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Gesellschaft

So stehts um das Stadtfest Uster

«Ich freue mich, dass Uster aus dem Kritik- in den Festmodus wechselt»

Maggie Bucher ist im OK des Stadtfests Uster. Im Interview spricht sie über die Vorbereitungen, Kritik an der Kommunikation – und warum es am Stadtfest ausschliesslich Bier aus Uster gibt.

Ähnlich wie hier am Uster Märt wird Uster während des Stadtfests zur Partymeile. (Archiv)

Foto: Christian Merz/PD

«Ich freue mich, dass Uster aus dem Kritik- in den Festmodus wechselt»

Maggie Bucher ist im OK des Stadtfests Uster. Im Interview spricht sie über die Vorbereitungen, die Kritik an der Kommunikation und darüber, warum es am Stadtfest ausschliesslich Bier aus Uster gibt.

Ein Konzert der Stubete Gäng, Tanzauftritte verschiedener Vereine, Kulinarisches aus aller Welt und Unterhaltung jeglicher Art – in knapp einem Monat verwandelt sich das Stadtzentrum von Uster in eine Festmeile. Das Ustermer Stadtfest steht vor der Tür.

Die Vorbereitungen für den Grossanlass laufen seit zwei Jahren. Unter dem Motto «Mir sind Uster!» feiert die Stadt vom 5. bis 7. September ihr 1250-jähriges Bestehen – eingebettet ins Stadtfest, das grösser daherkommt als der Uster Märt und zuletzt vor zehn Jahren stattfand. Kein Wunder also, dass der organisatorische Aufwand enorm ist.

Zuletzt wurden aber auch kritische Stimmen laut, vor allem in den sozialen Medien. Entscheide des Organisationskomitees – beispielsweise, dass am Fest nur Getränke der Brauerei Uster verkauft werden dürfen – wurden kritisch hinterfragt und dessen Kommunikation kritisiert. Diese sei nicht transparent, so der Tenor.

Maggie Bucher ist Teil des Organisationskomitees und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie setzt sich mit der Kritik auseinander und gibt Einblick hinter die Kulissen der Organisation.

Frau Bucher, in wenigen Wochen ist es so weit – Uster feiert am Stadtfest. Wo steht das OK in der Planung?

Maggie Bucher: Wir sind auf Kurs, die Langzeitplanung trägt Früchte. Vor zwei Wochen haben wir die Plakate drucken lassen, jetzt rühren wir die Werbetrommel. Das Sicherheitskonzept für das Fest ist noch zu finalisieren, da werden wir aber von der Verwaltungspolizei unterstützt.

Wie sieht es mit der Beteiligung der Vereine aus?

Wir haben aktuell 63 Vereine an Bord – das ist eine tolle Zahl. Einige betreiben Verkaufsstände, andere präsentieren sich mit Darbietungen auf der Bühne. Von Tanz über Musik bis hin zu Kung-Fu oder Kunstrad ist alles dabei. Die grossen Plätze für Festwirtschaften sind alle vergeben; kleinere Standflächen könnten wir vereinzelt noch ermöglichen.

Das klingt nach Erfolgskurs. Und doch sorgten gewisse Entscheidungen für Kritik: So machte ein Schreiben an Gastronomen die Runde, in dem ihnen eine Pauschalabgabe von 800 Franken auferlegt wurde. Was war der Hintergrund?

Das Stadtfest verursacht hohe Kosten für Programm, Sicherheit, Organisation und Werbung – und ist für alle Besuchenden gratis. Wir fänden es fair, wenn auch die Restaurants im Festgebiet, die keine Standmieten bezahlen und von den erwarteten 80’000 Besuchenden profitieren, sich solidarisch zeigen und freiwillig einen Beitrag leisten würden. Einigen wenigen Restaurants ist das sauer aufgestossen, und sie haben uns lautstark kritisiert. Unser Schreiben war aber auch unglücklich formuliert.

Wir haben uns bemüht, immer offen zu kommunizieren.

Maggie Bucher

OK-Mitglied Stadtfest Uster

Die Kommunikation des Organisationskomitees wurde in den sozialen Medien als intransparent kritisiert. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Wir haben uns bemüht, immer offen zu kommunizieren, und haben alle Fragen an uns immer beantwortet. Die Kritik wurde aber zum grossen Teil indirekt in den sozialen Medien artikuliert. Wir fühlten uns wie an den Pranger gestellt. Das ist demotivierend. Das gesamte OK arbeitet ehrenamtlich, und die Arbeitsbelastung ist hoch. 

Sprach sich das OK nun mit den Gastronomen aus?

Ja. Wir haben alle betroffenen Betriebe zu einem Treffen ins Stadthaus eingeladen und gemeinsam eine Lösung gefunden. Der Beitrag bleibt freiwillig. Einige Gastronomen zahlen ihn, andere leisten auf andere Weise Unterstützung.

Stichwort Gastronomie: Wer ein Festzelt betreibt oder Getränke auf öffentlichem Grund verkauft, muss diese bei der Brauerei Uster kaufen; sie ist der exklusive Getränkepartner des Stadtfests. Was hat zu dieser Entscheidung geführt?

Um die hohen Kosten zu decken, müssen wir einen Teil der Ausgaben über den Getränkeverkauf finanzieren. Hierfür haben wir verschiedene Offerten eingeholt und uns schliesslich für die Brauerei Uster entschieden. Sie liefert die Getränke zu attraktiven Preisen, stellt Infrastruktur wie Kühlschränke bereit und bezahlt uns einen Sponsoring-Beitrag. Wichtig ist auch, dass die Logistik während des Fests funktioniert: Die Brauerei liefert die Getränke den Vereinen direkt und garantiert während des ganzen Fests Nachschub mit einem Kioskbetrieb. Für das OK war es zudem wichtig, dass es sich um einen lokalen Anbieter handelt. Die Brauerei liegt ja mitten im Festgelände.

