Hier schiesst man Golfbälle gegen eine Wand – mit Absicht
Zwei leidenschaftliche Golfer sind auf den Boom aufgesprungen und haben in Dübendorf eine Indoor-Golfanlage eröffnet. Wieso dort keine Angestellten vor Ort sind, das Geschäft aber trotzdem läuft.
In einem Bürogebäude im Hochbord in Dübendorf hat im vergangenen November eine Indoor-Golfanlage namens Dübai Golf eröffnet. Und nein, es handelt sich nicht um Minigolf, sondern um die echte, die Maxiversion. Dort gehen sportlich-schicke Millennials mit Golfschlägertaschen auf dem Rücken ein und aus, die meisten sprechen in echter Hochbord-Manier englisch.
Ein und aus gehen kann bei dieser Anlage jedoch nicht jeder, die Türen sind geschlossen. «Die Kunden erhalten nach der Onlinebuchung einen Link, mit dem die Tür geöffnet werden kann. Denn vom Eintritt bis zum Golfspielen funktioniert hier alles automatisch», erklärt der Zürcher Raphael Kern, einer der beiden Gründer der Anlage.
Viel Technologie zum Golfen
Im Innern befinden sich zwei Golfsimulatoren. Sie bestehen je aus einer an der Decke montierten Anlage, die mit Kamera, Laserscanner und Beamer ausgestattet ist. Letzterer projiziert einen Golfplatz auf eine grosse Leinwand. Zwischen den beiden Simulatoren stehen Ledersofas und Golfschläger.
Ein Kunde steht mit einem Schläger unter der Anlage mit dem Scanner auf einem Teppich aus falschem Gras und knallt mit geübter Körperstellung und viel Schwung einen Golfball nach dem anderen gegen die Leinwand. Wohin der Ball fliegt und ob er das Loch treffen würde, kann er auf der Leinwand beobachten. Auf dieser fliegt wie in einem Videospiel ein digitaler Ball durch einen Pixel-Golfplatz, der echte Ball prallt hingegen von der Leinwand ab. Der Simulator zeichnet seine Schläge auf, berechnet die Schlagkraft, wie weit der Ball fliegen würde, den Drall des Balls, dessen Flugkurve oder Geschwindigkeit und zeigt ihm diese Zahlen auf einem Bildschirm an.
Es läuft auch ohne Angestellte
«Das Geschäft ist gut angelaufen», sagt Jorel Schwarz, der zweite Gründer, der gleich um die Ecke im selben Quartier wohnt. Leben könnten sie davon aber trotzdem nicht, weshalb Schwarz noch 100 Prozent in der Baubranche und Kern 80 Prozent in der IT-Branche arbeiten.
Ihr Geschäftsmodell des vollautomatischen Betriebs ist dabei aus Notwendigkeit entstanden. «Wir generieren 80 Prozent unseres Umsatzes in der Wintersaison. Damit müssen wir die Sommersaison finanzieren, in der kaum jemand Indoor-Golf spielt», erklärt Schwarz. «Aus diesem Grund beschäftigen wir auch keine Angestellten, die in der Anlage vor Ort sind – das würde sich nicht rentieren.» Dafür schaut pro Tag einer der beiden Gründer nach dem Rechten.
Wenn das Modell auch ungewöhnlich ist, scheint es zu funktionieren. Die Bälle und Schläger stellen sie zur Verfügung, an einem Automaten können sich die Kunden mit Cola oder Snacks verpflegen und auf einem Tablet die Musik im Raum selbst steuern.
Die beiden 34-Jährigen spielen leidenschaftlich gerne Golf. Schwarz sagt: «Wir wollten uns einen eigenen Simulator für den privaten Gebrauch kaufen. Aber wieso sollten wir ihn nur für uns behalten, wenn wir ihn mit anderen Leuten teilen und davon auch noch profitieren können?» Also importierten sie die beiden Simulatoren aus Dänemark, die Anlage bauten sie gemeinsam mit einem Schreinerkollegen selbst auf. «Es sollte sich wie unser Wohnzimmer anfühlen», so Kern.
Sie sind nicht die Einzigen
Mit ihrer Idee sind sie in der Umgebung nicht allein. Auch in Wallisellen und Zürich gibt es seit einiger Zeit Indoor-Golfanlagen. Im letzten Jahr hätten im Kanton gleich drei weitere eröffnet. «Wir versuchen, uns mit tieferen Preisen, unserem guten Standort und den Gratisparkplätzen abzuheben.»
Der Geschäftsbetrieb und die hohe Konkurrenz haben ihrer Leidenschaft fürs Spielen keinen Abbruch getan. «Man findet uns ein- oder zweimal pro Woche selbst bei einem Simulator am Spielen», verrät Schwarz. «Meiner Meinung nach hat es uns zu besseren Spielern gemacht.»