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Gesellschaft

Gebietsfremde Pflanzen- und Tierarten

Diese Eindringlinge aus der Tier- und Pflanzenwelt breiten sich bei uns aus

In der Tier- und Pflanzenwelt des Oberlands sind «Fremdlinge» auf dem Vormarsch. Wer sie sind und wie man sie los wird.

Die Nilgans und das Einjährige Berufkraut fühlen sich in der Region wohl, sorgen aber auch für Schäden.

Foto: Mathias Schäff/Pixabay

Diese Eindringlinge aus der Tier- und Pflanzenwelt breiten sich bei uns aus

Gebietsfremde Pflanzen- und Tierarten

Neue Tier- und Pflanzenarten, die in der Schweiz eigentlich nicht heimisch sind, erobern auch das Oberland. Weshalb das ein Problem ist – und was man dagegen tun kann.

Der Frühling ist erwacht. Die Tage sind wärmer und länger, und wir verbringen wieder mehr Zeit in der Natur. Dabei kann es vorkommen, dass man Tieren und Pflanzen über den Weg läuft, die man hierzulande noch nie zuvor gesehen hat – sogenannten gebietsfremden Arten.

In der Fachsprache nennt man Pflanzen aus anderen Ländern Neophyten und Tiere Neozoen. Nicht zuletzt durch die Globalisierung und das Fehlverhalten von Menschen sind sie auf dem Vormarsch – auch im Oberland.

Diese Neozoen machen sich in der Region breit

Wer den süssen Krebs im Aquarium nicht mehr länger halten kann, spielt vielleicht mit dem Gedanken, ihn im See oder Fluss auszusetzen. Was erst nach mehr Freiheit für das Tier tönt, zieht im schlimmsten Fall drastische Konsequenzen für die Umwelt nach sich.

Ein ähnliches Schicksal ereilte den Signalkrebs. Er wurde aus Amerika in die Schweiz eingeführt und war eigentlich für die Speisekarte gedacht. Die Krebsart breitet sich derzeit in Gewässern im Kanton Zürich aus. Das Problem daran? Dieser Krebs überträgt die Krebspest. Eine Krankheit, gegen die einheimische Krebse nicht resistent sind. Ausserdem gilt die Art als sehr konkurrenzstark und drängt die bereits bedrohten einheimischen Krebsarten zurück. Vermutlich wurde der Signalkrebs wie andere invasive Arten durch Menschenhand in Schweizer Gewässern ausgesetzt. Eine Tat, die in der Schweiz verboten ist.

Mehr Arten durch Globalisierung

Doch der Signalkrebs ist nur ein Beispiel von vielen. «Die Anzahl gebietsfremder Arten hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen», sagt Isabelle Rüegg von der Baudirektion. Dazu beigetragen habe unter anderem die Globalisierung. Gebietsfremde Tiere würden oft durch die menschliche Hand verschleppt, entweder bewusst wie beispielsweise durch den Tierhandel oder unbewusst. Zusätzlich führt der Klimawandel dazu, dass sich wegen der milderen Winter Arten bei uns etablieren können, die sonst in der Wildnis nicht überlebt hätten.

«Neozoen gefährden die Biodiversität, weil sie andere Arten verdrängen und deren Lebensräume besetzen», erklärt Rüegg. Eine funktionierende Natur ist die Grundlage allen Lebens. Damit die Natur funktioniert, braucht es Biodiversität. Das bedeutet neben einer Vielfalt von Arten auch eine Vielfalt an Lebensräumen und eine genetische Vielfalt innerhalb und zwischen den Arten.

Sind die Tiere und die Pflanzen einmal da, ist es schwierig, sie wieder loszuwerden.

Isabelle Rüegg

Baudirektion Kanton Zürich

Der Kanton Zürich will mit einem Massnahmenplan die durch invasive Pflanzen- und Tierarten verursachten Schäden begrenzen.

Was jeder Einzelne tun kann

Haustiere nie in freier Wildbahn aussetzen.

Keine Tiere als Mitbringsel aus den Ferien mit nach Hause nehmen.

Keine mit Wasser gefüllten Gefässe auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten stehen lassen, da diese sonst als Brutstätten für Mücken dienen können.

Für Wassersportler: Vor jedem Gewässerwechsel sämtliches Material gründlich reinigen, um keine Arten in andere Gewässer zu verschleppen.

Ausserdem stellt er den Gemeinden eine fachliche Beratung zur Verfügung, um das Vorgehen gegen diese in der Anfangsphase optimal aufzugleisen. Denn sind die Tiere und die Pflanzen einmal da, ist es schwierig, sie wieder loszuwerden, wie Rüegg weiter erklärt.

