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Gesellschaft

Bauvorhaben in Unterwetzikon

Wetziker Verein möchte Industriegebäude in Moschee umwandeln

In Wetzikon soll eine Moschee gebaut werden. Der albanisch-islamische Kulturverein (AIKV) möchte damit die Glaubensgemeinschaft im Zürcher Oberland stärken.

So könnte der Eingang zur neuen Moschee dereinst aussehen.

Foto: Dreilinden AG

Wetziker Verein möchte Industriegebäude in Moschee umwandeln

In Wetzikon soll eine Moschee gebaut werden. Der Albanisch-Islamische Kulturverein möchte damit die Glaubensgemeinschaft im Zürcher Oberland stärken.

Erhält Wetzikon bald eine neue Moschee? Der Albanisch-Islamische Kulturverein (AIKV) möchte ein Produktionsgebäude in Unterwetzikon erwerben und zu einer Moschee umfunktionieren. Der Kaufpreis? 3,15 Millionen Franken. Weitere schätzungsweise 300’000 Franken sollen für die Umbauarbeiten dazukommen – ein Projekt der Superlative für die albanisch-islamische Community im Oberland.

Auf zwei Stockwerken soll die Moschee den Gläubigen eine Aufenthaltsfläche von insgesamt 960 Quadratmetern bieten. Neben den nach Geschlechtern getrennten Gebetsräumen soll es auch eine Cafeteria, ein Büro für den Vorstand und ein Restaurant geben.

«Das Restaurant wird öffentlich sein», erläutert Vereinspräsident Arianit Zhuta die Pläne. «Die Cafeteria und die Gebetsräume werden jedoch den Gläubigen vorbehalten sein.» Ebenfalls wird in die Moschee ein Unterrichtszimmer integriert sein, in dem Kindern die albanische Sprache und die islamische Religion gelehrt werden.

Mit Religion eine Perspektive für Junge schaffen

Die Moschee soll nicht nur Menschen aus der albanischen Kultur offenstehen. Zhuta sieht im Bauvorhaben auch eine Möglichkeit zum interreligiösen Austausch: «Fürs Beten sind alle willkommen. Wir pflegen auch enge Beziehungen zu anderen Vereinen und Religionen.»

Wir wollen junge Leute von schlechten Sachen wie Alkohol oder Drogen wegbringen.

Arianit Zhuta

Präsident AIKV

Gemäss einem Artikel im «Tages-Anzeiger» zeigen albanisch-islamische Moscheen zunehmend konservative Tendenzen. Arianit Zhuta widerspricht: «Wir wollen junge Leute von schlechten Sachen wie Alkohol oder Drogen wegbringen.» Die neue Moschee soll Jugendlichen einen Rückhalt im Leben geben: «Da wollen wir mitmachen, da spannen wir auch mit anderen Vereinen zusammen und engagieren uns für Aktivitäten ausserhalb des Islams, wie zum Beispiel für ein Fussballturnier, das wir mitorganisieren.»

Alte Moschee wird zu klein

Seit seiner Gründung im Jahr 2004 befinden sich die Gebetsräume des Vereins in einer Halle nahe dem Bahnhof Kempten. Diese wird angesichts der zunehmenden Beliebtheit zu klein – die neue Moschee in Unterwetzikon soll Abhilfe schaffen. «Unser Verein umfasst rund 400 Familien. Das Potenzial in Wetzikon ist gross», schätzt der Vereinspräsident die Lage ein.

Auf die Location sei der Verein per Internetinserat gestossen, erzählt Zhuta: «Der Inhaber wird pensioniert und suchte einen Nachfolger für sein Grundstück. Da haben wir zugegriffen.» Der Standort an der Schwändistrasse hinter der Garage Häusermann kommt dem Verein zudem verkehrstechnisch gelegen. Dank dem grossen öffentlichen Parkplatz vor der gegenüberliegenden Eishalle wird die Moschee des Vereins im Gegensatz zu anderen Schweizer Moscheen nicht mit Parkplatznot zu kämpfen haben.

