Rückschnitt für ein gesundes, langes Leben
Zurzeit werden vielerorts Bäume geschnitten. Oft sind das keine Schönheitsschnitte. Sie dienen in erster Linie der Gesundheit der Bäume. Weshalb und wie werden Bäume zurückgeschnitten und wieso gerade jetzt?
Obstbäuerinnen und -bauern achten vor allem darauf, dass die Krone licht ist und sich die Äste nicht zu stark konkurrenzieren. Licht und Luft sollen bis ins Innere der Krone gelangen. Ein kräftiger Mitteltrieb und vier seitliche Äste, sogenannte Leitäste, gelten bei Obstbäumen als optimal. So kann sich der Baum gut entwickeln, bleibt lange gesund und trägt viele Früchte. Wenn Äste und Zweige zu dicht stehen und sich gegenseitig zu sehr beschatten, besteht ein höheres Risiko, dass sich Krankheiten ausbreiten.

Je älter, desto wertvoller für das Ökosystem
Ein fachgerechter Schnitt steigert also nicht nur den Ertrag eines Obstbaums. Er trägt zudem dazu bei, dass der Baum älter werden kann. Dies kommt auch der Biodiversität zugute. Denn je älter ein Baum ist, desto grösser ist sein ökologischer Wert. Auf einem alten Baum leben viel mehr Tiere, Moose und Flechten als auf einem jungen.
Beim Baumschnitt in Siedlungen und an Verkehrs- und Fusswegen geht es oft um die Sicherheit. Kranke oder abgestorbene Äste werden abgesägt, bevor sie abbrechen und womöglich Schaden anrichten. Schwere Äste und Kronenteile können entlastet werden, indem ein Teil davon entfernt wird. Auch hier ist das Ziel ein gesunder Baum, der lange stehen bleibt.
Wann sollte der Rückschnitt erfolgen?
Ende Winter ist der Zeitpunkt für einen Schnitt besonders günstig, weil kurz darauf der Frühlingsaustrieb beginnt. Schnittstellen sind Wunden, die der Baum schliessen muss, bevor Krankheitserreger eindringen können. Wenn der Baum kurze Zeit nach dem Schnitt austreibt, gelingt ihm das besonders gut und schnell.
Tipps für den Baumschnitt
Kranke und abgestorbene Zweige und Äste sollten bis auf das gesunde Holz zurückgeschnitten werden. Falls die Sicherheit nicht gefährdet ist, darf aber ruhig auch einmal ein toter Ast an einem Baum bleiben. Totes Holz wird stets von verschiedensten Tieren bewohnt.
Ist der Baum von Misteln befallen, wird der entsprechende Ast in einem Abstand von 40 bis 50 Zentimetern zum Stamm abgeschnitten. Falls damit zu viel des Astes entfernt werden müsste, ist es besser, die Mistel abzubrechen (sie wird dann wieder wachsen, ist aber geschwächt). Misteln sind Halbschmarotzer, die mit ihren Wurzeln in den Wirtsbaum eindringen und ihm Wasser und Nährstoffe abzapfen.
Grosse Schnittflächen sollten mit einer Wundverschlusspaste oder Baumwachs behandelt werden. In einzelnen Fällen (zum Beispiel bestimmte Baumarten oder Sicherheitsrisiko) ist auch ein Schnitt im Spätsommer möglich. Dies sollte jedoch ein Profi beurteilen.
Falls Sie unsicher sind, wie ein Baum zu schneiden ist oder ob er ein Sicherheitsproblem darstellt, ziehen Sie einen Profi (Baumpfleger) hinzu.
Fördern Sie Nützlinge: Eine Blumenwiese oder Wildstauden in der Nähe der Obstbäume locken Bestäuber wie zum Beispiel Wildbienen an; Unterschlüpfe für Ohrwürmer und Raubwanzen, Nistkästen für Vögel und Ähnliches helfen, Blattläuse und andere Schädlinge in Schach zu halten.