Illnau-Effretikon macht Umweltdaten öffentlich und Strassenbäume smart
Digitale Stadtentwicklung
Die Stadt publiziert erstmals Daten zum Stadtklima und zur Wasserverfügbarkeit in Echtzeit. Das Onlineangebot ist Bestandteil der Smart-City-Strategie – auch im Hinblick auf den Klimawandel.
Illnau-Effretikon hat damit begonnen, erste städtische Umweltdaten live auf seiner Website zugänglich zu machen. Dazu gehören beispielsweise der aktuelle Wasserverbrauch der Stadt oder die herrschenden Temperaturen in verschiedenen Gemeindeteilen. Künftig sollen auch die Kennzahlen des Stromverbrauchs und der Stromproduktion in Echtzeit verfügbar sein. Das Projekt wird in Partnerschaft mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich umgesetzt.
Die Publikation der gebündelten Umweltdaten ist eines von fünf Pilotprojekten, mit denen Illnau-Effretikon die Metamorphose zur Smart City vorantreibt. Der Stadtrat genehmigte die Strategie im Februar 2024 und bewilligte für die einjährige Pilotphase einen Rahmenkredit von 60’000 Franken.
Klimawandel als Treiber
Hintergrund sind die Auswirkungen des Klimawandels auch im lokalen Bereich. Also beispielsweise drohende Wasserknappheit und Starkregen in den Sommermonaten, Hitzeinseln in den Zentren oder auch Borkenkäferschäden in den umliegenden Wäldern. Mit der Veröffentlichung möchte die Stadt mehr Achtsamkeit für die Ressourcen Wasser und Strom schaffen. Und sie will der Bevölkerung ermöglichen, sich laufend über die Situation zu informieren und ihr Verhalten entsprechend anzupassen.
Zu Temperatur und Feuchtigkeit finden sich aktuell Daten von der Allmendstrasse in Kyburg, der Moosburgstrasse in Effretikon und der Hörnlistrasse in Illnau online. An neuralgischen Punkten, sprich dort, wo sich Hitzeinseln bilden, sind weitere Messungen geplant.
Gleichenorts werden auch Daten zur Temperatur der Strassenoberfläche erhoben. Diese helfen dem städtischen Winterdienst, frühzeitig und gezielt Massnahmen bei Schnee und Glätte zu ergreifen. Damit will die Stadt Personal-, vor allem aber auch Umweltressourcen sparen. Ähnliche Messstellen installiert zurzeit auch das kantonale Tiefbauamt an neuralgischen Punkten.
Die Datenübersicht «Wasserverfügbarkeit und -verbrauch» spiegelt die jeweilige Versorgungssituation in Illnau-Effretikon. Weitere Grafiken zeigen den Grundwasserstand sowie den Quellzufluss im Zeitverlauf. Ein Wasserengpass im Sommer zeichne sich oft schon im Frühling ab, heisst es in einer Erklärung. Kritisch wird es, wenn der Wasserverbrauch hoch, der Zufluss hingegen reduziert ist. Das ist dann der Moment, wo die Stadt Einschränkungen wie beispielsweise ein Bewässerungsverbot aussprechen kann.
Pilotprojekt «Wässerung von Strassenbäumen»
Kommunale Strassen werden in Illnau-Effretikon seit 2022 grundsätzlich nach dem Schwammstadt-Prinzip mit Bäumen versehen. Um diese selektiv und bedarfsgerecht bewässern zu können, hat die Stadt ein Pilotprojekt lanciert. So wurden in die Erde einiger der neu gepflanzten Bäume an der Industrie- und der Wattstrasse in Effretikon und der Alpenstrasse in Illnau Feuchtigkeitssensoren eingebaut. Diese differenzieren zwischen «sehr feucht», «feucht/Optimum», «trocken» und «sehr trocken».
Auch diese Daten sind online abrufbar. Sie können laut Stadt zu einem gewissen Grad Hinweise geben, ob frisch gepflanzte Bäume in Privatgärten ebenfalls bewässert werden sollten.
Gebündelte Daten in Winterthur, verteilt in Zürich
Winterthur bietet seit letztem Februar mit «Winterthur in Zahlen» ebenfalls einen gebündelten Onlinezugang zu diversen städtischen Kennzahlen an. Darunter befinden sich auch Umweltdaten. So gibt die Plattform unter anderem Einblick in den Stromverbrauch der Winterthurerinnen und Winterthurer. Und 24 Messstationen liefern jeweils Daten zum Stadtklima. Der Wasserverbrauch hingegen wird noch nicht live ausgewiesen. Mit Betonung auf «noch nicht». Das Datenangebot entwickle sich «laufend weiter», heisst es seitens des Stadtwerks auf Anfrage dazu.
Der Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich geht einen anderen Weg. Er bietet keine Website an, die alle Umweltdaten vereint. «Livedaten, die ein breites Publikum interessieren, können online dort abgefragt werden, wo sie thematisch hinpassen», erklärt Anke Poiget, Leiterin Kommunikation, auf Anfrage. Also Luftschadstoffdaten unter «Luftqualität», Wassertemperaturen unter «Badi aktuell» und der Stromverbrauch auf der Seite des EWZ. Die Livedaten zum Stadtklima – Temperatur/Wärme, Feuchtigkeit, Wind – werden derzeit in Partnerschaft mit dem Wetterdienst Meteoblue unter «Stadtklima Zürich – Meteoblue» publiziert.