Ein Streifzug mit Kurt Bosshard durch Turbenthal
Ein Turbenthaler Original blickt zurück
Kurt Bosshard nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch sein Quartier in Turbenthal – und erzählt uns von seiner Kindheit auf dem Lettenberg.
Kurt Bosshard weiss, wie sich Turbenthal in den letzten Jahren verändert hat. Das zeigt er bei einem Streifzug Ende 2024 durch sein Wohnquartier.
Bosshard, der dieses Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, wohnt seit gut 20 Jahren an der Schulstrasse in einem Mehrfamilienhaus, und so kann er quasi täglich auf seine Jugendzeit blicken.
Gleich gegenüber ist die längst vertraute Überbauung Am Chueribuck mit den Doppeleinfamilienhäusern und der 1986 erbauten Reihenhausgesamtüberbauung. «Hier sind wir als Kinder Ski gefahren», erzählt Bosshard. Aus seiner Schilderung spürt man den Spass heraus, den die Kinder damals hatten, auch wenn sie mit den Skiern bis zum Waldrand hinaufsteigen mussten.
Platz machen für die Migros
In der Nachbarschaft befindet sich auch eine schon lange bestehende Autogarage, in der ab und zu der Geschäftsführer wechselte. Die Gebäudeform verrät, dass es einst ein Bauernhof war. Kurt Bosshard erzählt: «Hier hat ein Paul Schneider gewohnt, den man Kohlen-Schneider nannte.»
Weshalb, wisse er nicht mehr, fügt er entschuldigend hinzu. Ein Blick in das Telefonbuch von 1948 verrät es: Es gab hier eine Kohlenhandlung. Uns lockt jedoch das Migros-Areal, denn da hat der Rentner einige Kinderjahre verbracht.


Der Grossverteiler kam in den 1960er Jahren nach Turbenthal, anfangs stand der Selbstbedienungsladen auf dem jetzigen Parkplatz. Für den Geschäftsbau mussten vorher Häuser weichen, darunter etwa Albert Eggs Möbelschreinerei.
Spielmöglichkeiten rundum
In der Nähe des Kanals hat Kurt Bosshard mit seiner Mutter und den Geschwistern ein paar Kinderjahre verbracht. In einem Haus von Sepp Braun, es hatte zwei Wohnungen. An dessen Stelle befindet sich heute die Verbindungsstrasse vom Eskimo-Areal zum Gemeindehaus.

Diese wurde erst 1964 in Betrieb genommen, so gab es rund um die damals noch bestehenden alten Häuser eine Menge Spielmöglichkeiten. Der 80-Jährige erinnert daran, dass im Stickerei-Gebäude noch gearbeitet wurde, erst seit 2012 ist es ein Wohn- und Geschäftshaus.
Davor – zur Bahnhofstrasse hin – richteten 1975 die beiden ortsansässigen Textilunternehmen in einem Wohnhaus die erste Kinderkrippe in der Gemeinde ein.
Diese wurde nachfolgend in einen Kinderhort umgewandelt und hat den Standort schon längst an der Schulstrasse.
Vom Lettenberg ins Tal hinunter
Wie Kurt Bosshard gibt es viele Turbenthalerinnen und Turbenthaler, die diese Veränderungen miterlebt haben. Er selber wurde am 3. Januar 1945 auf dem Lettenberg geboren und besuchte von da den Kindergarten und die Primarschule in Zell. «Im Lettenberg waren fast nur Landwirte wohnhaft, es war eine schöne Zeit», resümiert er.
Die Bauernhöfe boten sich zum Spielen an. Als er elf Jahre alt war, zügelte die geschiedene Mutter mit den Kindern nach Turbenthal in den zuvor erwähnten Hausteil von Sepp Braun. Später folgte ein weiterer Umzug an die Sonnenbergstrasse. Nach der Schulzeit absolvierte Kurt Bosshard bei der Firma Sulzer die vierjährige Lehre als Bohrwerkdreher.
Es folgte ein Abstecher nach Wila, wo er ab 1973 mit seiner Familie wohnte und in der Werkzeugfabrik von Walter Bosshard arbeitete. Wechselte er später den Arbeitsplatz, so war es stets in der nächsten Umgebung. Im Jahr 2000 zog es ihn zurück nach Turbenthal.
Nachdem 2016 seine Ehefrau völlig unerwartet verstorben war, lernte er später Maja Canonica kennen. Zum «alten Eisen» wollen sich die beiden nicht zählen, weshalb sie im Oberstufenschulhaus Breiti im Rahmen des Angebots «Generationen im Klassenzimmer» der Pro Senectute ehrenamtlich tätig sind.
«Hoi Küde» – unterwegs mit dem Fussballcoach
Eine starke Verbindung hat Kurt Bosshard zum Fussballklub, dem er als 16-Jähriger beitrat. Er absolvierte die Ausbildung zum Trainer und coachte erfolgreich die A- und ganz besonders die C-Junioren plus Damenmannschaften sowie vorübergehend in Winterthur die Senioren des FC Post.
Wieder zurück in Turbenthal, «tschutteten» bis zu seinem Schlusspfiff im Juni 2016 noch die Aktiven. Heute ist er als Ehrenmitglied dem Klub immer noch eng verbunden.
Wen wundert es da, dass bei einem Rundgang im Dorf immer wieder jemand ruft: «Hoi Küde». Das passierte auch beim Streifzug. Die Rufenden sind meist «Tschütteler», die Trainingsstunden bei Bosshard hatten. Davon hat es viele, ihre Namen scheint «Küde» oder «Küsche» alle gespeichert zu haben. (rg)