So soll Wetzikon 2050 aussehen – und so nicht
Bevölkerung bestimmt mit
Wetzikerinnen und Wetziker konnten am Mittwochabend ihre Meinung zur Zukunft der Stadt einbringen. Der Saal war voll, nur der Nachwuchs fehlte.
Wetzikon wächst. In 25 Jahren leben Schätzungen zufolge 8000 Menschen mehr in der Oberländer Stadt. Höchste Zeit also, sich mit diesem Wachstum auseinanderzusetzen. An einem von der Stadt organisierten Workshop konnten sich Einwohner mit dem Thema befassen. Der Saal war gut besetzt, nur der Nachwuchs fehlte. Doch dazu später mehr.
Seit letztem Frühjahr ist die Ortsplanungsrevision in Wetzikon im Gange. Dabei wird die räumliche Entwicklung der Stadt für die nächsten Jahre festgelegt. Neben verschiedenen Dialogveranstaltungen im letzten Jahr, einer neu erarbeiteten Mobilitätsstrategie und einer Onlineumfrage werden in diesem Jahr verschiedene Workshops durchgeführt. Für den ersten versammelten sich über 100 Leute am Mittwochabend zum Denksport in der alten Turnhalle in Wetzikon.
Mehrere Zentren und kürzere Wege
Als Vorbereitung für diesen Abend hatte die Stadt einen ersten groben Entwurf eines Zielbilds 2050 erarbeitet und dem Publikum vorgestellt. Wichtige Erkenntnisse dabei waren zum Beispiel, dass Wetzikon die regionale Bedeutung als Wohn-, Arbeits- und Bildungsstandort aufrechterhalten soll. Im Jahr 2050 soll es zudem kürzere Wege geben, was im besten Fall den Verkehr vermindert.
Das Wachstum soll gezielt gesteuert werden und entlang der Bahnhofstrasse verlaufen. Weiter wurde dem Publikum vorgestellt, dass Grünräume erhalten und verbessert, die Zugänge zur umgebenden Landschaft erleichtert und Wohnquartiere weiterentwickelt werden. Ausserdem soll es auch noch 2050 verschiedene Stadtzentren in Wetzikon geben. So wie heute in Ober- und Unterwetzikon.

Nach der Vorstellung durch die Stadt waren die Teilnehmer an der Reihe. Was passt denn nun an diesem Zielbild, was muss noch ergänzt werden, und welche Punkte müssen bei der weiteren Bearbeitung beachtet werden? Durch die Mithilfe der Bevölkerung möchte die Stadt herausfinden, wo die Anforderungen und die Bedürfnisse der Einwohner liegen.

Mit vielen Punkten der Vision der Stadt waren die Anwesenden einverstanden. Sie würden es zum Beispiel schätzen, dass die verschiedenen Quartiere und mehrere Zentren erhalten bleiben sollen. Ausserdem sind der Bevölkerung genauso wie der Stadt die Landschaft und der Erholungsraum an Gewässern sehr wichtig.
Trotz vielen positiven Rückmeldungen kamen auch einige Vorschläge zusammen, die in der Vision der Stadt noch fehlen. So wünschen sich Wetzikerinnen und Wetziker einen sanfteren Übergang von Industriegebieten zu Naturschutzgebieten. Zudem fragten sich einige Teilnehmer, ob Einfamilienhäuser noch zeitgemäss sind oder ob sie die Möglichkeit zur Verdichtung hemmen.
Junge sollen Zukunft anpacken
Einige Teilnehmer vermissen einen «Bahnpark», der als Vernetzung für die Natur und die Menschen entlang der Bahnlinie dienen soll. Ausserdem verlangen einige neben den bestehenden noch mehr öffentliche Begegnungszonen und Freiräume. Dies zum Beispiel beim Bahnhof Kempten oder beim Feuerwehrgebäude.
Ein weiterer Wunsch aus dem Publikum: Stimmen von Personen unter 30 Jahren abholen. Obwohl die Veranstaltung an diesem Mittwochabend gut besucht war, fehlten junge Gesichter. «Genau sie sollen doch mitbestimmen, wie das zukünftige Wetzikon aussehen soll», sagte ein Teilnehmer. «Die Mehrheit in diesem Saal wird 2050 gar nicht mehr erleben», meinte er schmunzelnd.
Und doch finden sich ein paar wenige junge Leute im Publikum. Was sind ihre Beweggründe, sich an ihrem freien Abend mit der Zukunft von Wetzikon zu beschäftigen? Wir haben nachgefragt.
David Hassani, 33 Jahre

«Ich wohne seit zehn Jahren in Wetzikon und werde auch in Zukunft hierbleiben. Deswegen interessiert es mich, wie sich die Stadt in nächster Zeit entwickeln wird. Ausserdem möchte ich meine Ideen einbringen und mich für meinen Wohnort engagieren. Ich finde es spannend, herauszufinden, was in einem Stadtentwicklungsprozess gut funktioniert und was man noch besser machen kann.»
Jana Cadonau, 26 Jahre

«Für mich ist es zwar eher ein Pflichtanlass, da ich im Wetziker Parlament bin. Ich finde es aber dennoch wichtig, dass man an solche Anlässe geht. Es ist spannend, zu sehen, wie sich Wetzikon entwickelt. Beim vorgestellten Zielbild passt schon sehr vieles meiner Meinung nach.»
Joel Teuscher, 24 Jahre
«Schon mein ganzes Leben lang wohne ich in Wetzikon. Ich bin hier aufgewachsen und möchte auch gerne in Zukunft hier leben. Darum ist es mir ein grosses Anliegen, mitreden zu können und mitzuentscheiden, wie die Stadt in ein paar Jahren aussehen wird. Ich schätze es sehr, dass die Bevölkerung in diesen Prozess der Ortsplanungsrevision einbezogen wird.»
Andreas Wolfensberger, 36 Jahre

«Ich bin hier aufgewachsen und Geschäftsführer der Wetziker DT Druck-Team AG. Darum interessiert mich die Entwicklung von Wetzikon. In der Vergangenheit ist meiner Meinung nach nicht immer alles richtig gelaufen, was das Bevölkerungswachstum angeht. Ich bringe mich gerne ein und finde es gut, dass die Bevölkerung in den Prozess integriert wird.»
Weitere Workshops zur Wetziker Ortsplanungsrevision sind geplant. Am 2. April findet ein Anlass zum Thema «Mobilität» und am 16. Juni die Vertiefung zum Thema «Siedlung und Freiraum» statt. Anmelden können sich Interessierte über die Website vielsichtig.wetzikon.ch. Und wer weiss, vielleicht packt es den einen oder anderen U30-Einwohner von Wetzikon ja doch noch, mitzumachen.