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Hoch hinaus mit Techno

Mitten in der Klubkrise organisieren diese Oberländer Techno-Events

Von manchen gehasst, von vielen geliebt: der Techno. Ein Musikstil, der auch das Oberland bewegt. Doch während die Szene in einer Krise steckt, wollen drei Oberländer dem Techno wieder Aufschwung verleihen.

Diese Oberländer verschrieben sich ganz dem Techno: Noah Giger, Elijah Fakhech und Eva Sekher (von links).

Foto: Darina Bolt

Mitten in der Klubkrise organisieren diese Oberländer Techno-Events

Von manchen gehasst, von vielen geliebt: der Techno. Ein Musikstil, der auch das Oberland bewegt. Doch während die Szene in einer Krise steckt, wollen drei Oberländer dem Techno wieder Aufschwung verleihen.

Bekannte Klubs wie das Mascotte oder die «Zukki» in Zürich mussten ihre Türen dieses Jahr schliessen. Der Grund: Weniger junge Leute gehen in den Ausgang. Dieser Trend zeichnet sich auch in der Technoszene ab, in der beispielsweise immer weniger Outdoor-Raves stattfinden. Technolabels oder Kollektive wie Glanzikultur aus Zürich konnten sich die Events nicht mehr leisten, da die finanziellen Einbussen zu gross waren.

Der Techno hatte seinen Hype schon in den 1990er Jahren. Besonders in Städten wie Berlin wurde die elektronische Musik gefeiert. Klubs wie das Berghain oder der Kit-Kat-Club etablierten sich in dieser Zeit, heute gehören sie zur Elite der europäischen Technoszene.

Auch in der Schweiz fand die Musik grossen Anklang. Mit der Street Parade – dem grössten Elektrofestival der Welt – tanzt die Schweiz ganz vorne mit. Jährlich treten Tausende internationale DJs hierzulande in Klubs auf. Auch wenn es der Ausgangsszene in den letzten Jahren auch schon besser ging, gibt es immer mehr Jugendliche, die in den Bann der Technomusik gezogen werden, ob zu House, Acid Techno, Schranz oder Hardstyle. (dbl)

Mitten in dieser Entwicklung wagen sich drei junge Oberländer in die Welt der Techno-Events. Sie gründeten ein Label, um diese zu organisieren und lokalen DJs eine Bühne zu bieten. «Es ist sehr schade, dass sich viele aus der Szene zurückgezogen haben. Wir werden aber versuchen, das Beste herauszuheben», sagt Elijah Fakhech.

Im März des letzten Jahrs legte der 19-jährige Adetswiler mit ein paar Kollegen an der Chilbi in Bäretswil im Festzelt auf, was für ihn dem Eintritt in die Szene der Techno-DJs gleichkam. Nach diesem Abend entschied er sich, daraus gleich ein Label zu gründen. Das Soundwave-Kollektiv war geboren. «Kollektiv, weil wir eins sind», erklärt Fakhech. Das Label hat seinen Sitz im Wetziker Industriequartier.

Soundwave-Label. Zu dritt wollen sie die Technoszene aufmischen.
Im Industriequartier in Wetzikon verbringt das Kollektiv nicht nur seine Freizeit, sondern plant auch Events.

Kurz darauf stiessen Kollege Noah Giger und Kollegin Eva Sekher zum Team dazu. Nach dem dritten Treffen soll Fakhech sie gefragt haben, ob sie Teil des Teams sein wollen. Sekher aus Hittnau unterstützt bei organisatorischen Belangen wie dem Promoten der Events. Giger wiederum ist DJ und stellt gemeinsam mit den beiden all ihre Events auf die Beine. Das Kollektiv hat bisher vier Events organisiert. Heute legt Fakhech sowohl an eigenen als auch an externen Events auf.

Diese bedeuten für das Oberländer Kollektiv grossen Planungsaufwand. «Anfangs hatten wir Schwierigkeiten, wussten nicht, wie, was oder wo wir die Events durchführen», sagt Fakhech. Etwa bei der Kommunikation mit den Klubs oder bei der Einschätzung des Getränkebedarfs waren sie zu Beginn unsicher. «Aber mit der Zeit und der Hilfe von anderen hatten wir den Dreh schnell rausgehabt.»

Das zeigte sich spätestens im März, als sie ihren bisher grössten Event im Club Bellevue in Zürich gemeinsam mit einem anderen Label durchführten. «Sie mussten die Türen schliessen, weil zu viele Leute kamen. Ich konnte meinen Augen kaum glauben, meine Hände zitterten vor Freude», sagt Fakhech. «Dort habe ich gemerkt: Wow, die ganze Arbeit lohnt sich.»