Brauerei Uster
Am Stadtfest Uster wird exklusiv Bier der lokalen Brauerei verkauft. (Archiv)

Die Regelung schränkt Gastronomen ein, die vor ihrem Lokal auf öffentlichem Grund Getränke verkaufen wollen, aber mit einem anderen Getränkelieferanten einen Vertrag haben.

Innerhalb ihrer Lokalitäten dürfen sie ihre bestehenden Produkte verkaufen, auf öffentlichem Gelände gilt der Exklusivvertrag mit der Brauerei Uster. Das ist im Sinne der Fairness und Transparenz allen gegenüber.

Warum sind keine Alternativen erlaubt, wie etwa der Bezug über einen Grosshändler?

Wenn jeder Stand seine eigenen Getränke anliefern würde, käme es auf dem Gelände zu Logistikproblemen. Wir haben mit der Brauerei einen Exklusivvertrag und eine verlässliche Lösung mit einem klaren Ansprechpartner. Die Vereine profitieren zudem von einer festen, vergleichsweise hohen Marge.

Durch einen festen Getränkehändler sind die Verkaufspreise vorgeschrieben. Warum findet man nirgends eine öffentliche Preisliste?

Der Verkaufspreis ist als Mindestpreis definiert – darüber hinaus dürfen die Vereine selbst entscheiden. Wir wollen keinen unnötigen Preiskampf unterstützen. Alle sollen faire Preise bezahlen und kostendeckende Margen erhalten.

Egal, zu welchem Preis ein Getränk verkauft wird – abgegeben wird es nur noch in einem Mehrwegbecher. Das wurde von der Stadt so gefordert. Wie funktioniert das an einem solchen Grossanlass?

Mit dem Anbieter Cup and More haben wir einen starken Partner mit langjähriger Erfahrung gefunden, der ein bewährtes System sicherstellt, das funktioniert. Die Vereine bestellen im Voraus die Menge an Bechern, die sie brauchen. Der Anbieter hat zudem einen Logistikstandort auf dem Festgelände. So ist jederzeit für Nachschub gesorgt. Zudem haben wir die Getränkeauswahl bewusst so getroffen, dass nur wenige Produkte überhaupt Mehrwegbecher benötigen. Mineralwasser und Bier werden beispielsweise bereits in PET-Flaschen und Büchsen, die auf dem Gelände wieder fürs Recycling eingesammelt werden, angeboten und kommen daher ohne Mehrwegbecher aus.

Und der finanzielle Aspekt?

Für die Getränke, bei denen Mehrwegbecher erforderlich sind – wie Longdrinks oder Cüpli beispielsweise –, sind die Becherpreise günstiger, als wenn man sie im Grosshandel beziehen würde. Wer Getränke im Offenausschank verkaufen möchte, ist verpflichtet, Mehrwegbecher zu verwenden. Dafür sind in diesem Bereich die Margen aber auch entsprechend höher.

Mehrwegbecher gab es am letzten Stadtfest vor zehn Jahren noch nicht. Was ist sonst noch neu gegenüber damals?

Es stimmt, im Jahr 2015 mussten wir das noch nicht umsetzen. Viele erinnern sich jedoch nicht mehr daran, dass wir bereits am Stadtfest 2011 Mehrwegbecher im Einsatz hatten. Die Anforderungen in vielen Bereichen sind seither deutlich gestiegen. Besonders das Thema Sicherheit hat stark an Bedeutung gewonnen und ist wesentlich aufwendiger geworden: Wir arbeiten mit professionellem Crowd Management, setzen Amoksperren ein und erfüllen sämtliche feuer- und elektrotechnischen Vorschriften.

Welche Rolle spielt die Stadt Uster bei der Durchführung?

Die Stadt unterstützt unseren Verein mit einem namhaften Betrag, mit Dienstleistungen, Personal sowie der nötigen Infrastruktur. Dadurch profitieren indirekt auch alle teilnehmenden Vereine von dieser Unterstützung. So ist es uns möglich, die Standgebühren zu attraktiven Konditionen weiterzugeben. Ohne diese Unterstützung wäre es schwierig, Vereine angesichts der hohen Kosten zur Teilnahme zu motivieren.

Gibt es eine Defizitgarantie durch die Stadt?

Ja, für unvorhersehbare Schäden, Umsatzeinbussen oder Zusatzkosten hat die Stadt zudem auch eine Defizitgarantie gesprochen. Unser Ziel ist es aber, dass ein Grossteil aller anfallenden Kosten schon vor der Durchführung des Fests gedeckt ist.  

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten beim Stadtfest?

Ich freue mich sehr, dass Uster endlich aus dem Kritikmodus in den Festmodus wechselt. Seit zwei Jahren bereiten wir das Fest ehrenamtlich vor. Ich freue mich auf die grossen Highlights wie die Stubete Gäng oder EAZ, aber genauso auf die kleinen und feinen Momente auf der Rampenbühne oder im Familienbereich bei der Villa am Aabach. Vor allem freue ich mich auf all die vielen frohen und fröhlichen Menschen, die kommen, sich begegnen und gemeinsam 1250 Jahre Uster feiern.

Infos zum Stadtfest Uster

Das Stadtfest Uster findet vom Freitag, 5. September, bis Sonntag, 7. September, statt. Das Open Air Greifensee wird in das Fest integriert, da dieser Anlass am selben Wochenende stattgefunden hätte. Das Fest startet am Freitag um 18 Uhr. Alle Informationen sind unter www.stadtfestuster.ch zu finden. (tas)

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