Darum betrifft die Umstellung auf Sommerzeit auch die Tiere
Experte vom Strickhof erklärt
Tierschützer warnen: Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit kann zu mehr Wildunfällen führen. Aber auch für Bauern mit Nutztieren ist die Umstellung immer wieder eine Herausforderung.
Manche Eltern mit schulpflichtigen Kindern schicken diese schon seit mehreren Tagen am Abend immer früher ins Bett. Denn wie immer am letzten Wochenende im März wird die Uhr von Samstag auf Sonntag eine Stunde vorgestellt. Denn damit das Aufstehen am Montag mit einem Defizit von einer Stunde Schlaf leichter fällt, ist gute Vorbereitung gefragt.
Doch nicht nur Eltern sind jedes Jahr mit dieser Aufgabe konfrontiert. Denn auch Tiere haben eine innere Uhr, die wohl noch genauer eingestellt ist als bei den Menschen. So können etwa Landwirte nicht einfach von einem Tag auf den anderen ihre Nutztiere zu einer anderen Zeit versorgen.
Kühe mögen Langeweile
«Die grösste Herausforderung ist, dass Kühe absolute Gewohnheitstiere sind», sagt Matthias Schick, Leiter des Bereichs Tierhaltung und Milchwirtschaft am Lindauer Strickhof. «Sie produzieren bei gleichen Bedingungen – gleiches Futter und gleiche Abstände zwischen den Melkzeiten – auch immer ungefähr die gleiche Milchmenge. Kühe mögen gerne die Langeweile.»

Sobald Action ins Spiel komme und der Tagesablauf durcheinandergebracht werde, bedeute dies Stress für die Kuh. «Dies wirkt sich dann sofort über verminderte Milchleistungen aus.» Im Idealfall werde schon eine Woche oder noch früher mit der Umstellung begonnen, sodass kein abrupter Wechsel stattfinde. «Sondern einfach jeden Tag zehn Minuten früher», sagt Schick. Ganz einfach könne man das auch mit einer Zeitschaltuhr bewältigen, die eine Woche lang jeden Tag etwas früher das Licht im Stall einschalte.
Fütterungsroboter als Entlastung
Mittlerweile gebe es rund 1800 Melkroboter in der Schweiz. Kühe auf Bauernhöfen, die mit diesem Luxus ausgestattet sind, kann die Zeitumstellung zumindest in Sachen Melken also kaltlassen.
Doch Futter brauchen sie trotzdem. «Die Zahl der Fütterungsroboter ist wesentlich geringer und liegt bei zirka 250», sagt der Experte. Für diese Betriebe spiele die Zeitumstellung überhaupt keine Rolle mehr. Der Landwirt muss lediglich die Anlage kontrollieren, reinigen und die Vorratsbehälter befüllen. «Dies erfolgt aber zeitunabhängig im Tagesverlauf.»
Die meisten Säugetiere seien absolute Gewohnheitstiere und hielten sich beim Fressen, Saufen und Ruhen an feste Rhythmen. Schweine seien ein Spezialfall. «Sie haben einen sehr ausgeprägten Rhythmus», sagt Schick. «Als sehr neugierige Tiere lieben sie im Gegensatz zu den Kühen auch die Abwechslung und mögen gerne Beschäftigung.»
Was Schweine nicht so gerne mögen, ist Hunger. Deshalb sei es wichtig, sie sehr regelmässig zu füttern. «Insbesondere in der Schweinemast sind automatische Fütterungsanlagen bereits Stand der Technik.»
Achtung in der Morgendämmerung
Während bei Nutztieren die Zeitumstellung also gut bewältigt werden kann, sieht die Sache bei Wildtieren anders aus. Die Susy Utzinger Stiftung mit Sitz in Kollbrunn warnt in ihrem aktuellen Newsletter die Autofahrer.
«Mit der Zeitumstellung am 31. März verändert sich der Zeitpunkt des Hauptverkehrsaufkommens auf den Strassen», heisst es da. «Insbesondere in der Morgendämmerung muss nun verstärkt damit gerechnet werden, dass Wildtiere die Strassen überqueren.» Deshalb ist während der Umstellungszeit hinter dem Steuer noch grössere Aufmerksamkeit gefragt. Und: Wenn ein Tier die Strasse überquert, folgen meist noch weitere.

Die Zeitumstellung wird seit ihrer Einführung immer wieder kontrovers diskutiert, und Forderungen, sie abzuschaffen, tauchen regelmässig von verschiedenen Seiten auf. Die letzte Initiative für eine solche Abschaffung scheiterte 2020 allerdings bereits im Sammelstadium für die nötigen Unterschriften.
Auch unter Landwirten bleibt die Zeitumstellung ein umstrittenes Thema. «Ein Vorteil ist sicherlich die längere Arbeitszeit bei Tageslicht», sagt Matthias Schick. Ein Nachteil sei aber die notwendige Anpassung an einen veränderten Rhythmus. «Genau wie andere Säugetiere ist der Mensch eben auch ein Gewohnheitstier und mag keine diktierten Veränderungen.»
Einführung der Sommerzeit gegen den Schweizer Volkswillen
In der Nacht vom Samstag, 29. März, auf Sonntag, 30. März, wird die Uhr auf Sommerzeit und damit eine Stunde nach vorne gestellt. In Europa wurde die Sommerzeit 1973 vor dem Hintergrund der Ölkrise das erste Mal eingeführt. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde mehr Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden mit dem Ziel, Energie zu sparen. Die Schweiz stellt die Uhren im Sommer allerdings erst seit 1981 um. Die Einführung der Sommerzeit erfolgte hierzulande, um sich den Nachbarländern anzupassen und nicht zur Zeitinsel zu werden. Damit wurde der Wille des Volks, das 1980 in einer Abstimmung das neue Zeitgesetz abgelehnt hatte, übergangen. (lcm)