Dieses Einfamilienhaus in Uster ist unter den Hammer gekommen
Zahlreiche Schaulustige werden Zeugen einer Zwangsversteigerung, bei der auch bewaffnete Polizisten vor Ort sind. Warum das Haus in der Familie bleibt – und man vergeblich auf den Auktionshammer wartet.
Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: In Uster wurde am Dienstag ein Grundstück mit Einfamilienhaus und Schopf für 1,38 Millionen Franken versteigert. «Nur einen Auktionshammer habe ich leider nicht», sagt Simona Berchtold, die Leiterin des Betreibungsamts Uster, mit einem Augenzwinkern.
Eine Versteigerung durchzuführen, gehöre für die Ustermer Betreibungsbeamten nämlich nicht zum Tagesgeschäft. 2022 habe sie die letzte Immobilie versteigert. «Entsprechend waren heute einige unserer Mitarbeitenden vor Ort, um dieses aussergewöhnliche Geschehen zu Schulungszwecken mitzuverfolgen.»
Neben einigen Angestellten der Stadt Uster fanden rund 30 Personen den Weg in den von bewaffneten Polizisten bewachten Theoriesaal im Stadthaus West. Warum sie bewaffnet sind, dazu später mehr. Es sollte sich herausstellen, dass nur die wenigsten der Anwesenden zu den Kaufinteressenten gehörten.
Die meisten von ihnen waren Zuschauer – viele gesetztere Männer und einige jüngere Frauen. «Auch an den beiden vorgängigen Immobilienbesichtigungen nahmen viele aus Neugier teil», erzählt die Betreibungsbeamtin. Da es sich bei einer Versteigerung um einen öffentlichen Anlass handelt, lässt sich das nicht vermeiden.
Mehr als nur ein Haus
Beim Objekt, das unter den Hammer kam, handelt es sich um das Gesamteigentum einer Erbengemeinschaft, die aus drei Brüdern besteht. Einer von ihnen ist der Schuldner. Er bewohnte das Haus bisher als Einzelperson. Zum knapp 3000 Quadratmeter grossen Grundstück mit Garten und Wald gehören ein Fünf-Zimmer-Wohnhaus mit Baujahr 1906 sowie ein Schopf.



«Beim vorliegenden Fall handelt es sich um eine von einer Bank verlangte Grundpfandverwertung», erklärt Berchtold. Das bedeutet, der Mann hat Schulden bei der Bank in Höhe von 540’000 Franken. Dies geht aus dem Lastenverzeichnis hervor, das Anfang August im Betreibungsamt Uster auflag.
Bevor das eigentliche Prozedere beginnen konnte, stellte Simona Berchtold den Ablauf und die Bedingungen klar. «Nur wenn der Höchstbietende sich ausweisen und die Anzahlung leisten kann, gilt der Zuschlag auch als rechtskräftig.» Sprich: Wenn man das Haus kaufen möchte, muss man entweder 100’000 Franken in bar dabei haben, ein unwiderrufliches Zahlungsversprechen oder die Anzahlung bereits vorgängig an das Betreibungsamt überwiesen haben.
Dieser Umstand erklärt auch die Anwesenheit der Polizisten im und vor dem Saal – eine Sicherheitsmassnahme, wenn so viel Bargeld im Spiel ist. «Ich brauche sonst keinen Personenschutz», erklärt Berchtold, die seit vier Jahren im Amt ist.
Nach zögerlichem Start ging es Schlag auf Schlag
Gemäss einer unabhängigen Expertenschätzung weist die gesamte Immobilie einen Wert von rund zwei Millionen Franken auf. Laut der Betreibungsamt-Leiterin wurde im Vorfeld kein Mindestangebot verfügt – «wir könnten die Steigerung im Prinzip bei null beginnen».
Allerdings ist ein schriftliches Angebot von der UBS Bank über 555’000 Franken eingegangen. Da für die Gebote mindestens 10’000er-Schritte verfügt worden waren, startete der Ausruf also bei 565’000 Franken.
Erst als dann aber Simona Berchtold zu den Worten «… und zum Dritten» ansetzte, meldete sich ein jüngerer Mann aus Dietikon für das erste Gebot. Bis dahin herrschte eine deutlich spürbare Anspannung im Raum. Viele befürchteten wohl, dass das Spektakel bereits zu Ende sei und dieses grosszügige Grundstück weit unter seinem Wert versteigert würde.
Doch nach diesem ersten Gebot war das Eis gebrochen. Es folgte ein schneller Schlagabtausch zwischen drei Bietern. Nachdem ein Ustermer Interessent bei 680’000 Franken ausgestiegen war, schaltete sich dafür ein Mann ein, der im Ausland wohnt.
An Spannung kaum zu überbieten
Die Stimmung im Raum befand sich irgendwo zwischen Tennismatch – weil die Köpfe der Anwesenden sich von einem zum anderen Bieter drehten – und Pokerturnier, bei dem sich die Interessenten möglichst nicht in die Karten schauen lassen wollten.
Schliesslich war es dann noch ein Duell zwischen zwei Männern: einem aus dem Ausland und einem aus Mönchaltorf, der von Anfang an geboten hatte.
Bei einer Million und 380’000 Franken stieg dann der Mönchaltorfer kopfschüttelnd aus. «Ich habe das Haus vorgängig besichtigt», erzählte er nach der Versteigerung im kurzen Gespräch. «Es sind recht viele Renovationsarbeiten nötig, weshalb der Preis für meinen Geschmack dann zu weit nach oben anstieg.»
Nachdem sich der Höchstbietende ausgewiesen und die Anzahlung geleistet hatte, wurde die Versteigerung für geschlossen erklärt. Interessanterweise ist der neue Besitzer auch der «alte»: Der aktuelle Käufer ist einer der Brüder, die zur Erbengemeinschaft gehören. Mit dem Kauf seines Elternhauses, in dem er aufgewachsen sei, erfülle er sich einen persönlichen Traum.