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Der Förster von Fischenthal weiss sich auch auf der Loipe zu behaupten

Wald oder Loipe? Förster Hano Vontobel begeistert sich für beides – und dies seit Jahren.

Die Kluppe, ein Messgerät für Bäume in der Forstwirtschaft, oder die Skier: Beides lässt sich aus dem Alltag von Hano Vontobel nicht wegdenken.

Foto: Simon Grässle

Der Förster von Fischenthal weiss sich auch auf der Loipe zu behaupten

Hano Vontobel

Förster bei der Arbeit, Sportler in der Freizeit: Hano Vontobel ist Langläufer aus Leidenschaft. Und auch mit 60 Jahren beweist er immer noch seinen Ehrgeiz.

Hano Vontobel muss sich selten Gedanken darüber machen, wie er seinen Feierabend verbringt. Denn die Zeit nach getaner Arbeit ist beim Walder meistens für eines reserviert: Training. Vontobel ist nicht nur Fischenthaler Förster mit Leib und Seele, sondern auch Langläufer.

Erst kürzlich war er am Wasalauf in Schweden, das ist einer der grössten Langlaufwettkämpfe der Welt. Die 90 Kilometer legte er in 4 Stunden und 55 Minuten zurück – von etwa 15’000 Teilnehmern belegte er damit Rang 912. Ausserdem holte er bei der Masters-WM in Klosters in seiner Alterskategorie eine Gold- und eine Silbermedaille.

Vom Skiclub in den Weltcup

Begonnen hat alles in den Siebzigerjahren beim Skiclub am Bachtel, dem Vontobel bis heute treu geblieben ist. Talent hatte er, das erkannten auch seine Trainer. Er schaffte es in verschiedene Kader und nahm an unzähligen Wettkämpfen teil.

«Mitte der Achtzigerjahre nahm ich sogar an zwei Weltcup-Rennen in Davos teil», erinnert sich der heute 60-Jährige. Zum Resultat sagt er trocken: «Dabei sein ist alles.» Ein sportliches Highlight war für ihn zudem der 9. Platz am Engadiner Skimarathon 1988.

Von einer Profikarriere war Vontobel trotzdem weit entfernt – auch zu seinen «besten Zeiten» hat er stets 50 Prozent gearbeitet. Und so entschied er sich 1989, wieder Vollzeit ins Berufsleben einzusteigen – er besuchte die Försterschule. Ein Jahr später trat er dann seine Stelle bei der Gemeinde Fischenthal an.

«Als ich Vater wurde, ist der Sport etwas in den Hintergrund getreten.» Lange hielt das jedoch nicht an. «Als meine älteste Tochter etwa sechs Jahre alt war, trat sie dem Skiclub bei.»

Ein Langläufer auf der Loipe.
Hano Vontobel 2012 am Nordic Day Bachtel. Zu dieser Zeit war er auch als Trainer aktiv. (Archiv)

Auf einmal war Vontobel wieder öfter auf der Loipe anzutreffen und übernahm auch das Amt des Trainers der Langlauf-Juniorinnen und -Junioren beim Skiclub. «Ich war aber ganz klar wie ein ‹Spielertrainer›», sagt er mit einem Schmunzeln.

Der Begriff bezeichnet bei Teamsportarten einen Trainer, der auch als Spieler eingesetzt werden kann. Für Hano Vontobel bedeutete es, dass er nicht nur am Loipenrand stand, sondern aktiv im Training mitmachte.

«Kaltstart» im Biathlon

2015 gab der gebürtige Walder sein Amt ab. «Seither bin ich einfach noch freiwillig engagiert im Verein», betont er. Doch sportlich kürzertreten konnte er nicht, denn sogleich kam die Anfrage von einem Berufskollegen, ob er an den Biathlon-Europameisterschaften des Forstpersonals teilnehmen wolle.

Er sagte zu – und der Wettkampf hat seither einen festen Platz in seiner Agenda. Auch dieses Jahr war er bei den Europameisterschaften im tschechischen Nové Město dabei und holte in seinen Kategorien einen ganzen Medaillensatz.

Man sieht drei Männer auf dem Post.
Hano Vontobel (Mitte) an den Europameisterschaften des Forstpersonals. Im Biathlon stellt er auch seine Schiesskünste unter Beweis.

Wieso Förster beim Biathlon? Vontobel hat eine einfache Antwort: «Angefangen hat alles in Deutschland», erklärt er. «Dort sind die Förster oft auch Jäger.» Er selber aber nicht – seine Schiessfertigkeiten muss er auf andere Weise trainieren. Seine erste Teilnahme am Wettkampf bezeichnet der geübte Langläufer deshalb als «Kaltstart».

Diese Europameisterschaften sind für Vontobel aber mehr als nur ein sportliches Kräftemessen. «Sie dauern immer eine Woche», sagt er. Es gebe Exkursionen in lokale Wälder, man tausche sich mit Berufskollegen aus ganz Europa aus. «Wenn dann die Wettkämpfe beginnen, ist auch der Ehrgeiz da.»

Der Waldmanager

Die Gemeinde Fischenthal hat Freude an ihrem sportlichen Förster – und gewährt ihm gewisse Freiheiten, sei es bei den Ferien oder der Arbeitszeit. So kann Vontobel gelegentlich auch tagsüber trainieren. «Die Arbeit wird trotzdem erledigt», betont er. «Einfach ausserhalb der üblichen Bürozeiten.»

Mann vor Holzstapel
In seiner Position als Förster sieht sich Hano Vontobel als Landschaftsmanager.

Und in einer grossen Gemeinde mit viel Wald wie Fischenthal hat Vontobel genug zu tun. Fischenthal hat etwa 1650 Hektaren Wald, 500 davon sind Staatswald und gehören dem Kanton. Die restlichen 1150 Hektaren sind Eigentum von Privaten.

Sie berät Vontobel, wenn es etwa um Förderbeiträge für den Holzschlag geht. «Wir sind hier in einem unwegsamen Gebiet, ohne Förderung würde sich die Nutzung nicht lohnen», sagt er. Als Förster bestimmt er, welche Bäume gefällt werden – die Arbeiten führen spezialisierte Unternehmen aus.

Er fungiert – wie er selber sagt – wie ein Produktmanager für die privaten Waldbesitzer. Er erstellt zum Beispiel Abrechnungen oder verbucht Einnahmen.

Vontobel ist sich bewusst, dass die Bewirtschaftung der Wälder von einigen auch kritisch betrachtet wird – er bekommt das immer wieder zu spüren. Für ihn überwiegen trotzdem die Vorteile der Holznutzung. Es gehe um Nachhaltigkeit und Regionalität, ist er überzeugt.

Etwa 80 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Vontobel im Büro. Die Sicherheitsschuhe und Arbeitshosen trägt er jedoch den ganzen Tag. «Ich bin stets auf Abruf, wenn ein Waldbesitzer meine Unterstützung braucht.»

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