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Gesellschaft

Google Maps kennt die Oberländer Schleichwege besser als gedacht

Die Grütstrasse in Gossau ist für zwei Jahre unterbrochen. Nicht nur über Umleitungen sondern auch Feldwege kommt man ans Ziel.

Dass man in der Nähe von Grüningen von diesem Standort aus über die rechte Abzweigung nach Gossau gelangt, ist kaum zu glauben.

Foto: Simon Grässle

Google Maps kennt die Oberländer Schleichwege besser als gedacht

Doch keine Irrwege?

In und rund um Gossau gibt es seit Montag diverse Umleitungen. Wer den signalisierten Strecken nicht folgen will, darf mit Vorsicht den Service von Google Maps in Anspruch nehmen.

Die Grütstrasse als Gossauer Hauptverkehrsachse ist seit dieser Woche auf einer Strecke von rund 500 Metern für fast zwei Jahre gesperrt. Der bisherige Verkehrsknotenpunkt muss mehrheitlich umfahren werden.

Die Umleitungen sind signalisiert. Doch nicht alle folgen den Schildern – sondern vertrauen auf Kartendienste wie Google Maps. Wir sind durch die Region gefahren und konnten feststellen: Selbst wer signalisierte Umleitungen bewusst oder unbewusst missachtet, kommt mithilfe von Google Maps ans Ziel – wenn auch nicht über asphaltierte Strassen. Und vor allem: Nicht jede Umleitung ist nötig. Dem Instinkt zu folgen oder auf das Glück zu vertrauen, ist dafür weniger empfehlenswert.

Szenario 1

Von Oetwil nach Aathal über Umwege durch Gossau? Gemäss Google Maps kein Problem. Die Navigation führt von Oetwil über die Leerütistrasse, eine Hauptstrasse, bis kurz vor das Gossauer Zentrum.

Über den Hulk-Kreisel von der Grütstrasse her sollen die Autolenker nach rechts in die Haldenstrasse abbiegen. Von dort aus geht es nach einer kurzen Passage weiter in die Austrasse, über die Bergstrasse und dann in die Laufenbachstrasse. Und schon befindet man sich auf dem befahrbaren Teil der Grütstrasse.

Ein Kreisel mit einer Hulk-Figur.
Das Verbotsschild in Richtung des Gossauer Zentrums ist etwas verwirrend. Über 75 Meter darf man nämlich noch weiterfahren.

So weit, so gut. Es gibt da nur ein Problem: Hier ist ein nicht ganz unbedeutendes Hindernis. Die Grütstrasse ist bereits ab dem Hulk-Kreisel gesperrt. Somit ist die ganze Ausweichroute also hinfällig.

Stimmt gar nicht! Die Verbotstafel, die seit dem Baustellenbeginn auf Google Maps signalisiert wird, ist zu gross. Auch die echte Tafel signalisiert ein Fahrverbot, aber erst ab 75 Metern. Die Durchfahrt über den Kreisel bis in die Haldenstrasse ist gewährt. Wehe dem, der nicht ortskundig ist. Und wehe dem, der das «Kleingedruckte» nicht liest.

Ein Screenshot einer Strasse mit Verzweigungen.
Ab dem Hulk-Kreisel ist ein Absperrschild angebracht. Allerdings ist die Weiterfahrt bis in die nächste Nebenstrasse doch noch möglich.

Szenario 2

Wir sind in Hombrechtikon und wollen nach Gossau. Auf dem Weg plagen uns starke Kopfschmerzen. Wir fahren in Richtung Grüningen. Nein, zu dieser Zeit irgendwie nicht vorstellbar, dass hier eine Apotheke geöffnet hat. Wir halten an der Ortsgrenze kurz an und finden im Internet die nächste Dorfapotheke in Gossau.

Wir geben «Grütstrasse 49» ins Navi ein, werden über die Esslingerstrasse, kurz über die Leewaldstrasse und dann über die unscheinbare Abzweigung in die Tägernaustrasse geleitet. Erste Verwirrung.

Eine Karte eines Navi.
Die Information, dass es nicht geradeaus, sondern über den Feldweg Roggesbüel weitergeht, ist bei der ersten Fahrt eine Sache des Vertrauens.

Es handelt sich um einen Feldweg namens Roggesbüel, der direkt an einem Bauernhof und Pferdegattern vorbeiführt. Wollen wir hier wirklich weiter? Na ja, wir vertrauen auf das Navi und versuchen es.

Plötzlich fahren wir durch einen Wald. Vom Trampelpfad weist uns das Navi dann plötzlich doch nicht in den kleinen, sichtbaren Weiler, sondern lotst uns nach rechts über einen Feldweg, der so aussieht, als diene er nur Spaziergängern, Reitern oder kleineren Traktoren.

Wenn wir keine Ahnung von der Grossbaustelle hätten, würde uns die Streckenführung wohl nur verwirren. Aber ja, weiter auf dem holprigen Feldweg, weiter auf die Bühlstrasse.

Zum Glück fahren wir keinen Lastwagen, ansonsten dürften wir jetzt nicht mehr weiterfahren. Dabei wollen wir doch nur zu dieser Apotheke! Zudem ist die Strasse so schmal, dass sie als Einwegstrasse klassifiziert werden müsste – aber nein, uns kommen Fahrzeuge entgegen. In diesem Zustand sind wir nervlich etwas gefordert.

Ein Dorfzentrum mit vielen Baustellenabsperrungen.
Mittlerweile ist der Zugang zu einem gewissen Teil des Gossauer Zentrums stärker erschwert. Die Dorfapotheke liefert allerdings auch aus.

Und da die Rettung! Wir sehen die Ortstafel Gossau und sind auf die Austrasse gelangt. Das sieht nach Gossau aus, alles in Ordnung, wir rollen ins Zentrum. Überall Verbotstafeln!

Wir sehen das rettende grüne Kreuz der Apotheke, aber dürfen nicht halten. Noch mehr Kopfschmerzen! Immerhin können wir wohl im Migros-Parkhaus den Wagen abstellen. Unsere Batterien, zumindest die nervlichen, sind langsam leer. Gleiches gilt für den Handy-Akku.

Wir sind auf Hilfe angewiesen. Ach, da steht eine freundliche Verkehrslotsin. Mittlerweile haben wir die Tabletten geholt. Hoffentlich sind sie so gut wie die Empfehlungen von Google Maps.

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