In Dübendorf verlieren Kinder und Jugendliche ihren Treffpunkt
Vor nicht einmal zwei Jahren bekamen die Jungen im Zwicky-Quartier eine Streetsoccer-Anlage. Doch nun will die Verwaltung den beliebten Fussballplatz wieder weghaben. Der Quartierverein wehrt sich gegen den Entscheid.
Wer es urban mag, für den ist das Zwicky-Quartier zwischen Dübendorf und Wallisellen der richtige Ort zum Wohnen. Hier gibt es städtisches Lebensgefühl mit extrem dichter Bebauung, Läden, Dienstleister, Restaurants und einen Spielplatz für die Kleinsten. Allerdings wurden grössere Kinder und Jugendliche vergessen; für sie existierte lange Zeit kein Ort, wo sie sich aufhalten konnten.
Das änderte sich, als vor zwei Jahren auf Initiative des Quartiervereins eine Streetsoccer-Anlage aufgestellt wurde – mit freundlicher Genehmigung der Immobilienbewirtschafterin und der Eigentümerschaft. Die Städte Dübendorf und Wallisellen beteiligten sich mit je 12'500 Franken an der 33'000 Franken teuren Anlage.
«Belastende Geräuschkulisse»
Doch nun soll bereits wieder Schluss sein. Die zuständige Immobilienfirma Regimo hat die Vereinbarung mit dem Quartierverein gekündigt; bis am 30. September muss die Anlage entfernt und der Platz wieder in den Originalzustand zurückversetzt sein.
Der Hauptgrund: Beschwerden wegen Lärms, wie die Firma Regimo auf Anfrage schreibt. Durch die Lage direkt unter dem S-Bahn-Viadukt entstehe ein massiver Hall, der das Prellen der Bälle und das Knallen gegen die Banden verstärke, heisst es weiter. «Diese Geräuschkulisse wird von Anwohnern und Gewerbetreibenden als äusserst belastend wahrgenommen.»
Zudem seien Sachbeschädigungen an Rollläden sowie Littering gemeldet worden, schreibt die Immobilienfirma. Und: «Über die Mittagszeit führt die hohe Nutzungsfrequenz, insbesondere durch Schüler, zudem oft zu Konflikten mit den Ruhezeiten.»
Mittel gegen «dumme Gedanken»
Jan Leitz vom Vereinsvorstand kann nur den Kopf schütteln über den Entscheid. «Die Streetsoccer-Anlage war von Anfang an sehr beliebt.» Sie sei ein sozialer Treffpunkt, man habe ab und zu kleinere Turniere veranstaltet, auch hätten schon Spieler und Spielerinnen des FCZ ein kleines Showturnier gegen Spielerinnen und Spieler des GCZ durchgeführt. «Wenn die Kinder und Jugendlichen nicht hier sein können, dann hängen sie rum und kommen nur auf dumme Gedanken.»

Leitz räumt ein, dass es auf und neben der Anlage auch schon mal etwas lauter werden könne – wie das eben sei bei Kindern und Jugendlichen, wenn die Begeisterung mit ihnen durchgehe. Effektiv hätten erste Reklamationen nach der Eröffnung nicht lange auf sich warten lassen, worauf die zuständige Betriebsgruppe reagiert habe. «Die Anlage wird pünktlich um 20 Uhr geschlossen», sagt Leitz. Und damit keine Bälle mehr rausfliegen, wurde ein Netz über das Spielfeld gespannt.
Beschädigungen – wer wars?
Doch diese Massnahmen würden von den betroffenen Nachbarn «als nicht ausreichend und praxistauglich bewertet», schreibt die Regimo. Eine konsequente Kontrolle der Einhaltung scheine kaum umsetzbar. Die Zuständigen des Immobilienunternehmens sind sich sicher: «Eine dauerhaft konfliktfreie Nutzung ist am aktuellen Standort nicht möglich.»
Jan Leitz wiederum kritisiert, dass die Anlage beziehungsweise die Kinder und Jugendlichen als Sündenböcke für jegliches Ungemach im Quartier herhalten müssten. «Die erwähnten Beschädigungen können gar nicht von den Bällen stammen», sagt er, die betroffenen Gebäude seien viel zu weit weg von der Anlage.
Littering sei zwar wirklich ein grosses Problem im Quartier, das dürfe man aber nicht den Kindern und Jugendlichen anlasten. «Die können ja auch nichts dafür, wenn Anwohner defekte Haushaltgegenstände und bergeweise Karton genau neben der Streetsoccer-Anlage deponieren.»
«Wir geben nicht auf»
Leitz bedauert, dass sich die Anwohner nie persönlich bei der Betriebsgruppe gemeldet hätten, obwohl genau für diesen Zweck die Kontaktangaben an der Anlage angebracht worden seien. Auch von der Verwaltung habe man zuerst keine Details zu den Reklamationen erhalten, zudem seien die Zuständigen sehr schwer zu erreichen. «Das hat es für uns praktisch unmöglich gemacht, innerhalb der geforderten Fristen adäquat zu reagieren.»
Denkbar wäre laut Leitz etwa, die Anlage erst um 14 Uhr zu öffnen, womit der Lärm über Mittag wegfiele. Auch Lärmschutzwände oder andere Dämmmassnahmen wären eine Option. Diese Vorschläge werde man direkt der Eigentümerschaft unterbreiten, mit der man nun ins Gespräch kommen wolle. Denn für Leitz ist klar: «Wir geben noch nicht auf.»