Wo in Rüti früher Kühe standen, stehen jetzt Drahtesel
Auch wer eigentlich keine Velofan ist, kommt beim Stöbern durch die Privatsammlung von Christian Vontobel auf seine Rechnung – denn der Sammler hat so mache Kuriosität zum Thema Zweirad zusammengetragen.
Das ist wohl das vielfältigste Velomuseum der Schweiz. «Ich sammle alles rund ums Thema Velo», sagt Christian Vontobel. Der 79-Jährige steht im obersten Stock seines Hauses. Umgeben von zahlreichen Vitrinen. Veloklingeln, Dosen mit Flickzeug fürs Velo, Brettspiele zum Thema Velo, Veloplakate, historische Schwarz-Weiss-Fotos von Veloklubs. Die Augen wissen gar nicht, wohin sie als Nächstes schauen sollen.
In einer Vitrine liegt ein besonders interessantes Objekt: eine kleine Pistole. Was hat die mit Velos zu tun? «Früher waren bellende und hinter dem Velo herrennende Hunde ein grosses Problem für die Velofahrer», erzählt Vontobel. Mit dieser Knallkork-Pistole konnte man die Vierbeiner während der Fahrt verscheuchen.
Täglich vor Ort
«Ich bin täglich hier oben und schaue mir die gesammelten Objekte an», betont Vontobel. Doch hier lagert nur ein kleiner Teil seiner Sammlung. Die eigentlichen Velos stehen in einer ehemaligen Scheune und in einem alten Stall, in dem Kühe gelebt haben. Denn bis 2011 hat Christian Vontobel hier in Fägswil als Landwirt gearbeitet. «Wo früher Kühe standen, stehen heute Drahtesel», sagt er mit einem Lachen.
Die beiden Räume hat Vontobel tipptopp zu einem Museum hergerichtet. Alles ist liebevoll drapiert. In einer Ecke sind zwei Puppen auf Velos zu sehen, die alte Trikots vom Veloclub Fehraltorf tragen. «Ich war früher dort Mitglied.» Von 1978 bis 1990 fuhr Christian Vontobel selber Militärvelorennen – auch querfeldein. In dieser Disziplin wurde er auch Schweizer Meister. «Um meinen Hof herum habe ich selber eine Querfeldein-Strecke eingerichtet und so trainiert. Aber auch durch meine tägliche Arbeit als Bauer war ich körperlich topfit.»
Bei der Führung durch sein Velo-Reich deutet er auf ein historisches Rad mit zwei grossen Speichenrädern. «Das Velo wird mit einer Handkurbel angetrieben. Es stammt aus dem Jahre 1880. Es gibt nur noch eine Handvoll von diesen Exemplaren.» Gekauft hat er es erst vor einem halben Jahr an einer Börse im deutschen Mannheim.
«Ich bin aber kein Sammler, der nur wertvolle Stücke sucht. Ich habe hier deshalb auch keine speziellen Sammelstücke von ehemaligen Radstars», betont Vontobel. Ihn interessiere einfach alles rund ums Velo. Und so hängt in einer Ecke auch eine Sammlung von alten Veloschlüsseln oder von Hosen-Veloklammern. «Ich stelle alles aus, was ich gesammelt habe. Ich habe keine Lager», betont Vontobel.
Weiter geht der Rundgang zu einem faltbaren Velo der italienischen Armee aus dem Ersten Weltkrieg, zu einem dänischen Rad aus dem Zweiten Weltkrieg, das die Fallschirmspringer beim Sprung am Rücken trugen, oder zum ältesten Ausstellungsstück, eine Michauline aus dem Jahre 1868.
Zum Abschluss zeigt Christian Vontobel noch auf eine Velonummer von 1935 aus dem Kanton Appenzell-Ausserrhoden. «Das war das erste Stück, das ich gesammelt habe. Gekauft habe ich es auf dem Flohmarkt. Danach war die Sammelleidenschaft entbrannt», sagt er mit einem Lächeln.
Übrigens: Die Privatsammlung von Christian Vontobel ist nicht öffentlich zugänglich. Aber er gibt auf Anfrage gerne eine Führung durch seine Velowelt voller Geschichten.