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Hinwil inspiriert sich an Schaffhausen – SBB prüfen Standort

Die SBB prüfen erneut Standorte für eine Serviceanlage im Oberland. Sie haben dafür das Industriegebiet in Hinwil West im Visier.

Die SBB prüfen einen neuen Standort für die Serviceanlage von 2050: Hinwil West.

Foto: Simon Grässle

Hinwil inspiriert sich an Schaffhausen – SBB prüfen Standort

SBB-Serviceanlage im Oberland

Die SBB prüfen für eine Serviceanlage, die bis 2050 errichtet werden soll, erneut Standorte im Oberland. Sie haben dafür das Industriegebiet in Hinwil West im Visier. Die Gemeinde sieht eine Chance – so wie auch Schaffhausen.

Kurz war die Verschnaufpause, die sich das Oberland gönnen durfte. Zwar werden erst in etwa 25 Jahren Nägel mit Köpfen gemacht, doch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) kündigten erneut eine Standortprüfung im Oberland an: Bis 2050 könnte im Industriegebiet Hinwil West eine Serviceanlage entstehen.

Nachdem sich Bubikon gegen eine Fläche von acht Hektaren gewehrt hatte und auch andere Standorte wie etwa der Betzholzkreisel nicht infrage gekommen waren, änderten die SBB ihre Strategie. Statt eine riesige Service- und Abstellanlage wollen sie zwei kleinere Anlagen bauen.

Für die erste Anlage bis 2035 prüfen die SBB den Güterbahnhof in Schaffhausen. Die Stadt an der Landesgrenze sieht im Plan der SBB eine Chance, denn im gleichen Zuge könnte ein vernachlässigtes Quartier aufgewertet werden. Das Areal würde dann in eine Mischnutzung verwandelt, wo gewohnt wird, Gewerbe wirtschaftet und auch die Züge gewartet werden.

Armeelogistikcenter im Fokus

Nun schmieden die SBB bereits Pläne für die zweite Serviceanlage bis 2050. Dass diese sich im Kanton Zürich befinden würde, bestätigten die SBB schon, als es um den Standort Schaffhausen ging. Ebenfalls sprachen die Bundesbahnen oft vom Oberland als wichtigen Standort, weil hier viele S-Bahn-Linien verkehren. Es ist also keine Überraschung, dass die SBB das Oberland erneut unter die Lupe nehmen. Doch der Standort, der jetzt geprüft wird, stand noch nie zur Debatte: Hinwil West.

Die Hinwiler Industrie wird aus einem einfachen Grund neu als Standort berücksichtigt: Weil sich das Konzept geändert hat, wie die SBB auf Anfrage schreiben. Zum einen, weil es zwei kleinere Anlagen werden. Zum anderen, weil der Fokus auf versiegelten Flächen liegt – also bereits asphaltierten Flächen statt Grünflächen wie damals in Bubikon.

Konkret prüfen die SBB das Areal des Armeelogistikcenters. Die Serviceanlage würde als zentralen Teil drei Gleise für je 150 Meter lange Züge beinhalten, auf einer Fläche von rund fünf Hektaren.

Die Grundeigentümerin VBS, vertreten durch Armasuisse Immobilien, sei bereits im Herbst 2024 involviert worden. So soll eine Mehrfachnutzung begutachtet werden, die eine militärische sowie eine zivile Nutzung des Areals ermöglichen soll.

Hinwil nimmt sich ein Beispiel an Schaffhausen

Dass Hinwil ein möglicher Standort sein könnte, komme überraschend und stelle eine Herausforderung dar, teilt der Hinwiler Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP) auf Anfrage mit. Die Gemeinde trage bereits viele Lasten der Allgemeinheit: Der Zweckverband Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (Kezo), der Verkehrsknoten Betzholz, das kantonale Tiefbauamt, ein Postverteilzentrum und das Strassenverkehrsamt sind einige Beispiele.

Im betreffenden Industriegebiet seien bereits zahlreiche andere Bau- und Infrastrukturprojekte hängig, was die Ausgangslage sehr komplex mache – welche diese genau seien, werde der Gemeinderat an einer Informationsveranstaltung am 8. April vorstellen, neu seien diese Projekte für die Bevölkerung nicht.

Jedoch habe der Gemeinderat erreichen können, dass unter der Leitung des Kantons ein kooperativer Planungsprozess erfolge, was im Interesse von Hinwil sei. Das würde der Gemeinde mehr bringen, als wenn Hinwil versuchen würde, die Serviceanlage möglichst zu verhindern. «Dem Gemeinderat ist zudem bewusst, dass die SBB im Fall der Fälle auf ein mächtiges Planungsinstrument zurückgreifen können, um ihr Interesse über diejenigen der Gemeinde hinweg durchzusetzen», schreibt Bühler.

So kommt es also, dass Hinwil auf denselben Zug aufspringt wie Schaffhausen: Ein Quartier soll aufgewertet werden. Der Hinwiler Gemeinderat richtete sein Augenmerk schon seit längerer Zeit auf das betroffene Industriegebiet Wässeri.

Es soll zu einem lebendigen Industrie- und Gewerbequartier. So steht es zumindest im Leitbild 2040 geschrieben, das schon seit 2011 gilt. Dabei seien dem Gemeinderat eine neue S-Bahn-Haltestelle in der Wässeri und eine Verdichtung des Fahrplans vordringliche Anliegen.

«Dafür kann man die SBB loben»

Der Gemeindepräsident sieht in den Hinwil-West-Plänen neue Möglichkeiten. Damit ist er nicht allein. Auch der ehemalige Verkehrsplaner und Ustermer Gemeinderat Paul Stopper (BPU) ist mit dieser Entwicklung zufrieden: «Für diese Planung kann man die SBB wirklich loben.»

Er habe schon damals bei der Bubikon-Debatte Studien durchgeführt und Hinwil als möglichen Standort vorgeschlagen. «Die Gemeinde kann so das Beste herausholen. Ausserdem ist es äusserst erfreulich, dass sich die SBB um eine versiegelte Fläche bemühen, statt wie in Bubikon eine Landwirtschaftsfläche nutzen zu wollen.»

Stopper sieht noch andere Vorteile in Hinwil. Eines seiner Anliegen sei schon immer gewesen, dass die Kezo einen Gleisanschluss erhalte, um den Strassenverkehr zu entlasten. Dies sei nun in die weiteren Planungen miteinzubeziehen. «Ein Teil des vor Jahrzehnten gebauten, jedoch nie benützten Kezo-Gleisanschlusses besteht immer noch. Es fehlt nur noch ein relativ kleines Reststück.»

Für den ehemaligen Verkehrsplaner ist klar, dass diese Lösung «verhebet» und eine viel bessere Variante darstellt als die bisher geprüften Standorte. «Aber ohne das mutige Oberland wäre dies gar nicht möglich gewesen.» Doch wie es dann tatsächlich kommt, wird sich in zwei Jahrzehnten zeigen.

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