Auf den Spuren der traditionellen «Chäs-Bölle-Wähe» in Wald
In Wald ist jeweils am Fasnachtsmontag die «Chäs-Bölle-Wähe-Frässete». Wir waren vor Ort, um der Tradition auf den Grund zu gehen. Hatten wir den richtigen Riecher?
Im Brunnen schwimmt das Konfetti vom Umzug am Sonntag. Der Wind weht die Luftschlangen durch die Einkaufspassage des Walder Zentrums. Und obschon der Grossteil der Fasnacht bereits durch ist, trifft man am Montagmorgen verkleidete Fasnächtler und Guggenmusiker, Kostümbegeisterte und bemalte Kinder in der Bahnhofstrasse.
Der Grund dafür zieht einem rasch in die Nase. Am Montag ist in Wald die «Chäs-Bölle-Wähe-Frässete», eine langjährige Tradition, bei der in der Gemeinde die Käse-Zwiebel-Wähe gefeiert wird. Ab neun Uhr morgens geniessen die Walderinnen und Walder in diversen Beizen und Restaurants die herzhafte Wähe zu Livemusik und regem Ausschank.
Doch was hat es mit der Tradition rund um die Wähe auf sich?
Es war halt immer so
Immer der Nase nach führt es einen rasch in die eine oder andere Beiz, in der es bereits morgens streng riecht – aber «es bitzli stinke muess es», wie man so schön sagt. In der Schnitzhütte neben dem Gemeindehaus ist schon am Vormittag Hochbetrieb mit Livemusik.
Entsprechend gross ist die Freude über das herzhafte Tageshighlight. Hier gibt es die Käseschnitte sogar in zwei Varianten, einmal mit Zwiebeln und einmal mit Speck. Dafür ist Familie Theiler bereits morgens um vier Uhr aufgestanden. «Mein Mann hat 40 Wähen gebacken, und sogar der Teigboden ist selbst gemacht», sagt Andrea Theiler stolz.
Auch ihr Vater erzählt mit Freude von der Tradition. «Nach dem Beizensterben in der Region ist es schön, zu sehen, dass es sowohl diese gibt, die den Aufwand betreiben, als auch die, die ihn dann schätzen.» Doch woher das Brauchtum rund um die «Chäs-Bölle-Wähe» stammt, weiss auch er nicht.
«Zürihof» war erstes Restaurant
Weiter auf den Spuren der Wähe, treibt es das feine Näschen in die Traditionsbeiz Zürihof. Auch hier ist bereits kurz vor Mittag Vollbetrieb: Es wird getanzt und gejubelt, im Clown-Kostüm und mit aufgeklebtem Bart.
Auf den Strassen wird gemunkelt, die «Chäs-Bölle-Wähe» habe hier im «Zürihof» ihren Ursprung. «Früher gab es die Wähe nur im ‹Zürihof›, heute bekommt man sie in vielen Beizen in Wald am Fasnachtsmontag», sagt Martin Widmer. Der 43-jährige Walder ist Mitglied der Guggenmusik und hat jedes Jahr aufs Neue wieder Freude an der Tradition. «Wir versuchen, an jeder Fasnacht wieder herauszufinden, wo es die beste Wähe gibt.»
Der 72-jährige Sven Keller unterstützt an diesem Tag, an dem es im «Zürihof» rappelvoll wird, als Aushilfe. Auch er ist der Überzeugung, der «Zürihof» habe die Wähe zuerst angeboten: «Der ‹Chäs-Bölle-Wähe-Mäntig› hat in Wald eine lange Tradition. Im ‹Zürihof› gab es den immer, jetzt machen andere Beizen auch mit. Bei uns gab es auf jeden Fall immer eine sehr gute!», sagt er stolz.
Und dem scheinen auch viele der Gäste zuzustimmen: «Die Leute lieben es, wir bekommen nur Lob.»
Ein Ding der Handwerker
Doch auf die Antwort zu unserer Frage, woher denn nun die Tradition stammt, warten wir lange.
Marco Mächler, Vereinspräsident der Walder Fasnatiker, hat letztlich den richtigen Riecher: «Ich habe mich umgehört. Und es scheint, als käme das von den Handwerkern, die montags immer freigenommen haben und dann die Wähe gegessen haben.»
Auch Rolf Züger, ein alteingesessener Walder und ehemaliger Wirt des Restaurants Sonnengarten, vermutet den Ursprung in derselben Richtung. «Die Tradition gibt es schon lange, auch vor meiner Zeit. Die Kleinhandwerker, die montags freihatten, sind dann immer im ‹Zürihof› gesessen, und da gab es halt die Käse-Zwiebel-Wähe.»
Das war Kult
Es sei einfach Tradition gewesen, auch durch die musikalische Begleitung, die im «Zürihof» jeweils stattgefunden habe. «Dort hat über 50 Jahre lang Ernst Steiner Musik gespielt, immer am Fasnachtsmontag. Das war Kult.»
Warum es aber immer die «Chäs-Bölle-Wähe» gab und nicht etwa «Ghackets und Hörnli» oder Wurst-Käse-Salat, das weiss Züger nicht. Auch nicht, ob die alljährliche Wiederkehr der Handwerker der Ursprung der Tradition ist. Diese dürfte sich vermutlich einfach entwickelt zu haben, mit der Zeit und mit dem Hunger.
Ob die Wähe nun das perfekte Katerfrühstück oder doch der optimale Boden für den nächsten Rausch ist, es in Wald einfach den besten Käse oder die aromatischsten Zwiebeln gibt – die «Chäs-Bölle-Wähe» wird von den Walderinnen und Waldern auf jeden Fall heiss geliebt.
«Es ist einfach ein cooles Fest, und wir geniessen die Gemeinschaft», sagt Tobias Meierhofer, der, als Kuh verkleidet, gerade auf dem Weg ist, sich eine der warmen Walder Traditionswähen zu holen.