«Neozoen breiten sich selbständig aus – teilweise über weite Strecken.» Zudem würden sich die Tiere vor uns Menschen verstecken. Vor allem in Gewässern könnten invasive Arten kaum bekämpft werden. Daher sei die wichtigste Massnahme die Prävention.

Tierarten, die in der Region nicht heimisch sind

Asiatische Tigermücke

Man sieht die Tigermücke.
Die Stiche der Asiatischen Tigermücke schmerzen mehr als diejenigen einer einheimischen Mücke.

Die Asiatische Tigermücke stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde durch den Güter- und Personentransport verschleppt. Ihre Stiche sind schmerzhafter als diejenigen der einheimischen Mücken. Ausserdem kann sie Krankheiten übertragen. In Nänikon wurde 2023 eine Population entdeckt. Seither sind Massnahmen im Gange, um die Population zu bekämpfen.

Verdachtsfälle können mit Bild über die Website muecken-schweiz.ch gemeldet werden.

Rost- und Nilgänse

Man sieht die Nilgans.
Die Nilgans kann während der Brutzeit sehr aggressiv gegenüber anderen Vögeln sein.

Am Greifen- und am Pfäffikersee sowie in deren Umgebung werden immer wieder Nil- und Rostgänse gesichtet. Die aus Afrika stammende Nilgans zeigt, wie auch die Rostgans, während der Brutzeit ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Vögeln. Zudem ist der Kot der Nilgans in Badis eine gesundheitliche Gefahr für Kleinkinder. Beide Gänsearten wurden vor Jahrzehnten als Ziervögel nach Europa eingeführt.

Sichtungen können bei der Fischerei- und Jagdverwaltung gemeldet werden.

Asiatische Buschmücke

Man sieht eine asiatische Buschmücke.
Stiche einer Asiatischen Buschmücke sind schmerzhafter als diejenigen einer einheimischen Stechmücke.

Die Asiatische Buschmücke stammt aus Japan, Korea und China. Durch den Transport von Personen und Gütern wurde sie in die Schweiz eingeschleppt. Sie ist tagaktiv und gilt als sehr aggressiv. Ihre Stiche sind schmerzhafter als die der einheimischen Stechmücken und können allergische Reaktionen auslösen. Ausserdem ist sie ein potenzieller Überträger von tropischen Krankheiten wie dem Denguefieber.

Verdachtsfälle können mit Bild über die Website muecken-schweiz.ch gemeldet werden.

Rotwangen-Schmuckschildkröte

Man sieht zwei Rotwangenschmuckschildkröten.
Die Rotwangen-Schmuckschildkröte verdrängt die einheimische Sumpfschildkröte.

Die Schildkrötenart aus Nordamerika, die ursprünglich als Haustier importiert wurde, wird oft illegal in der Wildnis ausgesetzt. So auch bei uns in der Region, wo sie sich derzeit ausbreitet. Sie frisst Amphibien, Insekten, Fische sowie Eier von bodenbrütenden Vogelarten. Ausserdem nutzt sie die gleichen Lebensräume wie die bedrohte einheimische Sumpfschildkröte und verdrängt diese dadurch.

Sichtungen können über die Website neobiota.zh.ch gemeldet werden.

Körbchen- und Quaggamuschel

Man sieht Körbchenmuscheln am Seegrund.
Die Körbchenmuschel breitet sich in Gewässern im Kanton Zürich aus.

Die Körbchenmuschel stammt ursprünglich aus Asien und verdrängt bereits in vielen Gewässern im Kanton einheimische Arten. Die Quaggamuschel gilt ebenfalls als invasiv, hat den Greifen- und den Pfäffikersee aber mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht erreicht. Zurzeit findet ein Monitoring mit regelmässigen Probenahmen statt. Diese Proben waren bisher negativ, wie die Baudirektion bestätigt. Lediglich im Zürichsee wurden Quaggamuscheln nachgewiesen.

Sichtungen können über die Website gewaesserschutz.zh.ch gemeldet werden.

Asiatische Hornisse

Man sieht die asiatische Hornisse auf einem Blatt.
Ob dieses Jahr auch im Oberland Nester der Asiatischen Hornisse gefunden werden?

Die Asiatische Hornisse ist eine Tierart, die sich derzeit sehr schnell von Westen her den Jurabogen entlang in Richtung Ostschweiz verbreitet. Im Kanton Zürich ist sie bereits angekommen, aber noch nicht im Zürcher Oberland nachgewiesen. Es ist laut Rüegg aber gut möglich, dass dieses Jahr auch in der Region Nester gefunden werden.

