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Gesellschaft

Nach kurzer Pause

Das «Amici miei» in Rüti ist zurück

Seit dem 6. Januar ist das «Amici miei» nach der Schliessung im letzten Sommer überraschend wieder offen. Was hat die Familie Sartorio zu diesem Comeback bewogen?

Das Mutter-Sohn-Gespann Sartorio ist zurück im «Amici miei» in Rüti.

Foto: privat

Das «Amici miei» in Rüti ist zurück

Nach kurzer Pause

Seit dem 6. Januar ist das «Amici miei» nach der Schliessung im letzten Sommer überraschend wieder offen. Was hat die Familie Sartorio zu diesem Comeback bewogen?

Krieg hier, Brand dort – negative Schlagzeilen dominieren die Medien beinahe täglich. Umso schöner sind positive Nachrichten. Eine solche gibt es nun für die Stammgäste des ehemaligen und nun wiedereröffneten Restaurants Amici miei an der Werkstrasse in Rüti. Das beliebte Lokal hat den Betrieb am 6. Januar wieder aufgenommen.

Noch im vergangenen Sommer schien die Geschichte des «Amici miei» zu Ende geschrieben. Anita und Nino Sartorio führten das italienische Speiselokal fast zehn Jahre lang erfolgreich als Mutter-Sohn-Gespann. Doch mit kleinen Kindern auf seiner Seite und dem Ruhestand auf ihrer entschied sich die Familie bewusst, einen Schlussstrich zu ziehen.

Knapp ein halbes Jahr später kehren die beiden nun unerwartet ins Restaurant zurück.

Weil etwas fehlte

Nach der Schliessung letzten Juli war zunächst vorgesehen, das Lokal an neue Betreiber zu übergeben. «Wir hatten einen ernsthaften Interessenten», erzählt Betreiberin Anita Sartorio. Am Ende sei die Übernahme aber kurzfristig gescheitert. Der Gastronomiebetrieb blieb daraufhin geschlossen. «Nino und ich konnten uns von den strengen Monaten etwas erholen und gönnten uns die wohlverdiente Pause.»

Was folgte, überraschte die Familie selbst. Zahlreiche Rückmeldungen aus Rüti und der Umgebung hätten sie erreicht. «Die Leute haben uns gesagt, sie hätten mit dem ‹Amici miei› ein Stück Zuhause verloren», so die Tannerin. Viele ihrer Stammgäste teilten den Eindruck, dass der Ort ohne das Restaurant leblos wirke. «Wir haben selbst gespürt: Es fehlte etwas.»

Das «Amici miei» in Rüti von Aussen
Zwei Monate lang schien der Ort wie ausgestorben. (Archiv)

Zwei Monate nach der Schliessung wagten sie daraufhin gemeinsam mit dem langjährigen Koch Filippo einen vorsichtigen Neustart. Dieser erfolgte in Form eines Pop-up-Restaurants.

Unter dem Namen «Filippo kocht» öffnete das Lokal zunächst nur am Abend. «Es ging weniger ums Geschäft, sondern darum, dass der Ort wieder lebt», so die 70-Jährige. Zwar hätten viele Stammgäste die Wiedereröffnung zunächst gar nicht mitbekommen, doch durch Mund-zu-Mund-Propaganda sei langsam wieder Leben in den Betrieb zurückgekehrt.

Die zahlreichen Rückmeldungen und die spürbare Sehnsucht der Gäste überzeugten die Familie schliesslich, das Original zurückzuholen.

Neues Kapitel, alte Seele

Seit diesem Janauar ist das «Amici miei» zurück, und die Inhaber möchten den Betrieb mit leicht veränderter Ausrichtung weiterführen.

«Das Restaurant soll künftig stärker als Familienunternehmen betrieben werden», erzählt Anita Sartorio. Gleichzeitig suchen die Sartorios nach einer Geschäftsleitung, die sie unterstützt, sodass sie ihren Ruhestand geniessen und ihr Sohn Nino mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen kann.

Auch im Inneren soll sich das Restaurant behutsam weiterentwickeln. Neu eröffnet nebenan ab Mitte Januar eine kleine Cocktailbar, die an mehreren Abenden pro Woche geöffnet sein wird. Darüber hinaus seien kleinere Anpassungen geplant, ohne den Charakter des Lokals abzuwandeln. «Grob verändern dürfen wir das Restaurant nicht», sagt Sartorio. «Die Gäste haben sich in das ursprüngliche ‹Amici miei› verliebt.»

Auf dem Bild ist das Innere des «Amici miei» zu sehen.
Das Lokal lebt wieder, nicht zuletzt durch die frischen Blumensträusse vom Markt.

Im Personalbereich kam es hingegen zu einer mehr oder weniger grossen Veränderung: Fast alle Mitarbeitenden sind neu, «nur der beliebte Koch Filippo ist uns erhalten geblieben».

Die Zusammenstellung des Teams sei nicht einfach gewesen, da in der Gastronomie generell ein Mangel an Servicepersonal herrscht. «Wir konnten kurzfristig Unterstützung aus Italien gewinnen, doch die Verständigung mit den Gästen ist oft noch schwierig», erklärt Sartorio.

Trotz der Herausforderungen bei der Personalorganisation freut sich die Familie über die positiven Rückmeldungen der Gäste zur Wiedereröffnung. «Wir waren selbst erstaunt, wie wichtig dieser Ort für die Menschen ist», erzählt sie.

Gerade diese Verbundenheit sei nun die grösste Motivation, nochmals mit vollem Herzblut durchzustarten, wenn auch nicht mehr im gleichen Pensum wie früher.

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