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Ein Nein aus Winterthur war die Grundlage für die HPS Turbenthal

Seit 50 Jahren begleitet die Heilpädagogische Schule Turbenthal Kinder mit besonderem Förderbedarf. So hat sich die Schule in fünf Jahrzehnten gewandelt.

Das Schulhaus Grund ist seit Ende der Neunzigerjahre das Zuhause der Heilpädagogischen Schule Turbenthal. Und dieses Jahr gibt es für Schüler und Lehrer einen Grund zum Feiern.

Foto: Renate Gutknecht

Ein Nein aus Winterthur war die Grundlage für die HPS Turbenthal

Sonderschule im Tösstal

Seit 50 Jahren begleitet die Heilpädagogische Schule Turbenthal Kinder mit besonderem Förderbedarf. So hat sich die Schule in fünf Jahrzehnten gewandelt.

Es war die Nachricht aus der Stadt Winterthur, die zur Gründung einer Schule führte: 1975 entschied die Stadt, dass sie künftig keine Schülerinnen und Schüler mehr mit heilpädagogischen Bedürfnissen aus den umliegenden Gemeinden aufnehmen will.

Das brachte die Gemeinden im Umland von Winterthur, darunter jene im mittleren Tösstal, in Bedrängnis. Abhilfe schaffen wollte die Primarschule Turbenthal und gründete die Heilpädagogische Sonderschule, heute kurz HPS genannt.

Damals unterrichteten zwei Lehrpersonen insgesamt neun Kinder im Erdgeschoss des Schlosses in Turbenthal.

«Die Schülerzahlen stiegen bereits damals rasch an», sagt Julian Burkhard (parteilos). Er ist Schulpfleger der Primarschulgemeinde Turbenthal, die noch heute die Trägerschaft der Schule innehat. Im Gremium übernimmt er die Funktion als Präsident der Schulleitungskommission der HPS.

Integrativ gehe nicht für alle

Seit 1999 hat die HPS ihr eigenes Zuhause im ehemaligen Oberstufenschulhaus Grund. Doch auch dort wird der Platz knapp.

Aufgenommen am 14. März 2020.
Das Schulhaus Grund war das ehemalige Oberstufenschulhaus.

Die Primarschule arbeitet an einer Erweiterung der Schule, an der heute in der Regel 46 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Die Plätze sind durch den Kanton vorgegeben und bewilligt.

Das Einzugsgebiet umfasst neben dem mittleren Tösstal auch umliegende Gemeinden. «Immer wieder erhalten wir Anfragen von Schulgemeinden, die wir leider ablehnen müssen», sagt Burkhard.

Denn auch im Bezirk Uster suchen die Gemeinden händeringend nach Plätzen für ihre Kinder – Abhilfe schaffen soll der Neubau einer Heilpädagogischen Schule in Volketswil.

Obwohl es das erklärte Ziel der Bildungsdirektion ist, möglichst viele Kinder in die Regelschule zu integrieren, braucht es Institutionen wie die HPS in Turbenthal weiterhin. Denn die integrative Schule hat ihre Grenzen – auch mit einer engen Begleitung können nicht alle Schüler eine Regelklasse besuchen.

«Wir unterrichten hier Kinder und Jugendliche, die auf eine wesentlich kleinere Gruppe angewiesen sind», erklärt Burkhard. Viele von ihnen haben eine Beeinträchtigung beim Spracherwerb oder im Autismus-Spektrum.

Bis eine Anschlusslösung da ist

Das Ziel der HPS ist, ihre Schülerinnen und Schüler eng zu begleiten. «Und zwar bis sie eine gute berufliche Anschlusslösung haben», betont der Schulpfleger. Für manche geht diese Suche nach einer passenden Anschlusslösung über die obligatorische Schulzeit hinaus.

Seit 2016 dürfen die Schülerinnen und Schüler bis zum 20. Altersjahr die HPS besuchen. Die meisten reizen dies aber nicht aus und beginnen früher eine sogenannte praktische Ausbildung. Das ist ein niederschwelliges Berufsbildungsangebot für Menschen mit Lernschwierigkeiten, für die eine reguläre Lehre nicht möglich ist.

Begehrt sind laut Burkhard Ausbildungen im Detailhandel, auch handwerkliche Berufe oder solche in einer Gärtnerei sind für viele Jugendliche eine Option.

Was aus den Schülerinnen und Schülern aus der Zeit der Gründungsjahre geworden ist, weiss Burkhard nicht. «Es gab seit den Siebzigerjahren zahlreiche Veränderungen im Schulsystem», erklärt er und spricht von einer Professionalisierung. «Kinder werden heute individueller wahrgenommen.» Gleichzeitig habe sich auch der Umgang der Gesellschaft mit Menschen mit einer Beeinträchtigung gewandelt.

Das Credo der Schule lautet heute, dass die Entwicklung von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der Schülerinnen und Schüler das wichtigste Arbeitsziel ist.

Laut Burkhard haben alle einen individuellen Förderplan. Darin ist auch festgehalten, welchen Schulstoff die Kinder und Jugendlichen erarbeiten sollen. Dabei gilt: so viel wie möglich, aber nicht überfordernd.

Ein Fest und ein Wunsch zum Jubiläum

Den Schulpfleger freut besonders, dass viele ehemalige Schülerinnen und Schüler gute Erinnerungen an ihre Zeit an der HPS haben. «Und die allermeisten konnten Fuss fassen im Erwachsenenleben.»

Und damit die Kinder und Jugendlichen neben dem Unterricht schöne Erinnerungen ans Jubiläumsjahr haben, gibt es nicht nur eine Projektwoche und ein öffentliches Jubiläumsfest am 10. Mai.

Die Schule hatte sich etwas Besonderes ausgedacht und in diesem Schuljahr allen Kindern und Jugendlichen einen Wunsch erfüllt. Das ist laut Burkhard gelungen – dank einem Sponsoring ging auf dem Flugplatz Schänis für einige sogar der Traum vom Fliegen in Erfüllung.

Andere hatten im Vergleich eher bodenständige Wünsche: Von schönen Autos anschauen bis zum Besuch einer Künstlerin im Atelier war alles dabei.

Jubiläumsfest

Man sieht einen Mann mit Gitarre in einem Arbeitszimmer.
Am Jubiläumsfest tritt auch Liedermacher Bruno Hächler auf. (Archiv)

Das Jubiläumsfest der Heilpädagogischen Schule Turbenthal findet am Samstag, 10. Mai, von 11.15 bis 16 Uhr auf dem Areal der HPS an der Schulstrasse 7 in Turbenthal statt. Es gibt Aktivitäten, Rundgänge und Essensstände. Um 14.30 Uhr startet ein Familienkonzert mit Bruno Hächler.

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