber auch Beine und Fundament. «Unsere Tiere leben hauptsächlich auf der Weide», sagt Gisler. «Deshalb legen wir grossen Wert auf Robustheit und Langlebigkeit. Je länger ein Rind lebt und jedes Jahr ein Kalb bekommt, desto wertvoller wird es.»

Nach 23 Jahren wieder in Fehraltorf

Die Highland Cattle Show findet jedes Jahr statt und gastiert jeweils an einem anderen Ort in der Schweiz. «Zuletzt im Oberland waren wir vor zehn Jahren in Uster und davor 2003 hier in Fehraltorf», sagt OK-Präsidentin Corinne Bamert. Anders als bei herkömmlichen Viehschauen brauche es bei Hochlandrindern zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. «Wir haben es mit gehörnten Mutterkühen zu tun. Auch wenn sie gutmütig sind, kann immer etwas passieren», erklärt sie. Metallpanels sichern deshalb den Führring und die Zugänge. «Viele Menschen und ungewohnte Geräusche können die Tiere nervös machen – selbst wenn sie zuhause noch so zahm sind.»

Trotz ihrer mächtigen Hörner gelten Hochlandrinder als friedliche Tiere. «Den urtümlichen Hochlandrindern werden die Hörner bewusst belassen», erklärt Vereinspräsident Sepp Gisler. Diese seien Teil ihres natürlichen Wesens. «Die Tiere regeln ihre Rangordnung über Körpersprache und Abstand – Verletzungen kommen deshalb kaum vor.» Entsprechend bewusst gingen auch die Halter mit ihren Tieren um. Wer Hochlandrinder halte, entwickle meist eine besondere Beziehung zu ihnen. «Die meisten Landwirte pflegen eine echte Leidenschaft für diese Tiere – und einen sehr respektvollen Umgang.»

Am Sonntag füllt sich die Halle mit zahlreichen Familien, viele Kinder drücken sich staunend an die Absperrungen. Die Swiss Highland Pipers sorgen mit ihren Dudelsäcken für schottisches Flair, die Töne mischen sich mit dem Klang der Tiere und dem Murmeln des Publikums. Es ist laut, lebendig – und friedlich.

Im Ring zeigt sich das unterschiedliche Temperament der Tiere: Während mächtige, stämmige Bullen geduldig im Sägemehl warten, tänzeln andere vor Ungeduld, zerren ihre Besitzer hinter sich her oder wollen partout nicht stillstehen.

Seit rund eineinhalb Jahren bereitete das siebenköpfige OK den Anlass vor. Corinne Bamert, die seit 15 Jahren selbst erfolgreich mit ihren Highland Cattles an Shows teilnimmt, zieht ein positives Fazit. «Perfekt ist es dann, wenn am Schluss alle Tiere wieder gut nach Hause kommen.»

Ersten Teilnahme und schon erfolgreich

An den Heimweg denkt Nicole Widler aus Jonen noch nicht. Sie ist gerade mitten im Feinschliff ihrer drei «Mädels»: Querida, Cassie und Emelie gehören zu den besten Drei ihrer jeweiligen Kategorien und dürfen nochmals in den Ring. Neben dem Fell werden auch die geschwungenen Hörner auf Hochglanz poliert.

Für Widler ist es die erste Teilnahme an einer Show – entsprechend gross war die Nervosität. «Ich war so unglaublich aufgeregt, dass ich in der Nacht auf Samstag kaum geschlafen habe», gesteht sie lachend. Erst beim Einlaufen in den Ring habe sich die Anspannung gelegt. Das Führen im Ring und auch das Waschen müssten im Vorfeld trainiert werden. «Sie haben schon sehr viel Kraft, wenn sie anderer Meinung sind als ihre Besitzer», sagt sie schmunzelnd. Umso zufriedener ist sie mit dem Auftritt ihrer Kühe: «Sie haben sehr gut mitgemacht – nur ein bisschen übermütig waren sie.»

Für Fehraltorf setzte die gelernte Landwirtin auf ihre Lieblingskuh Querida. «Mit ihr komme ich am besten aus.» Cassie und Emelie habe sie ausgewählt, weil sie ihr optisch besonders gefallen. Die Mühe habe sich gelohnt: «Keine meiner Ladies ging leer aus.» Den elterlichen Hof hat Widler 2023 übernommen. «Früher hatten wir Schafe», erzählt sie. Ihr Vater habe aber schon länger auf Hochlandrinder «gespienzelt». Eine Leidenschaft, die Vater und Tochter seit 2018 gemeinsam pflegen. Vater Max Widler ist stolz: «Wir hatten keinerlei Erwartungen – dass gleich alle drei in die Ränge kamen, hat uns sehr positiv überrascht.»

So wie die Familie Widler haben auch andere Schweizer Bauern die Vorzüge der schottischen Rasse entdeckt. Vereinspräsident Gisler beschreibt Highland Cattles als robust, genügsam und ideal für unwegsames Gelände. «Sie eignen sich hervorragend für die nachhaltige Beweidung von Ökoflächen», sagt er. «Statt im Herbst durch Abmähen Flora und Fauna zu zerstören, leisten diese Tiere wertvolle Naturschutzarbeit.»

Ein weiteres Muhen erfüllt die Halle. Draussen mag es Alltag sein – hier drinnen ist es ein kleines Hochland, mitten im Zürcher Oberland.

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