Kanton erteilt dem Pfäffiker Seebistro eine Absage
Zurück auf Feld eins
Der nächste Tiefschlag für Gastronom Andreas Brüllmann: Der Kanton schiebt den Plänen für das neue Seebistro am Pfäffiker Seequai einen Riegel vor.
«Also beginnen wir wieder von vorne», sagt Andreas Brüllmann und seufzt. «Und wieder arbeiten wir etwas aus, von dem wir nicht wissen, ob es am Ende bewilligt wird.»
Damit hat der Bierbrauer aus Tagelswangen und Inhaber der Brüll!Bier’s Garten AG mittlerweile leidvolle Erfahrungen gemacht. Nachdem sein «Biergarten» am Pfäffiker Seequai Ende 2020 hatte schliessen müssen, übernahm er 2021 die Pacht für das Seebistro. Die Gemeinde hatte damals jemanden gesucht, der bereit war, in den Standort zu investieren, namentlich ein neues Bistro zu bauen.
>> Lesen Sie hier, was bisher im Streit um das Bistro am Pfäffiker Seequai passiert ist.
Wie viel Geld Brüllmann mittlerweile «investiert» hat, ohne dass ein Neubau entstand, will er nicht genau beziffern. «Aber jede Runde verschlingt Geld für Gutachten, Architekten und Anwälte im Wert eines Autos.» Jede Runde – gemeint ist jedes neue Bauvorhaben, das er in den vergangenen fünf Jahren ausgearbeitet hat.
Das erste Projekt für den neuen «Seegarten» endete vor Baurekursgericht und scheiterte an den Ansprüchen der Nachbarn. Der zuständige Richter hatte bei einer Begehung vor Ort unter anderem ein fehlendes Parkierungskonzept sowie die fehlende WC-Anlage für Restaurantgäste kritisiert. Die Gäste hätten die öffentliche Toilette der Gemeinde nutzen müssen.
«Gummige» Formulierungen
Und auch das zweite Projekt samt WC-Anlage und besserem Lärmkonzept ist nun gescheitert. Im letzten Sommer lag es öffentlich auf, Brüllmann hoffte auf eine Baubewilligung im Herbst. Doch das Vorhaben stiess beim Amt für Raumentwicklung nicht auf Gegenliebe.
Das Grundstück befindet sich im Perimeter des Inventars der schutzwürdigen Ortsbilder von überkommunaler Bedeutung. «Aufgrund der besonderen Lage erfolgt das Bauverfahren koordiniert zwischen Gemeinde und Kanton, wobei jedes der beiden Gemeinwesen unterschiedliche Punkte beurteilt», erklärt der Pfäffiker Gemeindeschreiber Daniel Beckmann.

Im Bericht der Baudirektion ist unter anderem zu lesen: «Der architektonische Ausdruck des Gebäudes entspricht nicht den erhöhten Anforderungen, welche an die Gestaltung von Gebäuden innerhalb geschützter Ortsbilder gestellt werden. Der grosse Gebäudekörper zusammen mit der geschlossenen Fassadengestaltung lässt den Baukörper an diesem wichtigen Ort an der Seepromenade als Barriere erscheinen.»
Der Kanton habe bezüglich der Vorgaben zum Ortsbildschutz eine Verweigerung ausgesprochen. «Dies führte dann unweigerlich dazu, dass die kommunale Baubehörde das Baugesuch nicht bewilligt», sagt Beckmann. Darum wurden auch die Bauvisiere am Seequai entfernt, welche die Dimensionen des Vorhabens aufgezeigt hatten.
WC als Knackpunkt
Bereits im Herbst habe der Kanton seinen Entscheid mitgeteilt. «Wir haben aber das Verfahren noch weitergezogen und versucht, genauere Informationen über die Gründe der Abweisung zu erhalten», sagt Brüllmann, «in der Hoffnung, das Projekt noch anpassen zu können – in der Antwort des Kantons war alles sehr ‹gummig› formuliert.»
Zwar habe es noch Zusatzinfos gegeben, doch diese seien ebenfalls wenig ermutigend gewesen. «Plötzlich verlangte man von uns, etwa den Baukörper wie ein Aquarium mit Fensterfronten zu versehen oder die Baukörperbreite von 22 auf 16 Meter zurückzustutzen», sagt Brüllmann. «Viele zusätzliche Forderungen, die beim ersten Projekt noch nicht nötig waren.»
Dazu kommt: Im Dezember hatte der Pfäffiker Souverän an der Gemeindeversammlung den Posten für den Neubau der öffentlichen WC-Anlage beim Seequai aus dem Budget 2025 gestrichen. Bei diesem Projekt hätten die Gemeinde und Andreas Brüllmann Synergien nutzen wollen. Geplant war, Toilettenanlage und Seebistro an einer Wand zusammenzubauen.

«Also muss auf demselben Grundstück wieder Platz für zwei einzelne Gebäude gefunden werden, inklusive des nötigen Abstands.» Damit wird die verfügbare Fläche für ein Restaurant immer kleiner. «Und dies bei steigenden Forderungen, was alles reingepackt werden soll.»
Rentabler Betrieb auf kleiner Fläche?
Für das neue, mittlerweile dritte Bauprojekt, das Brüllmann nun ausarbeiten muss, kann er bis auf das Gastrokonzept darum kaum etwas übernehmen. Er sei trotzdem nach wie vor entschlossen, ein neues Seebistro in Pfäffikon zu erstellen. «Die Nachfrage aus der Bevölkerung ist unbestritten.»
Der Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Pfäffikon und Brüllmann läuft bis Ende 2028 – mit Aussicht auf Verlängerung. Wird das dritte Projekt von Erfolg gekrönt, dürfte es frühestens in drei Jahren so weit sein, dass das neue Seebistro steht – Bauzeit inklusive. Vorerst bleibt es somit bei «Brüll!Bier’s Garten», dem grünen Gastrocontainer mit einem beschränkten Food- und Getränkeangebot in den warmen Monaten.



«Der zwischen den Parteien geschlossene Pachtvertrag hat zum Ziel, dass auf der betreffenden Parzelle ein attraktiver Restaurationsbetrieb geführt wird», sagt Gemeindeschreiber Daniel Beckmann. «An dieser Zielsetzung will der Gemeinderat festhalten.»
Das weitere Vorgehen bezüglich Sanierung der WC-Anlage hänge vom Ausgang von nun geführten internen Gesprächen ab. Die Streichung des betreffenden Budgetpostens hat dazu geführt, dass dieses Jahr kein Geld für eine weitere Planung oder Realisierung des Neubaus der Anlage budgetiert ist. «Dementsprechend kann also zumindest im laufenden Jahr nicht weitergeplant oder gebaut werden.»
Derweil sollte in den nächsten Wochen klar werden, ob sich ein Betrieb des neuen Bistros auf der verknappten Fläche überhaupt noch lohnen kann. Die bisher geplanten 70 Innen- und 112 Aussenplätze bleiben ein Wunschtraum. «Vielleicht kommen wir irgendwann zum Schluss, dass es kein Projekt geben wird, das von allen Seiten akzeptiert und dennoch rentabel ist», sagt Andreas Brüllmann. «Aber so weit sind wir noch nicht.»