Bekanntes Bauernpaar übernimmt den Gasthof Guldenen auf dem Pfannenstiel
Seit 18 Jahren lottert der «Waldhof Guldenen» vor sich hin. Nun hat ihn «Dolder»-Besitzer Urs E. Schwarzenbach an Nils Müller und Claudia Wanger verkauft. Die beiden setzen auf Fleisch aus eigener Weideschlachtung.
Der «Waldhof Guldenen» liegt auf dem Pfannenstiel zwischen Forch, Herrliberg und Egg in eine idyllische Waldlichtung gebettet. Das Ausflugsrestaurant galt lange als gastronomischer Allwettergeheimtipp. Doch seit 2007 bewirtet es keine Gäste mehr, das Haus lottert vor sich hin.
2015 kaufte Urs E. Schwarzenbach den «Waldhof Guldenen» der Zürcher Kantonalbank ab. Der Küsnachter Kunsthändler und Besitzer des Luxushotels Dolder hatte viele Pläne, sogar ein Gestaltungsplan für eine Erweiterung samt Hotel liegt vor.

Bis heute ist aus der Vision jedoch nie Realität geworden. Die einzigen Besucher waren eine Gruppe Hausbesetzer, die den ehemaligen Gasthof zweimal in Beschlag nahmen.
Diese Zeit des Stillstands ist nun vorbei. Urs E. Schwarzenbach hat den «Waldhof Guldenen» verkauft, wie die neuen Besitzer Nils Müller und Claudia Wanger mitteilen. Das Landwirtepaar hat die Liegenschaft erworben und will den Gasthof aus seinem 18-jährigen Dornröschenschlaf erwecken.
Von der Weide ins Restaurant
«Wir freuen uns riesig, den ‹Waldhof Guldenen› zu übernehmen», sagt Nils Müller. Er und Claudia Wanger sind als Pioniere in der Hof- und Weideschlachtung bekannt: Seit zwölf Jahren erlegt das Landwirtepaar die Tiere direkt auf der Weide, um ihnen den Stress der industriellen Schlachtung zu ersparen. Ihren Bio-Bauernhof Zur Chalte Hose betreiben sie lediglich anderthalb Kilometer vom Gasthof entfernt.
Vor zwei Jahren haben sie zudem das Schlachthaus Wangers Landmetzg in Küsnacht übernommen. Dort verarbeiten sie mit 20 Partnerhöfen Tiere aus Weideschlachtungen. Müller und Wanger züchten die Tiere also nicht nur selber, sie schlachten sie auch. Und künftig wollen sie das Fleisch im «Waldhof Guldenen» anbieten. «Wir wollen mit dem Restaurant den Kreislauf von der Weide bis auf den Teller schliessen», sagt Nils Müller.
Schon heute betreiben die beiden eine kleine Gaststube auf ihrem Hof. Zudem beliefern sie zahlreiche Restaurants mit Fleisch. Den «Waldhof Guldenen» zu übernehmen, ist ein weiterer grosser Schritt für das Paar. «Wir haben Respekt vor der Aufgabe, bringen als Bauern, Reiter, Metzger, Jäger und Gastronomen aber einiges an Erfahrung mit», sagt Müller.

Ein Vorteil dieses Konzepts zeige sich auch beim Preis der Menüs. «Als Eigentümer und Lieferanten können wir anders kalkulieren und die Gerichte bezahlbar halten», sagt er. Anbieten wollen sie bewährte Fleischklassiker wie Hackbraten, Brasato, Brisket, Tatar, Würste oder hausgemachtes Trockenfleisch. Saisonal soll es auch Wild oder eine Metzgete geben.
«Und ja, natürlich gibt es auch vegetarische Menüs», sagt Müller. «Das Restaurant soll ein Treffpunkt für alle werden.» Dazu gehören auch ein Kaffee am Stammtisch sowie die alte Kegelbahn, die erneuert wird.
Restaurant eröffnet in Etappen
Das denkmalgeschützte Gebäude hat einige Renovationsarbeiten nötig. Dennoch will das neue Wirtepaar schon im ersten Halbjahr 2026 Gäste empfangen. «Wir werden das Restaurant gestaffelt in Betrieb nehmen und mit einer Art Provisorium anfangen», sagt Müller.
«Wir müssen zwar einiges renovieren und die Anschlüsse von Strom und Wasser testen, die Küche und ein Grossteil der Einrichtung sehen aber gar nicht so schlecht aus», sagt Müller. Weder der Zahn der Zeit noch die Hausbesetzer hätten allzu viel kaputt gemacht.

Einen eigenen Bio-Bauernhof, ein Schlachthaus und nun noch ein grosses Restaurant zu betreiben, wird selbst dem umtriebigen Paar etwas viel. «Wir werden einen Geschäftsführer für den ‹Waldhof Guldenen› suchen», sagt Nils Müller. Weil sie jedoch nur wenige Minuten entfernt wohnen würden, seien sie dennoch oft vor Ort.
Pläne von Schwarzenbach verworfen
Wie viel Geld beim Landkauf geflossen ist, darüber haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Nils Müller sagt jedoch: «Urs E. Schwarzenbach hat uns einen fairen Preis gemacht.» Schwarzenbachs Kommunikationsberater bestätigt den Verkauf, äusserst sich zu den Details jedoch nicht.
Ein Gestaltungsplan würde es noch immer ermöglichen, Schwarzenbachs Pläne für ein Hotel zu verwirklichen. «Diese werden wir nicht weiterverfolgen», sagt Nils Müller. Die Zimmer über dem Restaurant werden die beiden neuen Eigentümer später wohl in Räume für die Mitarbeitenden umbauen.