Wila wächst: Das läuft in der Überbauung Talblick
Neubau im Tösstal
Am Dorfrand von Wila entsteht seit bald drei Jahren ein neues Quartier. Hinter der Überbauung Talblick stehen Bauherren aus der Region und eine gemeinsame Vision.
Die Überbauung Talblick im Ghöngg, direkt an der Schalchenstrasse am Wilemer Ortsrand, ist nicht zu übersehen. Wo bis vor wenigen Jahren noch eine grüne Wiese war, stehen inzwischen bereits fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 28 Wohnungen – gleich nebenan sind elf Einfamilienhäuser noch im Bau.
Das Bauland gehörte bis 2019 der Gemeinde – einen Käufer zu finden, war für sie aber gar nicht so einfach. 2017 sprangen interessierte Investoren ab. Der Grund: die Zusammensetzung des Bodens. Sie führt dazu, dass sich grössere Flächen wenige Zentimeter pro Jahr bewegen. Das verkompliziert Planung und Umsetzung von Projekten.
Das schreckte aber eine Gruppe von zwei Unternehmen und drei Gewerbetreibenden aus der Region nicht ab. Sie erwarben 2019 das Grundstück mit einer Grösse von 9000 Quadratmetern. Kostenpunkt: 4,15 Millionen Franken.

«Wir wussten, worauf wir uns einliessen», sagt Elias Furrer. Der Wilemer Immobilienunternehmer ist auch Mitinhaber der Architektengruppe 4 Immo AG aus Winterthur. Sie ist eines von fünf Beteiligten der Handwerkergemeinschaft Talblick, die die Bauherrschaft für das Projekt übernommen hat.
Die Handwerkergemeinschaft Talblick

Das sind die Mitglieder der Handwerkergemeinschaft Talblick:
Martin Häberlin, Häberlin Parkett und Bodenbeläge GmbH, Wila/Hittnau
Architektengruppe 4 Immo AG, Winterthur
Heinz Graf, Gerüstbau Graf AG und Maler Graf AG, Wila
Andreas Nock, Furrer Schreinerei und Küchenbau AG, Wila
Schindler & Scheibling AG, Bauma/Uster
Die Hanglage war für sie kein Hindernis, die Überbauung zu planen. «Natürlich ist es einfacher, eine flache Wiese zu bebauen», meint Architekt Furrer. «Aber dieser Herausforderung muss man sich stellen.»
Im Ghöngg war vor allem der Tiefbau mit Schwierigkeiten verbunden. «Auf einmal traf man wieder auf Wasserschicht, es musste eine weitere Böschungsverbauung her», sagt Sebastian Keller, Geschäftsleitungsmitglied des Tösstaler Holzbauunternehmens Schindler & Scheibling.
Nur gemeinsam möglich
Sind fünf verschiedene Bauherren für eine Überbauung nicht zu viel? Furrer winkt ab. «Es war eine Grundvoraussetzung, dass wir miteinander auskommen», betont er.

Natürlich habe es teilweise Meinungsverschiedenheiten gegeben, räumt Sebastian Keller ein. «Aber wir hatten ein gemeinsames Ziel vor Augen, wir wollten uns keine Steine in den Weg legen.» Denn ein Projekt dieser Grössenordnung konnten die fünf nur gemeinsam stemmen.
Da alle Unternehmer auch in der Region verankert sind, hat das auch für Rückhalt aus der Bevölkerung gesorgt, ist Keller überzeugt. «Es sind nicht einfach Investoren von aussen, viele Handwerker sind sogar aus Wila, die trifft man auch im Dorf», sagt er.
Natürlich habe es zu Projektbeginn Fragen und Ängste bei den Nachbarn gegeben, sagt Elias Furrer. «Aber dort haben wir immer einen engen Austausch gesucht.» So konnte das Projekt ohne Verzögerungen und Rekurse starten.
Fünf Häuser, fünf Eigentümer
Von Anfang an war für die Bauherren klar, dass die Überbauung in Etappen realisiert wird. Dies hat laut Furrer nicht nur die personellen Ressourcen geschont, sondern auch die Auswirkungen auf die Nachbarn in einigen Bereichen minimiert.
Die ersten Mietwohnungen waren bereits im vergangenen Jahr bezugsbereit, Anfang November sind die letzten Mieter in eine der fünf Liegenschaften eingezogen. Die Mietshäuser werden zwar gemeinsam verwaltet, jedes hat aber einen anderen Eigentümer aus der Handwerkergemeinschaft Talblick.
«Einige Bauherren haben für sich oder Familienangehörige Wohnungen gebaut», sagt Furrer. Auch wenn jeder Eigentümer die Pläne für sich anpassen konnte, sind die Unterschiede für die Mieterinnen und Mieter kaum spürbar. «Am Schluss wurden alle Häuser sehr ähnlich.»
In der Überbauung gibt es aber nicht nur Mietwohnungen. Schindler & Scheibling baut im Moment noch vier Doppeleinfamilienhäuser und drei freistehende Einfamilienhäuser, die für den Verkauf vorgesehen sind. Das Interesse ist gross: «Mehr als die Hälfte der Häuser hat bereits einen Käufer», freut sich Sebastian Keller.

Im Sommer werden die Ersten in ihre Einfamilienhäuser einziehen. «Das ist vor allem für Familien mit Schulkindern wichtig, damit sie bereits im August in ihre neue Klasse kommen», sagt Keller. Die weiteren Liegenschaften sind dann im Herbst 2025 fertig.
Noch mehr Bauland
Auch mit insgesamt 39 Wohneinheiten sind die Bauherren überzeugt, ein ruhiges Quartier zu schaffen. «Wir befinden uns hier am Dorfrand», erläutert Furrer. Das Ziel war nicht, extrem zu verdichten oder auch Platz fürs Gewerbe zu schaffen. «Es wird weiterhin viel Grünraum geben.»
Auch die Bevölkerung im Ghöngg kann laut den Bauherren von der neuen Infrastruktur profitieren. So gibt es nun beispielsweise einen öffentlichen Fussweg durch die Siedlung, der den Zugang zur Postautohaltestelle Geissackerstrasse vereinfacht.
Klar ist bereits jetzt, dass die Überbauung Talblick nicht die letzte Entwicklung im Gebiet war. Es gibt am Ortsrand von Wila immer noch Bauland für weitere Projekte, ein Teil davon gehört aber immer noch der Gemeinde.
Wann die Bautätigkeit weitergeht, ist aber noch offen. «Es wird sicherlich irgendwann kommen», meint Furrer. «Aber noch nicht heute und morgen.»
