Der Blick ist bereits auf die Kehrseite der Medaille gerichtet
Truur-Eggä
Es ist schade, wenn wir uns den Blick auf den Glanz nicht mehr erlauben – auch in der Trauer. Das empfiehlt Eveline Rüegg.
Wir kennen alle den Ausdruck «Das ist die Kehrseite der Medaille». Alles Gute hat oft auch etwas Schlechtes, eben die Kehrseite.
Auch in der Trauer gibt es die Medaille. Zugegeben, auf den ersten Blick ist diese Aussage verwirrend, und man hat nicht das Gefühl, auch nur ansatzweise eine Medaille erhalten zu haben.
Bei einem Verlust ist der Blick bereits auf die Kehrseite gerichtet. Trauer löst so viele Gefühle aus, die nicht mit Positivem in Verbindung gebracht werden. Kaum vorstellbar, dass sich hinter diesem Schmerz und Verlust auch angenehme Gefühle und Erlebnisse verbergen können.
Es braucht Mut und Wille – und vor allem auch Zeit –, sich von der Kehrseite abzuwenden, sich dieser überhaupt bewusst zu werden.
Sobald man sie realisiert hat, kann man, Stückchen für Stückchen, die Medaille drehen und so wieder etwas Glanz ins Leben bringen.
Aus einem traurigen «Wir waren immer zusammen auf Teneriffa» darf dann ein vorfreudiges «Eigentlich wollte ich ja schon immer einmal nach Mallorca» werden.
Die Kehrseite der Medaille ist nie schön. Aber es ist schade, wenn wir uns den Blick auf den Glanz nicht mehr erlauben.
Eveline Rüegg ist diplomierte Trauer- und Sterbebegleiterin. Sie betreibt in Rikon ihre Praxis bambälälaa (www.bambälälaa.ch). In ihrer Kolumne «Truur-Eggä» will sie dem Thema Trauer Platz geben. Wer sich direkt mit ihr austauschen möchte, erreicht sie unter Telefon 076 559 96 26.
