Biber könnten sich im Oberland noch weiter ausbreiten
Neuste Bestandszahlen
521 Biber leben im Kanton Zürich. Seit 2008 hat sich der Bestand mehr als verdreifacht, doch das Wachstum verlangsamt sich. Das ist auch Konflikten mit Menschen geschuldet.
Angenagte Äste, Dämme in Bächen und gefällte Bäume, sogar in der Stadt Zürich. An immer mehr Orten im Kanton können wir Biberspuren oder die grossen Nager selbst beobachten, denn es hat so viele wie schon lange nicht mehr: Aktuell leben 521 Tiere in 165 Revieren. «Der Bestand des einst ausgerotteten Nagers ist damit erneut gewachsen, seit der ersten Erhebung 2008 hat er sich mehr als verdreifacht», schreibt der Kanton in einer Medienmitteilung.
Das Bibermonitoring der kantonalen Biberfachstelle untersucht alle drei Jahre, wie viele Biber sich wo im Kanton angesiedelt haben. Freiwillige schreiten dazu insgesamt über 900 Kilometer an allen relevanten Gewässerabschnitten ab und suchen Spuren wie angenagte Bäume und Äste, Abdrücke im Boden, Dämme oder Biberwohnbauten.
Ausbreitungspotenzial im Oberland
In sechs Regionen sieht die Biberfachstelle noch Ausbreitungspotenzial für Biber im Kanton. An der Töss, um den Pfäffikersee, am Greifensee, am Zürichsee, an der Sihl und im Knonauer Amt rechnet die Fachstelle mit einer weiteren Ausbreitung oder Verdichtung.
Der Bestand ist seit Beginn der Erhebung im ganzen Kanton stark gewachsen, doch die Biber breiten sich weniger schnell aus als bisher. Bei der Erhebung 2022 war er sogar leicht rückläufig. «Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Revierdichte im Norden des Kantons hoch und das Lebensraumpotenzial allmählich ausgeschöpft ist», begründet die Biberfachstelle. Im Weinland und im Zürcher Unterland sind in den letzten drei Jahren verschiedene Reviere verwaist und die Tiere weitergezogen.
Der Biber fühlt sich auch im Süden des Kantons wohl
Entlang der Sihl, der Limmat und am Zürichsee bei Wollishofen und Meilen wurde der Biber bis vor Kurzem kaum nachgewiesen. Jetzt kamen viele neue Reviere dazu. Bisher wurden mehr Familienreviere erfasst – nun überwiegen die Einzel- und Paarreviere.
Die Fachstelle führt das auf die Ausbreitung in den Süden zurück: «Nach zwei bis drei Jahren verlassen die Jungbiber ihr Zuhause und suchen sich bislang unbesetzte Gewässerabschnitte. Mit der Zeit entstehen Paarreviere, die sich an geeigneten Standorten zu Familienrevieren weiterentwickeln.»
Biber förderten die Biodiversität durch ihre Landschaftsgestaltung, und die Artenvielfalt und die Anzahl an Pflanzen und Tieren verdoppelten sich in Biberrevieren, schreibt die Biberfachstelle in ihrem Bericht. «Die Lebensräume, die er schafft, helfen bei der Rückkehr seltener Pflanzen und Tiere, so etwa des Eisvogels, der Geburtshelferkröte oder der Ringelnatter.»
Reviere an Nebengewässern führen zu Konflikten
Die Bau- und Grabaktivitäten können auch zu Konflikten führen, besonders wenn die Biber an Bächen und Weihern leben. Rund zwei Drittel aller Biber besiedeln laut dem Monitoring solche sogenannten Nebengewässer. Fast überall, wo der Biber lebt, kommt es zu Konflikten mit Gemeindewerken, Gartenbesitzern, Landwirten, Tierschützern oder Revitalisierungsprojekten.
Die Konflikte löst die Biberfachstelle mit dem sogenannten Bibermanagement. Darunter fallen unter anderem konkrete Massnahmen an Biberbauten. Baut beispielsweise ein Biber einen Damm in einem Entwässerungsgraben, der dazu führt, dass Felder eines Bauern zu nass sind, kann die Fachstelle entscheiden, den Damm ganz oder bis auf eine gewisse Höhe abzubauen, wie Caroline Nienhuis von der Biberfachstelle erklärt. Da Biber und ihr Lebensraum geschützt sind, muss die Fachstelle dazu jeweils eine Bewilligung des Kantons einholen.
«Dieses Bibermanagement ist notwendig, wahrscheinlich aber auch mit ein Grund für das verlangsamte Wachstum des Biberbestands», so die Fachstelle. Die Biber in Nebengewässern fühlen sich oft unwohl in ihren Revieren, weshalb sie diese aufgeben und weiterziehen.
Die Biberfachstelle hält fest: «Im Wissen um die zahlreichen Konflikte erscheint der gegenwärtige ‹stolze› Bestand von 165 Revieren gleichzeitig auch fragil.» Damit die Biberpopulation längerfristig im Kanton Zürich bestehen könne, sei es wichtig, dass die Konflikte gesetzeskonform und mit umsichtigen Massnahmen gelöst würden.