Der Start einer Passion

Die Freude steht ihm auch heute noch wie ins Gesicht geschrieben. «Wenn mein 12-jähriges Ich mich heute sehen würde, würde es nicht glauben, dass ich vor so vielen Leuten auflege», sagt Fakhech. Seit er klein war, interessierte sich der 19-Jährige für Musik. Über einen Schulfreund seiner Mutter, der früher noch mit Schallplatten auf der Street Parade auflegte, entdeckte Fakhech seine Faszination. «In der Wohnung dieses Freunds hörte ich Techno zum ersten Mal. Die Musik packte mich direkt», erinnert er sich.

Mit 17 übte sich Fakhech dann das erste Mal selbst als DJ – zunächst in seinem Kinderzimmer. «Sich im Kopf Übergänge zu überlegen, verschiedene Songs zu mixen und diese dann mit den Leuten zu feiern, ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl», sagt er.

Kurz darauf startete auch sein Kollege Noah Giger mit demselben Hobby. «Es gibt uns beiden ein Gefühl von Freiheit», sagt Giger. Manchmal legen sie zusammen auf, spielen sich ihre Tracks vor und verbringen ihre Freizeit miteinander.

Die beiden DJs betreiben das Kollektiv derzeit hobbymässig. «Mal ein paar Jahre davon leben zu können, wäre sicher toll», meint Fakhech. «Ich denke aber, es wird dann auch eine gewisse Freiheit rauben.» Anders jedoch sieht das Giger: «Es wäre schon mein Traum, in Zukunft davon leben zu können.»

Finanziert werden all ihre Events durch eigene Mittel oder durch Vorschüsse der Klubs. «Beim Club Bellevue hatten wir das Glück, dass wir mit den Einnahmen aus Tickets und Getränken den Vorschuss decken konnten», erklärt Fakhech.

Im Oberland hat das Soundwave-Label bereits drei Veranstaltungen durchgeführt. An der Chilbi in Bäretswil, in der Silk Factory in Wetzikon und kürzlich einen Outdoor-Rave beim Rosinli in Adetswil. Künftig wollen sie gerne sowohl in der Region Zürich als auch hier auflegen. Doch im Oberland sei das schwierig. «Entweder ist man zu laut, weil es in einem Wohngebiet ist, oder es fehlt an der nötigen Infrastruktur», sagt Fakhech. Sie würden um zwölf Uhr nachts anfangen und um sechs Uhr morgens aufhören.

Ihr Ziel ist, die Community in beiden Regionen zu stärken und mehr Menschen zu erreichen. «An unsere Events in Zürich kamen auch teilweise Leute, die wir an der Chilbi Bäretswil kennengelernt hatten», sagt Fakhech. In Zürich liessen sich Leute einfacher mitreissen, und so könne man ein Publikum aufbauen.

In der Zwischenzeit hat sich aber schon mal einiges getan. Sie haben bereits vier Resident-DJs. Das sind externe DJs, die regelmässig bei ihren Soundwave-Events auflegen. «Unsere Vielfalt an DJs bringt ganz verschiedene Stile zusammen – von Bounce zu Melodic Techno und bis zu Trance wird bei uns alles gespielt», erklärt Fakhech.

In Zukunft würden sie sich auch wünschen, grössere Events in Zürich zu organisieren. «Es wäre schon cool, irgendwann in renommierten Klubs wie dem Exil oder der Alten Kaserne in Zürich aufzulegen», sagt Fakhech. Für den Augenblick sind sie aber zufrieden, wie es läuft. «Dieses Jahr möchten wir vielleicht noch einen Event in der Kulturfabrik in Wetzikon planen oder einen zweiten Outdoor-Rave organisieren», erklärt er.

«Schweizer Technoszene muss verrückter werden»

Obwohl die Schweizer Technoszene lebendig ist, wünscht sich die 20-jährige Sekher mehr Vielfalt: «Es dürfte ruhig etwas mehr wie in Deutschland sein – vielfältiger, individueller, verrückter. Techno sollte nicht immer nur auf ein einzelnes, festes Bild reduziert werden.»

Das Soundwave-Kollektiv selbst sei zwar noch nicht ganz so verrückt, aber familiär und transparent sei es schon. «Wir wollen sehr nah an den Leuten sein und die Raves nicht fürs Geld schmeissen», betont Sekher. Bei ihnen ist auch niemand der Chef, und einen Vertrag haben die drei ebenfalls nicht. In der Technoszene sei generell vieles lockerer, und die Leute seien offener und hilfsbereiter. Fakhech meint: «Durch das Label haben wir schon viele interessante Menschen kennengelernt.»

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