«Wie ein Hühnerstall»: Ausflügler wundern sich über Netz auf Plattform
Neuerung am Pfannenstielturm
Der Pfannenstielturm bei Egg wurde kürzlich saniert und mit einem Drahtnetz versehen. Die Meinungen darüber gehen bei Aussichtsuchenden auseinander.
Nach rund zwei Monaten Bauzeit ist der Aussichtsturm auf dem Pfannenstiel bei Egg wieder offen. Wer die 152 Treppenstufen bis auf die oberste Plattform erklimmt, hat eine Weitsicht über den Zürich- und den Greifensee, das Zürcher Oberland und die Alpen. Eigentlich. Denn: Neuerdings ist die Aussichtsplattform von einem Stahldrahtnetz umgeben, das fast den gesamten Turm einhüllt.
Die metallene Verkleidung sorge nun für Ärger unter den Ausflüglern, berichtet die Pendlerzeitung «20 Minuten». Das Netz ruiniere die Aussicht, echauffiert sich ein Besucher. Der Turm sei in einen «Vogelkäfig» verwandelt worden.

Die Massnahme sei «völlig übertrieben», sagt der Mann weiter. Er frage sich, ob eine solche Bevormundung der Ausflügler wirklich nötig sei. Die Eigenverantwortung werde in der Schweiz normalerweise grossgeschrieben, und die Geländer seien davor schon hoch genug gewesen, sagt er der Zeitung.
Schwierig für Selfies
Die Reaktionen vor Ort fallen unterschiedlich aus. Ein Spaziergänger ist der Meinung, das Netz sehe aus «wie ein Hühnerstall». Er könne sich aber vorstellen, dass sich Familien mit kleineren Kindern allenfalls wohler fühlten, wenn es ein Netz habe.
Eine junge Frau aus Deutschland findet, der Hintergrund sei nun nicht mehr so schön, wenn man zuoberst Selfies machen wolle. Anderen Personen ist das Netz auf den ersten Blick gar nicht aufgefallen. Es integriere sich gut in den Turm, resümieren zwei Befragte.

Ähnlich sieht das auch eine Meilemerin, die häufig mit ihren Hunden in der Nähe spazieren geht. Sie sagt: «Ich finde es nicht tragisch.» Die Öffnungen im Maschendraht seien gross genug, um durch sie hindurch eine gute Sicht zu haben.
«Alle wollen überall Sicherheit»
Gemeinsam ist den Angetroffenen, dass sie über die Gründe für die drahtige Verkleidung rätseln. Ist es die Sicherheit? Ein älteres Paar aus Zollikon meint dazu, der Turm sei ziemlich abgelegen, da mache es Sinn, Vorkehrungen zu treffen. Und es fügt an, dass die Leute heute überall Sicherheit wollten. «Doch 100 Prozent Sicherheit gibt es nie.»
Die kantonale Baudirektion, welche das Netz installieren liess, antwortet auf Anfrage etwas nebulös, dass es sich um eine «permanente Sicherheitsvorkehrung» handelt. Zu den Gründen, die diese Massnahme notwendig machten, äussert sie sich jedoch nicht näher. Auch die Kantonspolizei gibt sich zugeknöpft und sagt lediglich, in den letzten zwei Jahren habe es beim besagten Turm keine Vorfälle gegeben.