Dieser Näniker sagt noch O statt A
Züritüütsch-Geschichten aus dem Oberland serviert Heinz Girschweiler am 7. Dezember in Ottikon. Der ehemalige Journalist wird dabei auch eine eigene Geschichte mit viel Selbstironie vorlesen.
Sein Lieblingswort auf Züritüütsch sei «Wöschluudere». Das sorgt beim Gegenüber für einen fragenden Blick. Heinz Girschweiler(75) löst das Worträtsel auf. Das Wort habe zwei Bedeutungen: das dreckige Wasser, das aus dem Waschlappen tropft. «Ich benutze das Wort für einen dünnen Kaffee – was für eine ‹Wöschluuderebrüe›, die ich da trinke!»
Am Sonntag, 7. Dezember, liest Heinz Girschweiler, ehemaliger Redaktor beim «Anzeiger von Uster» und vom «Tages-Anzeiger», um 15 Uhr im Dürstelerhaus in Ottikon-Gossau Geschichten auf Züritüütsch vor. «S Züri Oberland kännt en ryche Schatz vo züritüütsche Gedicht und Gschichte», heisst es auf der Vorankündigung zur Lesung. Zu hören gibt es «Ergötzlichs und Himmeltruurigs vo fèèr und vorfèèn».
«Vor allem Lehrerinnen und Lehrer haben früher Geschichten in Mundart geschrieben und herausgegeben», erzählt Heinz Girschweiler, der in der Gossauer Aussenwacht Herschmettlen aufgewachsen ist und heute in Nänikon lebt. In seiner Lesung, die er in ähnlicher Form schon diesen Herbst in Nänikon im Vereinslokal Klairs gehalten hat, wird er Geschichten über eine Schulreise, den «eerschte Ruusch» am Ustermer Märt oder über einen ehemaligen Schulmeister erzählen.
Lesung und Musik
Zudem wird Girschweiler auch eine von ihm selber auf Züritüütsch verfasste Geschichte mit dem Titel «En pynliche Ex-Leerer» vorlesen, die einen überraschenden Schluss beinhaltet. Die Lesung wird musikalisch umrahmt von Arnold Meier an der Handharmonika.
Wie kam er überhaupt dazu, sich vertieft mit solchen Mundartgeschichten aus dem Oberland zu verfassen? Vor zwei Jahren habe ihn eine ehemalige Mittelschulkollegin angefragt, ob er den Mitgliedern vom Verein Züritüütsch nach deren Besuch in Bauma nicht ein paar Züritüütsch-Geschichten vortragen könne. «Ich habe spontan zugesagt.» Seither bringe er immer wieder sein Mundartprogramm zum Besten.
«Mir händ früener z Nänike oder z Wetzike gläbt. Hüt häisst das in Nänike oder in Wetzike. Es fröschtelet mi fascht, wän i daas ghööre.» Auch die Mundart habe sich entwickelt. Früher habe man im Oberland noch O statt A gesagt – also Strooss und Hoor, die heute zu Straass und Haar mutiert seien. Und auch «d Nidel isch zum Rahm» worde», sagt Girschweiler.
Beim Schreiben auf Mundart gebe es durchaus auch Regeln. «Die Wörter sind so geschrieben, wie man sie spricht, ohne Rücksicht auf das gewohnte hochdeutsche Schriftbild», heisst es zu den Regeln, wie sie Eugen Dieth in seiner Broschüre «Schwyzertütschi Dialäktschrift» festlegte.
So werden lange Vokale doppelt geschrieben: Graas, deet, Lüüt. Das gilt auch dort, wo im Hochdeutschen ein Dehnungs-h steht: Jaar, gaa, gsee. «Sp» und «st», die in Mundart als «schp» oder «scht» gesprochen werden, sind am Wortanfang «sp» und «st» geschrieben: springe, Spyl, strecke, Stäi. Im Wortinnern wird aber «haschple», «luschtig» oder «Chaschte» geschrieben.
Vom Blumenstrauss bis zum Taschentuch
Hier eine Auswahl an speziellen Wörtern aus dem Züritüütsch:
äisig, äister: immer
bigoscht: wahrlich
Blaascht: Gewitter
Chrööli: Backwerk
Fazeneetli: Taschentuch
fèèrn: im vergangenen Jahr
goppel: hoffentlich, freilich
Luudere: Lappen
Mäie: Blumenstrauss
strütte: hastig arbeiten
wäidli: rasch