Das Hospiz ist bereit für die Kinder – es soll aber kein Sterbehaus sein
Vor Kurzem wurde der Bau des Kinderhospizes in Fällanden fertiggestellt. Bald können die ersten Patienten einziehen. Auf einem Rundgang zeigt sich: Ein Hospiz im eigentlichen Sinne ist es nicht.
In einer Rekordzeit von knapp zwei Jahren seit der Baugesuchstellung wurde das Kinderhospiz Flamingo in Fällanden kürzlich fertiggestellt. Es fehlen nur noch einige Möbel. Ab Anfang 2026 können die ersten unheilbar kranken Kinder zusammen mit ihren Familien einziehen.
Im Erdgeschoss des dreistöckigen Gebäudes stehen dafür acht Patientenzimmer bereit. Sie verfügen über grosse Fenster mit einem kleinen Vorplatz und bieten einen guten Blick auf das Naturschutzgebiet oder die Schule der Gemeinde. In einigen der Zimmer stehen bereits robuste Holzbetten mit Seitengittern, verschiedenen Anschlüssen für medizinische Geräte und einer Kamera für das Pflegepersonal direkt darüber.
Im zweiten Stock befinden sich die Familienzimmer, ein grosser Aufenthaltsraum und eine Waschküche. Dass die Familien räumlich von den kranken Kindern getrennt sind, ist bewusst. «Das Flamingo ist kein Sterbehospiz. Vielmehr ist es das Ziel eines Aufenthalts, die Familien zu unterstützen und allen Beteiligten die bestmögliche Lebensqualität zu bieten», erklärt Nicola Presti, die Kommunikationsverantwortliche der Stiftung Kinderhospiz Schweiz. Das Pflegepersonal hat sein Stationszimmer auf derselben Etage wie die Kinderzimmer und nimmt den Angehörigen die Pflege je nach Wunsch komplett ab.
Das Flamingo ist also eher eine Art Ferienhaus für unheilbar kranke Kinder und ihre Familien. «Angehörige sind oft Tag und Nacht über das ganze Jahr für die Pflege der erkrankten Kinder zuständig. Das kann belastend und kräftezehrend sein.» Deshalb können die Kinder und ihre Angehörigen bis zu 28 Tage pro Jahr im Flamingo verbringen, um sich eine Auszeit zu gönnen und den Patienten einen Tapetenwechsel zu bieten. Erfahrungswerte aus Deutschland, wo es viele Kinderhospize gebe, würden zeigen, dass Familien gerne jedes Jahr wiederkämen.
Selbstverständlich ist das Hospiz auch auf Situationen vorbereitet, in denen Kinder ihre letzte Lebensphase dort verbringen möchten. Für den Todesfall gibt es im dritten Stock einen Andachts- und Aufbahrungsraum.
Für die ganze Familie
Um den Austausch untereinander zu fördern, wird mittags zusammen gegessen. Vor allem auch für die Geschwister wird gesorgt: Für sie gibt es extra eine Geschwistergruppe, das Schulzimmer und den Freizeitraum können sie zusammen mit ihren kranken Brüdern und Schwestern nutzen.
Den Familien stehen verschiedene speziell ausgebildete Personen zur Seite. Je nach Bedarf unterrichten Heilpädagogen die erkrankten, herkömmliche Pädagogen die gesunden Kinder. Sozialarbeiter, Seelsorger oder Psychotherapeuten betreuen die ganze Familie.
Im Keller befindet sich auch ein sogenannter Snoezelen-Raum. In dem abgedunkelten Raum gibt es mehrere Projektoren, eine Discokugel, ein beheiztes Wasserbett, Sitzpolster und zwei Blubbersäulen vor einer Spiegelwand. Das aus den Niederlanden stammende Angebot richtet sich primär an Kinder. «Snoezelen soll möglichst viele Sinne ansprechen und beruhigend wirken», erklärt Presti.

Neben der pflegerischen und psychosozialen Unterstützung ist im Kinderhospiz auch die praktische Hilfe wichtig. Presti erklärt, dass sich Angehörige im Flamingo in der Pflege üben können, um Sicherheit für den Alltag zu Hause zu erlangen. Sie werden zudem auch über Angebote und Anträge für weitere Unterstützungshilfen beraten.
Vorerst über Spenden finanziert
Gebaut wurde das 18 Millionen Franken teure Hospiz zum grössten Teil mit Spendengeldern. 6 Millionen steuerte der Kanton Zürich bei, 3 Millionen die Bank. Auch der Betrieb, der jährlich rund 5 Millionen Franken kosten soll, wird vorerst durch Spenden finanziert. Die Familien zahlen pro Nacht einen Eigenkostenanteil zwischen 50 und 80 Franken. Eltern mit knappen finanziellen Ressourcen können eine Vergünstigung vom Stiftungsfonds des Hospizes beantragen.
Presti sagt: «Wir führen Gespräche mit Kostenträgern, der IV, den Krankenkassen und den Wohngemeinden der betroffenen Familien. Wir wollen, dass sie einen Teil der Betriebskosten übernehmen.» Auch ein Pilotprojekt für die finanzielle Unterstützung des Hospizes durch das Amt für Gesundheit des Kantons sei in Bearbeitung.
Ab dem 6. Januar 2026 dürfen die ersten drei Kinder mit ihren Familien einziehen. «Wir werden nicht gleich mit einer Vollbelegung starten», erklärt Presti. Aber das Bedürfnis nach dem Angebot sei gross. «In der Schweiz gibt es rund 10’000 unheilbar kranke Kinder – aber nur zwei Kinderhospize.»