Bevölkerung wehrt sich gegen die Schliessung der Schule Unterbach
Grosser Widerstand in Hinwil
Das Schulhaus sei laut der Schulpflege Hinwil finanziell nicht mehr tragbar und soll nächsten Sommer geschlossen werden. Das sehen die Anwohner anders.
Im Sommer 2026 ist Schluss. Das Schulhaus Unterbach unterhalb des Bachtels soll dann auf Ende des Schuljahrs für immer seine Türen schliessen müssen. Das machte die Schulpflege Hinwil Anfang Januar bekannt.
Mit dieser Nachricht haben die Einwohner der Aussenwacht nicht gerechnet. Es ist ein Schock für betroffene Eltern und Schülerinnen und Schüler. Der 43-jährige Philipp Weber ist an der Unterbachstrasse aufgewachsen und ging als Kind selber in die Schule Unterbach. Für ihn ist eine Schliessung unvorstellbar.
Ebenso für Heinz Egli. Der heute 60-Jährige wohnt gleich vis-à-vis vom Schulhaus und verfolgt die Schule schon sein Leben lang. Früher war er während knapp acht Jahren in der Schulpflege im Ressort Sonderpädagogik tätig. Auch er ging als kleiner Bub in Unterbach zur Schule – seine drei Töchter ebenfalls.
Sie sind mit dem Entscheid der Schulpflege nicht einverstanden und wehren sich mit anderen Betroffenen und Eltern als Interessengemeinschaft (IG) Schule Unterbach gegen das Vorhaben. Die IG erstellte eine eigene Webseite, kreierte eine Videobotschaft und lancierte eine Petition gegen die geplante Schulschliessung.
Ihr Ziel ist es, auf die Schulpflege Druck zu machen und aufzuzeigen, wie viele Menschen hinter dieser Schule stehen. «Am Schluss geht es uns nicht darum, zu sagen, dass wir gewonnen haben», meint Egli. «Es geht erstens um unsere Kinder, zweitens darum, dass die Aussenwacht Unterbach gesund bleibt, und drittens darum, dass der Steuerzahler nicht noch mehr für die Schule Hinwil zahlen muss.»
Knapp 800 Unterschriften (Stand: 28. Februar 2025) haben sie bereits gesammelt. Das Ziel sind 1000. Befürworter kommentieren die Petition mit Aussagen wie «Die Schule Unterbach ist wie ein Herz. Wenn das Herz nicht mehr schlägt, ist man tot. So wäre es auch mit der Schule. Nur ist es kein medizinisches Problem, sondern von Menschenhand gemacht» oder «Es ist nicht nur eine Schule, sondern eine Lebensschule».
Finanziell nicht mehr tragbar – oder doch?
Die Schulpflege begründet die Schliessung vor allem damit, dass eine notwendige Sanierung des alten Gebäudes für die Gemeinde nicht mehr tragbar sei. «Der Beschluss wurde nach einer mehrmonatigen Analysephase und unter sorgfältiger Abwägung verschiedener Faktoren gefasst», schreibt Schulpräsident Thomas Ludescher (parteilos) in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die IG ist da anderer Meinung. Sie glaubt, dass die Schulschliessung langfristig gesehen sogar mehr kosten würde, als wenn die Schule erhalten bleibe. Dies beispielsweise wegen der Transportkosten. «Die Neuanschaffung von einem zusätzlichen Schulbus für die hier wohnhaften Schülerinnen und Schüler kostet immens Geld», weiss Egli.
«Für die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen sind Schulen in Aussenwachten wegen ihrem überschaubaren Rahmen prädestiniert und sparen somit im Gesamtschulbetrieb viel Geld», meint Egli weiter. Ausserdem würde laut ihren Berechnungen ein sinkender Liegenschaftswert zu Mindereinnahmen bei Steuern führen.
Dazu kommt das Bevölkerungswachstum, auf das sich die IG in ihrer Argumentation stützt. Sie ist überzeugt, dass der Gemeinde Hinwil mittelfristig Schulraum fehlt. «Wir verstehen nicht, wieso man wertvollen, standortgerechten Schulraum in einer Aussenwacht abbaut und zugleich neuen, teuren Schulraum plant», sagt Egli.
Ausserdem glaubt die IG, dass mit einer Schulschliessung eine Überalterung in der Aussenwacht entstünde, die das Leben im Weiler Unterbach nachhaltig schwächen würde. «Der Ort wäre ohne diese Schule nicht mehr derselbe», meint Philipp Weber.
Rekurs eingereicht
Nebst der Petition und dem Widerstand der IG wurde gegen den Beschluss der Schule Hinwil beim Bezirksrat ein Rekurs eingereicht. Den Eingang bestätigt der Bezirksrat Hinwil auf Anfrage. Mit einem Entscheid könne man im besten Fall bis Mitte Jahr rechnen, wenn es keine Verzögerungen gibt.
Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann die Schulpflege zu den einzelnen Vorwürfen und Behauptungen der IG keine Stellungnahme abgeben, wie diese in einer Mitteilung schreibt.
Die Schulpflege betrachte den Dialog mit der IG Unterbach aber weiterhin als äusserst wichtig. «Die Schulpflege ist sich bewusst, dass die Schliessung eines Schulhauses weitreichende Auswirkungen hat und bei verschiedenen Anspruchsgruppen Fragen und Bedenken auslöst», schreibt Ludescher. Sie seien bestrebt, diesen Prozess transparent zu gestalten und die betroffenen Familien bestmöglich zu begleiten.
Obwohl sich einige Vertreter der IG schon mehrmals mit der Schulpflege getroffen hat, vermisst Egli den offenen und ehrlichen Austausch. «Der Entscheid scheint vonseiten der Schule bereits in Stein gemeisselt zu sein», sagt er. Trotzdem hofft die IG noch auf ein Entgegenkommen der Schulpflege. «Wir wären auch bereit, Kompromisse einzugehen», sagt Egli. «Es geht um das Wohl der Kinder – wir brauchen keine elektronischen Wandtafeln.»
Das Wohl der Schüler steht auch für den Leiter Bildung, Riccardo Rizza, an oberster Stelle. Für ihn ist klar: «Wir müssen unbedingt mit der IG im Dialog bleiben. Denn verhärten sich die Fronten weiter, wird es immer schwieriger für die Schülerinnen und Schüler.»