Radio 15 aus Uster feiert 10-Jahr-Jubiläum – und muss umziehen
Aus dem Keller zur Sensation
Über eine Million Hörerinnen und Hörer verfolgten im letzten Jahr den Radiosender des Ustermers Mathias Betschart. Zwar muss er nach zehn Jahren sein Studio verlassen, doch es soll weitergehen – noch lange.
«Mein Motto ist es, im Leben mehr zu lachen als zu weinen», erklärt Mathias Betschart. «Betschi», wie er sich selber nennt, sitzt auf dem Sofa in seinem Radiostudio in Uster.
Während der zehnjährigen Laufzeit seines Internetsenders Radio 15 hat der Ustermer beides erlebt: «Ich habe gelacht und geweint, etwas in der Mitte gab es oftmals nicht.» Doch nun, zum 10-Jahr-Jubiläum, blickt er stolz auf seine Vergangenheit zurück. Und das zu Recht. Seit zwei Jahren ist Radio 15 das grösste Internetradio der Schweiz.
Obwohl es bei diesem Treffen um seinen Radiosender geht, hört man ihn im Hintergrund nur leise, während Betschart von seiner Moderatorenkarriere erzählt. Vor zehn Jahren startete seine Reise in einem Keller, und auch jetzt herrscht wieder Aufbruchsstimmung.
Wenn die Radiomusik nicht passt
Damals beschloss Betschi, dass er genug von Radiosendern hat. «Jeden Tag läuft immer die gleiche Musik – das konnte ich nicht mehr hören.» In seiner alten Firma habe er eine Strichliste geführt, wie oft jeder Song gelaufen sei.
Trotz diesem Verdruss über die Radiomusik liebte Betschart das Musizieren. Doch obwohl er mehrere Anfragen bei Radiosendern einreichte, wollte niemand seine Musik spielen. Kurzerhand beschloss er, mit sechs Kollegen einen eigenen Radiosender zu starten. Rückblickend spricht er von einer Bieridee, einer Bieridee mit Erfolg.
Bei seinem eigenen Radiosender kann der Ustermer die Musik selber bestimmen und hat es sich zum Ziel gesetzt, junge Künstler zu unterstützen. «Jeder startet mal klein.»
Neben den jungen Talenten lockte Betschi aber auch grosse Namen wie Bligg, Baschi oder den amtierenden FCZ-Präsidenten Ancillo Canepa vor das Mikrofon.

Zu Beginn dachte der Ustermer nicht, dass sein Radio zehn Jahre Bestand haben würde. «Ich habe einfach immer weitergemacht – Schritt für Schritt», erzählt er. Und auch jetzt schaut der Moderator noch nicht Jahre in die Zukunft.
«Ich plane momentan dieses Jahr, mein Jubiläumsjahr.» Um das zu feiern, blickt der Ustermer im April auf die vergangene Zeit zurück. Er habe im Archiv gegraben und lasse während dieses Monats alte Interviews laufen.
Trotz dem Rückblick auf alte Sendungen blickt Betschart jedoch auch nach vorne. «Das ist ein geiler Job, der Spass macht – ich freue mich auch auf die nächsten Jahre.» Zuerst steht jedoch ein Umbruch an. Denn der Sender muss umziehen.
Sendet Radio 15 bald aus Wetzikon?
Den derzeitigen Sendeplatz in Uster muss Betschart wegen eines Umbaus verlassen. Betschis Blick für sein neues Zuhause richtet sich dabei auf Wetzikon. Allerdings fehlt derzeit noch das Geld für das neue Studio. Seit Kurzem läuft darum ein Crowdfunding für die Finanzierung. Bisher sind schon gut 30 Prozent der erhofften 5000 Franken zusammengekommen.
Falls Betschart keinen Raum findet oder die Finanzierung nicht klappt, steht zumindest ein kleiner Ausweichraum bereit, sodass der Sendebetrieb ohne Unterbruch weiterlaufen kann.
Im neuen Studio wolle er neben dem Sender auch eine Bar und eine kleine Bühne haben, erklärt der Radiomacher. So könnten Künstler nach ihrem Interview noch ein wenig jammen, oder es könne mal ein Stand-up-Comedy-Auftritt stattfinden. An Ideen für die nächsten zehn Jahren fehlt es dem gebürtigen Schwyzer nicht – und auch nicht an Zuhörern.
Denn im Jahr 2024 verzeichnete der Sender Rekordzahlen. Betschi erreichte ein Publikum von über einer Million Hörerinnen und Hörern. Die meisten von ihnen stammen aus der Schweiz. Überraschenderweise liegen jedoch die USA mit 28 Prozent auf Platz zwei. Betschart beruft sich dabei auf Daten von verschiedenen Plattformen, über die der Sender empfangen werden kann – darunter Radio.de, Swisscom TV, Onlineradiobox, Radiome.ch und Radio-Online.
E-Mails aus Las Vegas, Kalifornien und New York
Die Hörerinnen und Hörer aus den USA seien nicht ausgewanderte Schweizerinnen und Schweizer, sondern Amerikanerinnen und Amerikaner. «Als ich plötzlich englischsprachige E-Mails erhalten habe, habe ich nachgefragt und geschrieben: ‹Ihr versteht doch die Moderation nicht.› Dann kam die Antwort: ‹Ist doch egal, die Musik ist gut!›»
Während also immer weniger Personen Radio hören, verzeichnet Betschart einen Zuwachs. Auch andere Moderatoren hätten schon nachgefragt, wie er das mache. Seine Antwort sei immer die gleiche: «Ich mache das mit Liebe und Herzblut.»

Nun heisst es für Mathias Betschart aber zusammenpacken. Die kommende Jubiläumssendung soll bereits aus dem neuen Studio laufen. Einen Teil des Inventars hat er schon verpackt.
Doch das Moderationspult, von dem er mit einem Programm, welches normalerweise DJs benutzen, seine Sendung leitet, steht noch.
Sein zweites Jahrzehnt startet er von einem neuen Ort. Und wenn es für den Ustermer Moderator im gleichen Masse weitergeht, wird er wohl getreu seinem Motto noch viel zu lachen und wenig zu weinen haben.