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Freiwillige Helfer machten es möglich

Schwimmen zwischen Wald und Wiese: Warum sich das kleine Schlatt eine Badi leistet

Die kleine Gemeinde Schlatt betreibt seit über 50 Jahren ein eigenes Schwimmbad. Heute ist es das Reich von Rosemarie und José Fet. Dass es die Badi bis heute gibt, hat aber auch viel mit Dorfzusammenhalt zu tun.

Rosemarie und José Fet leiten die Badi in Schlatt.

Foto: Bettina Schnider

Schwimmen zwischen Wald und Wiese: Warum sich das kleine Schlatt eine Badi leistet

Die kleine Gemeinde Schlatt betreibt seit über 50 Jahren ein eigenes Schwimmbad. Heute ist es das Reich von Rosemarie und José Fet. Dass es die Badi gibt, hat aber auch viel mit Freiwilligenarbeit zu tun.

Wer die Badi in Schlatt sucht, der landet mitten in der Natur. Gleich nebenan ist ein Landwirtschaftsbetrieb, hinter dem Becken beginnt bereits der Wald. Doch eine idyllische Wasserstelle muss man an einem schönen Sommertag nicht erwarten. Schon vor dem Eingang ist Kindergeschrei zu hören.

Die Badi ist seit diesem Jahr wieder das Reich von Rosemarie und José Fet, die den Betrieb leiten. An Nachmittagen wie diesen haben die beiden eigentlich kaum Zeit für lange Gespräche. Denn sie führt den Kiosk und das Bistro, er ist als Bademeister für die Sicherheit zuständig.

Doch man merkt sofort: Die Fets sind mehr als nur Gemeindeangestellte. Sie kennen viele ihrer Gäste sehr gut. Als ein Mädchen seine ersten Schwimmzüge mit Kopf über dem Wasser meistert, steht José Fet klatschend am Beckenrad und feuert es an.

Weniger Stress für den Bademeister

Die Badi Schlatt ist zwar immer noch klein und familiär, ein richtiger Geheimtipp ist sie aber schon länger nicht mehr. «Zu uns kommen nicht nur die Schlatterinnen und Schlatter», stellt Rosemarie Fet klar. Auch Wasserratten aus dem Tösstal und sogar aus Winterthur zieht es nach Unterschlatt.

Man sieht ein Schwimmbad.
Rücken an Rücken steht man in der Badi Schlatt nie im Becken. Ein Geheimtipp ist das Schwimmbad in Unterschlatt aber nicht mehr.

Neue Gäste spricht sie gerne an und fragt sie, was sie zu einem Besuch in Schlatt bewogen hat. «Kürzlich hat mir eine Frau erzählt, dass ihr Mann jeweils mit dem Velo an der Badi vorbeigefahren sei und ihr dann gesagt habe, sie müsse unbedingt dorthin.» Solche Aussagen hört Fet oft.

Attraktionen wie einen Sprungturm oder eine Wasserrutsche sucht man in der kleinen Badi aber vergeblich. Es gibt ein Becken mit einem abgetrennten Nichtschwimmerbereich und ein Planschbecken für die jüngsten Badegäste. «Es ist genau das, was viele an der Badi schätzen», meint die Kioskbetreiberin.

Was jugendlichen Badi-Besuchern langweilig erscheinen dürfte, macht die Aufgabe für Bademeister José Fet leichter. Er muss weniger oft eingreifen.

Dass aber Kinder nicht einfach nur brav ihre Bahnen ziehen, ist auch dem Betreiberpaar klar. «Im Bad dürfen sie sich auch mal austoben, sofern es niemanden stört», sagt Rosemarie Fet. Gegenseitige Rücksichtnahme sei wichtig.

Bisher funktioniert das Miteinander in Schlatt gut. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher ist im Vergleich mit anderen Bädern überschaubar. «Wenn wir 150 Eintritte an einem Tag haben, dann ist das viel», meint der Bademeister, der bereits in verschiedenen grösseren Badis gearbeitet hat.

