Fehraltorf will neuen Wohnraum an der Bahnlinie schaffen
Projekt «Luppmen-Areal»
Noch ist das Luppmen-Areal nordwestlich des Bahnhofs vor allem ein Gewerbegebiet. Bald schon könnten hier 450 Menschen leben.
Das Luppmen-Areal: Ein schmaler Landstreifen, eingebettet im Industriegebiet von Fehraltorf, zwischen dem gleichnamigen Bach und den Bahngleisen. Autogaragen, eine RAV-Filiale, ein Motel und die auf die Fachorganisation von Elektro-, Energie- und Informationstechnik spezialisierte Electrosuisse sind derzeit auf dem rund 30’000 Quadratmeter umfassenden Areal angesiedelt.
Doch das Luppmen-Areal hat Potenzial für mehr, findet die Gemeinde Fehraltorf. Sie hat für den bisher vor allem gewerblich genutzten Streifen Planungsgrundlagen erarbeitet, die eine Weiterentwicklung zu einer gemischt genutzten Überbauung mit Gewerbe- und Wohnräumen ermöglichen würden.
Umzonung für Entwicklung
Dafür wird die aktuelle Gewerbefläche zu einer Wohnzone mit Gewerbeanteil umgezont. Damit kann auch in Zukunft rund ein Drittel, namentlich mindestens 8000 Quadratmeter, vom Gewerbe genutzt werden.
Die Fläche entspricht etwas mehr als einem Fussballfeld und könnte laut Gemeinderat Christof Bögli (FDP), Ressortvorstand Bau und Liegenschaften, ein breites Nutzungsspektrum ermöglichen. «Denkbar sind Büros, Dienstleistungsbetriebe, Unternehmen der Sparten Bildung oder Gesundheit sowie klassischer Retail respektive Verkauf.»
Auch Gewerbebetriebe mit keinen oder mässigen Emissionen – stark störende Betriebe seien ausgeschlossen – könnten auf dem Luppmen-Areal Platz finden. Ebenso seien die bestehenden Betriebe weiterhin zonenkonform und müssen nicht weichen.
Gewerbe und Wohnen am selben Ort
Die Visualisierungen des Richtprojekts verdeutlichen: Hier könnte bald Wohnen und Arbeiten Hand in Hand gehen. «Durch die länglichen Bauten quer zu den Gleisen wird eine starke Verbindung mit dem Grünraum entlang des Bachs ermöglicht», sagt Lars Eberhart, LE-Architektur.





Er hat in Zusammenarbeit mit dem Büro für Raumplanung und Baurecht, e10-planning, die städtebauliche Setzung vertieft und die notwendigen Einschränkungen respektive Leitplanken entwickelt. Das Richtprojekt veranschaulicht, wie das Luppmen-Areal unter Einhaltung des Gestaltungsplans in Zukunft aussehen könnte.
Das Ergebnis: 14 Gebäude, die quer zur Luppmen stehen, ein Sockelgeschoss mit Parkplätzen, das als Schallschutz gegen die Gleise dient, ein begehbares und begrüntes Dach, viele Pflanzenelemente und Photovoltaikanlagen.
Eine wünschenswerte Entwicklung
Die Dimensionen des Projekts auf dem Luppmen-Areal sind für die 6848 Einwohner zählende Gemeinde eindrücklich. Bei vollständiger Überbauung rechnen die Verantwortlichen mit Wohnraum für 450 Menschen – es dürfe laut Bögli von 150 bis 200 Wohnungen ausgegangen werden.

«Vom gesamten aktuell bestehenden Gebäudevolumen in Fehraltorf sind etwas über 40 Prozent für das Wohnen gebaut», so Bögli. Das könne mit dem Gestaltungsplan des Luppmen-Areals erhöht werden.
Auf die knapp 7000 Fehraltorferinnen und Fehraltorfer kommen aktuell rund 440 Betriebe und 4200 Arbeitnehmende. «Wenn das zukünftige Wohnangebot dazu führt, dass mehr Arbeitnehmende in Fehraltorf wohnen können, ist das auch eine wünschenswerte Entwicklung», folgert Bögli.
Erstbezug ab 2029 möglich
Das Areal bietet mit seinen 30’000 Quadratmetern knapp 20’000 Quadratmeter Baugrundstücke. Mit der Umzonung des Areals und dem neuen Gestaltungsplan haben die Grundeigentümer respektive Baurechtsnehmenden die Möglichkeit, die Vision des Megaprojekts zu realisieren – müssen sie aber nicht. «Der Gestaltungsplan löst keine Pflicht zur Entwicklung aus.»
Die Vorlage wird voraussichtlich 2025 durch den Gemeinderat verabschiedet, sodass anschliessend an der Gemeindeversammlung abgestimmt werden kann. Schätzungsweise werde der Gestaltungsplan im Frühjahr 2026 in Kraft treten, Baubewilligungen und -freigaben wären ab 2027 realistisch. «Ein Erstbezug von neuen Wohnungen und Gewerbeeinheiten wäre damit ab etwa 2029 möglich», so Bögli.
Nachfrage nach Wohnraum
Die Gemeinde Fehraltorf ist selbst nicht Eigentümerin von Baugrundstücken auf dem Areal und kann demnach selbst keine Projekte auslösen.
Dennoch tauschen sich die Gemeindevertreter aktiv mit der Grundeigentümerschaft aus und will dies auch weiterhin tun: «Die Gemeinde ist federführend in der Nutzungsplanung. Sie möchte die Grundlagen für eine Mischzone schaffen und die Bauherrschaften in der Entwicklung unterstützen, begleiten und koordinieren», so Bögli.
Der Gemeinderat erhofft sich, dass mit dem zusätzlichen Angebot an Wohnungen in Bahnhofsnähe ein Areal mit vielseitigen Wohn- und Gewerbeeinheiten geschaffen wird.
Damit will man auch der Nachfrage nach Wohnraum begegnen: «Der Gemeinderat erachtet es als wichtig und richtig, die Wohnangebote an zentralen und gut erschlossenen Lagen zu ermöglichen und erachtet das Luppmen-Areal dazu als sehr geeignet.»