Damit sich der Albanisch-Islamische Kulturverein den Kauf überhaupt leisten kann, hat er auf unterschiedlichen Plattformen einen Spendenaufruf gestartet. Auf TikTok kam sogar der bekannte Wetziker Rapper EAZ in einem Interview zu Wort. In anderen Kurzvideos, die für eine Spende werben, zitiert der AIKV eine Hadith-Zeile: «Wer für Allah ein Haus baut, dem baut Allah ein Haus im Paradies.» Das gleiche Narrativ findet sich auch auf der vereinseigenen Website.

Spenden bleibt eine gute Tat. Niemand ist gezwungen, uns zu unterstützen, wenn er oder sie nicht kann.

Arianit Zhuta

Präsident AIKV

Zhuta betont, dass es sich hierbei nicht um eine religiöse Verpflichtung handelt: «Spenden bleibt eine gute Tat. Niemand ist gezwungen, uns zu unterstützen, wenn er oder sie nicht kann. Über 100 unserer Mitglieder haben nicht gespendet.»

@aikv.wetzikon

Wer für Allah ein Haus baut, dem baut Allah ein Haus im Paradies.“ (Hadith) Hilf mit, unsere Moschee zu stärken und zukünftigen Generationen einen Ort des Glaubens zu schenken. 🤲🏼 ➡️ Spendenkonto in der Bio / vor Ort möglich. Möge Allah jede gute Tat belohnen.

♬ Originalton - AIKV-Wetzikon

Von den über drei Millionen Franken hat der Verein in der seit April 2024 laufenden Spendenaktion bereits rund 2,4 Millionen Franken zusammengekriegt. Dank einem Anlass im letzten Dezember in Uster konnte der AIKV an nur einem Tag 350’000 Franken einnehmen.

Mit Kampagnen in den sozialen Medien hofft der Verein nun darauf, weitere Spender für den noch fehlenden Geldbetrag zu finden. Zhuta erläutert: «Wir erinnern zwar unsere Mitglieder immer wieder daran, dass sie spenden können; jedoch erwarten wir auch von anderen, zu spenden, wenn sie die Moschee nutzen möchten.»

Auf ausländische Unterstützung – zum Beispiel aus Albanien selbst – habe der AIKV bewusst verzichtet, sagt der Vereinspräsident und begründet: «Das Projekt soll Menschen aus dem Oberland zugutekommen. Da wollen wir keine Spenden aus dem Ausland annehmen. Die bisher eingetroffenen Spenden stammen deshalb ausnahmslos aus der Schweiz.»

Gute Erfahrungswerte aus Volketswil

Das Bauprojekt des Vereins ist längst nicht das erste in der Region: Erst vor wenigen Monaten hat der Bau einer Moschee in Winterthur für Aufsehen gesorgt. In Volketswil wiederum gibt es mit dem Iman-Zentrum bereits seit 2012 eine Moschee.

Wie dieses auf Anfrage mitteilt, begrüsst man es, wenn weitere Moscheen gebaut werden. Man fühle sich in keiner Weise durch das Projekt in Wetzikon konkurrenziert: «Wir sehen für unser Zentrum eher eine Entlastung, denn zum Freitagsgebet und im Ramadan stossen wir an unsere Grenzen.»

Das Iman-Zentrum ist eine unabhängige Moschee, in der – im Gegensatz zu der in Unterwetzikon geplanten – grundsätzlich Deutsch gesprochen wird. Die Besucher kämen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Das Zentrum in Volketswil hat bisher nur gute Erfahrungen gemacht: «Wir hatten keine grösseren Schwierigkeiten, unser Zentrum zu bauen und zu betreiben, wofür wir sehr dankbar sind.»

Bisher positive Rückmeldungen

Auch beim Albanisch-Islamischen Kulturverein heisst es, dass die Resonanz auf das Bauprojekt bisher ausschliesslich positiv gewesen sei. «Wir haben diverse Pfarrer in der Region besucht und sind dort mit dem Vorhaben auf Zuspruch gestossen», erzählt Arianit Zhuta begeistert. Ernsthafte Kritik musste der Verein bisher noch nicht einstecken.

Sobald das Gebäude gekauft sei, wolle der Verein es eigenhändig umbauen. Dies geschehe dank der Hilfe freiwilliger Vereinsmitglieder, welche berufliche Erfahrungen in das Projekt einbringen könnten. Dieser Umbau soll dann etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Wann genau die Wetziker Moschee erstmals ihre Türen für die Gläubigen öffnen könnte, ist derzeit noch unklar.

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