Verdachtsfälle können mit Bild über die Website asiatischehornisse.ch gemeldet werden.

Kamber- und Signalkrebs

Man sieht den Kamberkrebs.
Der Kamberkrebs macht es sich im Greifensee gemütlich, wo er eigentlich nicht zu Hause ist.

Der Kamberkrebs hat den Greifensee schon erreicht. Er ist, wie auch der Signalkrebs, Überträger der Krebspest, die für einheimische Krebsarten gefährlich ist. Beide gelten als sehr konkurrenzstark und drängen die bereits bedrohten einheimischen Krebsarten dadurch noch weiter zurück. In die Schweiz wurden die Arten aus Amerika importiert und waren eigentlich für die Speisekarte gedacht.

Sichtungen können bei der Fischerei- und Jagdverwaltung gemeldet werden.


Diese Neophyten lauern im Oberland

Ein Neophyt ist nicht unbedingt schlecht. «Das Problem entsteht erst, wenn die Arten invasiv werden», erklärt Andrea De Micheli. Der Forstingenieur bietet Planung und Beratung bei Fragen zu Neophyten, Wald- und Naturschutz und ist Mitglied im Schweizerischen Verband der Neobiota-Fachleute.

Er sagt: «Invasive Neophyten hauen gerne über den Gartenzaun ab und breiten sich in der Natur aus.» Wenn sie dann einheimische Pflanzen verdrängen, bringt das Probleme mit sich für die Biodiversität.

In der Schweiz kommen laut dem Bund rund 730 gebietsfremde Pflanzen wild lebend vor. Nach aktuellem Stand gelten davon insgesamt 88 Arten als invasiv, wobei 56 Arten nachweislich Schäden verursachen und bei 32 Arten von Schäden auszugehen ist.

Bei der Bekämpfung wählt De Micheli einen pragmatischen Ansatz: «Wir müssen uns damit abfinden, dass diese Arten existieren und wir mit ihnen leben müssen.» Damit der Kampf gegen die invasiven Neophyten nicht zum Kampf gegen Windmühlen wird, hält er fest: «Neophyten soll man in meinen Augen dann bekämpfen, wenn ein Schaden entsteht oder damit ein Schaden abgewendet werden kann.»

Laut dem Neophytenexperten sind folgende Arten im Oberland von besonderer Relevanz.

Sommerflieder

Man sieht eine violette Blüte.
Schön, aber nicht gut für die Umwelt: Der Sommerflieder im Garten sollte besser ersetzt werden.

«Der Sommerflieder sieht schon schön aus», gesteht Andrea De Micheli. Deshalb hat es die Pflanze aus China auch als Zierstrauch in zahlreiche Schweizer Gärten geschafft – und sie hat sich von dort aus weiterverbreitet.

Der Sommerflieder, auch Schmetterlingsflieder genannt, bildet sehr dichte Bestände und verdrängt damit die einheimische Vegetation mit Erfolg – vor allem entlang von Felspartien, offenen Wäldern, an Flussufern und naturschützerisch wertvollen Trockenstandorten.

«Er verbreitet sich einfach auch über weite Distanzen», erläutert der Neophytenfachmann. Zudem fühlt sich der Flieder ausser im dichten Wald fast überall wohl.

Der Verkauf von Sommerflieder ist in der Schweiz seit letztem Herbst nicht mehr gestattet. Wer eine Pflanze im Garten hat, darf diese aber weiterhin pflegen.

De Micheli rät jedoch: «Für die Biodiversität ist es besser, den Sommerflieder mit einem einheimischen Strauch zu ersetzen.» Möglichkeiten gibt es verschiedene, beispielsweise den Schwarzen Holunder, das Gemeine Pfaffenhütchen oder die Gemeine Berberitze.

Wer sich von seinem Sommerflieder verabschiedet, sollte aber beachten: Blüten mit Samen gehören in den Kehricht, das restliche Pflanzenmaterial in die Grünabfuhr.

Goldrute

Man sieht eine gelbe Pflanze.
Die Goldrute wurde einst als Zierpflanze geschätzt, hat sich dann aber fast unkontrolliert ausgebreitet.

Die Goldrute wurde ursprünglich als Zier- und Honigpflanze von Nordamerika aus eingeführt. Das Problem: Die Pflanze breitet sich durch ihre Samen schnell auch ausserhalb des Gartenzauns aus – etwa in Naturschutzgebiete.

