Jagdgegner und Jäger treffen in Illnau aufeinander – es bleibt ruhig
«Nur Feiglinge töten Tiere»
Eine Gruppe von Tierrechtsaktivisten von Hunt Watch tauchte am Rande der Generalversammlung der Zürcher Jäger auf. Da trafen unterschiedliche Welten aufeinander.
Welten liegen zwischen den Anschauungen der Menschen, die am Samstagmorgen beim «Rössli» in Illnau aufeinanderprallen. Da etwas mehr als 100 Zürcher Jäger. Dort sechs Tierrechtsaktivistinnen und -aktivisten des Tierschutzvereins Hilfe für Tiere in Not.
Während die einen ab etwa 9 Uhr zur Generalversammlung des Verbands JagdZürich (JZ) eintreffen, rollen die anderen ihre Transparente der Anti-Jagd-Kampagne Hunt Watch aus. «Tiere töten ist ihr Hobby» steht da zu lesen und «Nur Feiglinge töten Tiere».
Ein Unterschied zeigt sich schon in der Sprache: Die Jäger reden nicht von töten. Sie «erlegen» die Tiere. Das Resultat ist dasselbe.
Pferde am Sechseläuten verbieten
Die Stadt Illnau-Effretikon hatte das Gesuch von Tierrechtsaktivist Olivier Bieli für eine «ruhige Mahnwache» bewilligt. Wer ist dieser Mann? Bieli reist an diesem Morgen aus Frankreich an, wo er mit seiner Partnerin einen Gnadenhof für Tiere betreibt. Der Organisator der Aktion arbeitet in Basel zudem als Kantonspolizist.
Über die Region Basel hinaus ist Bieli bekannt, weil er sich seit einigen Jahren gegen den Einsatz von Pferden an der Basler Fasnacht engagiert. Da hat er einen Teilerfolg erzielt. Neue Chaisen – oder Kutschen – mit Pferden werden nicht mehr zugelassen. Vor ein paar Jahren forderte der Tierschützer ein Verbot von Pferden am Zürcher Sechseläuten. Vergeblich. Im Zürcher Zoo hat Bieli auch schon gegen die Haltung von Wildtieren protestiert.
In Illnau ohne Megafon
Hunt Watch tritt erstmals im Umfeld der Generalversammlung der Zürcher Jäger in Erscheinung, wie Bieli bestätigt. In Basel habe man auch schon ein Megafon dabeigehabt. «Weil sich das Lokal in einem Wohnquartier befindet, haben wir uns bewusst für eine ruhige Mahnwache entschieden», sagt Bieli.

Und ruhig ist es denn auch. Es gehört zum Credo von Bieli und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, sich friedlich zu verhalten und den Anlass nicht zu stören. Entspannt bleibt die Situation somit für die beiden Stadtpolizisten, welche die Szenerie vom Rande aus im Auge behalten.
Recht auf Meinungsäusserung
Und was sagen die Jäger zur Aktion der Jagdgegner? «Sie haben das Recht, ihre Meinung kundzutun», sagt Samuel Ramseyer, Vizepräsident von JagdZürich und Verantwortlicher für die Kommunikation. Die Gruppe verhalte sich sehr diskret und störe nicht.
Sie hätten gewusst, dass eine bewilligte Kundgebung stattfinde, sagt Ramseyer. Er kenne Olivier Bieli und die Argumente von Hunt Watch. «Ich weiss auch, dass wir uns in einer Diskussion nicht einig würden.»
«Jäger sind auch Tierschützer»
Den Aktivisten wirft der Zürcher Jäger vor, sie würden die wichtigen Aufgaben der Jagd und der Jäger ausblenden. Diesen gehe es vor allem darum, Lebensräume und bedrohte Tierarten zu schützen sowie Wildschäden zu vermindern. Das Fleisch der erlegten Tiere zu nutzen – die Jäger sprechen von Wildbret –, komme erst an letzter Stelle. «Jäger sind auch Tierschützer», sagt Ramseyer.
Jäger würden mit der Jagd in erster Linie Tierleid verursachen, sagt dagegen Tierrechtsaktivist Bieli von Hunt Watch. Und «die Haltung, wir müssten der Natur zeigen, wie es funktioniert, ist vermessen».