Das Dorf packt an für seine Badi

Rosemarie und José Fets Arbeitsort gibt es seit 1968. «Das Schwimmbad ist aber trotz seinem Alter noch gut in Schuss», betont José Fet. In diesem Jahr wurde im ganzen Becken eine neue Folie angebracht. So erstrahlt es in neuem Glanz.

Für die Schlatterinnen und Schlatter ist die Badi eine Herzensangelegenheit. Dass sich eine so kleine Gemeinde ein eigenes Schwimmbad leistet, scheint überraschend. Denn es schreibt, wie fast alle Bäder, keine schwarzen Zahlen.

«Wir als Gemeinde übernehmen dieses Defizit aus Überzeugung. Weil es einer der wenigen Treffpunkte ist, die wir noch haben», sagte Gemeindepräsident Urs Schäfer (parteilos) im vergangenen Jahr. «Und weil es seit mehreren Generationen von der Bevölkerung mitgetragen wird.»

Die Schlatterinnen und Schlatter hatten lange von einer eigenen Badi geträumt. Doch erst 1964 genehmigte die Gemeindeversammlung den Ankauf von 36 Aren Land im Strick, wo heute das Schwimmbad steht.

Das Bauprojekt war für die kleine Landgemeinde aber zu teuer. Sie machte sich deshalb auf die Suche nach Spendern, um das Projekt zu realisieren. Der Zweckverband für den freiwilligen interkommunalen Finanzausgleich spendete 50’000 Franken, zusätzliches Geld kam vom Kanton und von weiteren Kleinkrediten. Etwa 180'000 Franken kamen so zusammen. Die Kosten von etwas mehr als 210'000 Franken liessen sich dadurch aber nicht ganz decken.

Man sieht ein altes Foto eines Bootsrennens in einem Schwimmbad.
Im Jahr 1968 weihten die Schlatter ihre Badi mit einem Bootsrennen ein.

Trotzdem kam es 1967 zum Spatenstich. Mitten in den Arbeiten verstarb jedoch der Architekt. Die Schlatter packten kurzerhand selber an und führten die Bauarbeiten fast ausschliesslich in Fronarbeit zu Ende. Im August 1968 kam es zur grossen Eröffnung der Badi. Die Einnahmen aus dem Fest deckten einen grossen Teil der Finanzierungslücke.

2021 gab es die letzten grösseren Renovationsarbeiten. Viele Arbeiten führten Profis aus, aber nicht ausschliesslich. Nach einem Aufruf der Gemeinde packten erneut viele Schlatterinnen und Schlatter freiwillig für ihre Badi an.

Regen als Erholungspause

Beim normalen Badebetrieb sind keine freiwilligen Helferinnen und Helfer nötig. Die Anlage auf Vordermann zu halten, ist die Aufgabe von Rosemarie und José Fet. Ein 40-Stunden-Job ist die Betriebsleitung nicht. «Wir sind jeden Tag vor Ort», betont José Fet. Auch bei schlechtem Wetter fallen Unterhaltsarbeiten an – von der Pflege des Rasens bis zur Reinigung.

Bei sommerlichen Temperaturen herrscht Hochbetrieb, die Tage sind lang. Die Fets stört das aber nicht. Trotzdem schätzten sie die kurze Erholungspause, die das regnerische Wetter mit sich brachte.

Man sieht einen Bademeister neben einem Schwimmbad.
José Fets Arbeitsort ist meistens der Beckenrand, aber nicht nur. Er kümmert sich auch um viele Unterhaltsarbeiten.

Die beiden wussten, worauf sie sich einlassen. Für Rosemarie und José Fet ist es nicht die erste Saison in Schlatt. Bereits 2021 führten sie den Betrieb für eine Saison. In den letzten drei Jahren waren ihre Tochter und deren Partner am Ruder, die Fets halfen dabei gelegentlich aus.

Beide sind 69 Jahre alt und könnten ihren Ruhestand geniessen. Doch als sie von der Gemeinde angefragt wurden, ob sie nicht nochmals die Betriebsleitung übernehmen wollten, brauchten sie keine lange Bedenkzeit. Rosemarie Fet: «Uns gefällt es sehr gut hier.»

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