Für die Pflanze gilt deshalb ein sogenanntes Umgangsverbot. Will heissen: Verkaufen, Verschenken, Züchten und Anpflanzen sind nicht erlaubt.

Nur die Bekämpfung ist zulässig. Dazu gehört, die Pflanze samt Wurzeln auszureissen oder mehrmals zu mähen. Auf keinen Fall darf die Pflanze verblühen – so würde die Ausbreitung begünstigt.

Andrea De Michelis Haltung ist klar: «Die Goldrute soll man einfach aus dem Garten entfernen.» Dabei ist Vorsicht geboten: Im Gartenkompost hat die Goldrute nichts verloren. Die Blüten mit den Samen sollte man laut der Empfehlung des Kantons im Haushaltskehricht entsorgen, der Rest des Pflanzenmaterials gehört in die Grünabfuhr.

Als umweltfreundlichere Alternativen für die Goldrute gelten das Johanniskraut, der Gemeine Gilbweiderich oder die Grossblütige Königskerze.

Japanischer Staudenknöterich

Man sieht eine Strauchpflanze.
Der Japanische Staudenknöterich breitet sich vor allem entlang von Gewässern aus.

Der schnell wachsende Japanische Staudenknöterich mit den grossen ovalen, spitz zulaufenden Blättern, dem rötlich gefleckten Stängel und den weissen Blüten gelangte vor etwa 200 Jahren von Ostasien nach Europa. Hier scheint sich die Pflanze wohlzufühlen.

Man findet sie vor allem an Gewässern. Dort breitet sich der Knöterich oft unaufhaltsam über abgeschwemmte Pflanzenteile aus, also nur vegetativ und nicht über Samen.

Am Wasser sorgt der Knöterich für Probleme. Denn er verdrängt andere Arten – und da er im Winter eine kahle Fläche zurücklässt, führt das zu einer Erosion der Ufer. Zudem kann er Schäden an Bauten verursachen.

Die Bekämpfung ist schwierig. «Man bringt ihn sozusagen nicht weg», erklärt De Micheli. «Isolierte, kleinere Bestände lassen sich für teures Geld noch mit einem Bagger abtragen.»

Hat sich der Knöterich einmal ausgebreitet, wird es hingegen schwieriger. Durch mehrmaliges Mähen kann der Bestand reduziert, aber nicht vollständig beseitigt werden. Alternativ kann man die unterirdischen Pflanzenteile ausgraben und dadurch die Pflanze schwächen – entsorgen sollte man sie unbedingt im Kehricht.

Drüsiges Springkraut

Man sieht eine Pflanze mit pinken Blüten.
Das Drüsige Springkraut breitet sich über grosse Distanzen aus.

Beheimatet ist das Drüsige Springkraut im Himalaya. Die Pflanze fühlt sich aber auch auf nährstoffreichen und frischen Böden in Europa wohl, wo sie einst als Zierpflanze eingeführt wurde. Heute gilt für das Springkraut ebenfalls ein Umgangsverbot.

Dank einem Katapultmechanismus der Früchte, der die Samen wegschleudert, breitet sich das Springkraut schnell aus. Besonders an Gewässern, wo es zur Erosion von Flussufern führen kann. Die Samen können ausserdem schwimmen.

Doch laut Andrea De Micheli gibt es auch gute Nachrichten: «Das Springkraut lässt sich relativ gut bekämpfen, denn es handelt sich um eine einjährige Pflanze, die sich nur über Samen ausbreitet.» Dazu muss man die Pflanze vor dem Verblühen ausreissen und, sofern sie schon am Verblühen ist, die Samenstände vorsichtig in Säcken abpacken und im Kehricht entsorgen.

Einjähriges Berufkraut

Man sieht weiss-gelbe Blumen.
«Das Berufkraut nimmt vielerorts überhand», sagt der Neophytenexperte Andrea De Micheli.

Das Einjährige Berufkraut kommt ursprünglich aus Nordamerika und besiedelt bei uns zunehmend Magerwiesen, Brachen und Weiden und verdrängt dort die standorttypische Vegetation. «Das Berufkraut nimmt vielerorts überhand», sagt Andrea De Micheli.

Wichtig ist, dass die Pflanze nicht verblüht – denn sie verbreitet sich durch Flugsamen. Bei der Bekämpfung gilt: Am besten reisst man die Pflanze samt Wurzeln aus und entsorgt sie in der Grünabfuhr. Alternativ kann man sie mehrmals mähen. Denn das wiederholte Schneiden vor der Blüte schwächt die Pflanzenbestände.

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