Gesellschaft

Diese Sanitärfirma aus Egg setzt bei Lernenden auf Geflüchtete

Weil Schweizer Lehrlinge fehlen, setzt die Kaufmann Spenglerei und Sanitär AG auf Flüchtlinge - was auch so manchen Kunden gefällt.

Chef Christoph Kaufmann mit seinen ausländischen Mitarbeitern (von links): Sajad Ishaazada, Haben Tesfu, Jampa Kawotsang und Dawit Daniel (knieend).

Foto: Luc Müller

Diese Sanitärfirma aus Egg setzt bei Lernenden auf Geflüchtete

Chance für beide Seiten

Bei der Kaufmann Spenglerei und Sanitär AG hat der grösste Teil der Mitarbeiter einen ausländischen Pass. Firmenchef Christoph Kaufmann erzählt bei einem Besuch vor Ort, warum.

«So Jungs, gruppiert euch um mich – und schön lächeln!» Christoph Kaufmann ist umgeben von vier seiner insgesamt 50 Mitarbeiter. Die Gemeinsamkeit des Quartetts: Sie alle sind einst in die Schweiz geflüchtet und arbeiten nun bei der Kaufmann Spenglerei und Sanitär AG in Egg. Der Familienbetrieb, den die Brüder Christoph und Walter Kaufmann führen, existiert schon seit 1957.

«Rund zwei Drittel unserer Belegschaft mit Festanstellung hat einen ausländischen Pass», erklärt Christoph Kaufmann, «vor 25 Jahren waren es erst zwei Arbeiter aus dem Ausland.» Der Arbeitsmarkt sei hart umkämpft.

«Ein Bauernsohn mit handwerklichem Geschickt, der gewohnt war, anzupacken – das war früher der ideale Lehrling. Das hat sich drastisch verändert. Eine Lehre als Spengler oder Sanitärinstallateur ist bei den Schweizern nicht mehr so beliebt wie früher», weiss Kaufmann.

Arbeitskraft und Sprachkenntnisse

In den vergangenen 35 Jahren hat die Kaufmann Spenglerei und Sanitär AG über 50 Lehrlinge ausgebildet. Auch hier ist die Tendenz klar: Immer mehr ausländische Jugendliche nehmen eine solche Lehre in Angriff. So auch bei den Kaufmanns.

Die Geflüchteten haben ein Integrations-Vorlehre absolviert. Dabei werden sie auf eine Lehre bei einem Betrieb vorbereitet. Während dieser Vorlehre müssen sie auch ein Praktikum absolvieren, was sie bei der Kaufmann Spenglerei und Sanitär AG machen konnten. So kam es zum ersten Kontakt zwischen den Geflüchteten und Christoph Kaufmann.

«Die jungen Flüchtlinge haben viel Biss und wollen lernen. Das ist positiv», erzählt der Chef aus seinen Erfahrungen, «Dafür gibt es sprachliche Hürden. Manchmal gibt es ein babylonisches Sprachengewirr. Aber es wird mit der Zeit besser. Vor allem die Lehrlinge lernen schnell Deutsch.»

So sind sie auch bei den Kunden alleine vor Ort und müssen Deutsch sprechen. Das ganz zur Zufriedenheit einer Kundin, die dem «Regio» schrieb: «Der Sanitärinstallateur, der bei uns war, sprach schon gut Deutsch und hat seine Arbeit ganz toll gemacht.»

Chance für beide Seiten

Ist es vor allem seine soziale Ader, dass er vielen Geflüchteten in seiner Firma eine Anstellung gibt? «Es ist eine Mischung. Ich bin eigentlich ein Bürgerlicher, der auch Probleme mit den massiven Flüchtlingsströmen sieht.» Doch Christoph Kaufmann ergänzt: Wenn die Geflüchteten schon da seien, solle man ihnen auch eine Chance geben.

Die Geflüchteten hätten auf dem Weg in die Schweiz harte Geschichten erlebt. «Als wir kürzlich mit dem Firmenwagen an einem schönen Sommertag mit der Fähre von Meilen nach Horgen unterwegs waren, meinte ich zu meinem Arbeitskollegen aus Eritrea, wie schön doch so eine Schifffahrt sei. Er meinte nur: Für ihn habe das gar nichts Schönes.»

Denn der Mann sei einst mit einem überfüllten Flüchtlingsboot von Libyen nach Lampedusa gekommen. «Solche Geschichten berühren mich schon», sagt Christoph Kaufmann.

Sajad Ishaazada, Lehrling Solarinstallateur EFZ

Mann an Wand

«Ich bin 17 Jahre alt und bin 2021 aus Afghanistan geflüchtet. Nach dem Abzug der Amerikaner wurde ich mit einer italienischen Militärmaschine ausgeflogen. Meine Familie lebt weiterhin in Afghanistan. Ich habe über WhatsApp Kontakt mit Ihnen. In Afghanistan hätte ich nie die Chance gehabt, eine solche Ausbildung zu machen. Ich habe hier bei der Firma in Egg zuerst geschnuppert. Es hat mir sehr gut gefallen. Seit Sommer bin ich nun hier in der Lehre. Deutsch habe im Sprachkurs gelernt, zudem war ich in Maur in der Sekundarschule. Ich habe einen F-Status und lebe in einem Wohnheim in Maur.»

Haben Tesfu, Sanitärinstallateur EFZ

Mann vor Werkzeug

«Ich habe im Sommer meine Lehre als Sanitärinstallateur abgeschlossen. Ich bin 31 Jahre alt und 2015 aus Eritrea vor der Militärdiktatur geflüchtet. Ich bin schlussendlich mit einem überfüllten Schiff in Lampedusa gelandet. In Winterthur habe ich eine Vorlehre gemacht und bin als Praktikant in Egg gelandet. Der Chef hat mir nach dem Praktikum die Chance gegeben, hier eine Lehre zu machen. Mit dem Deutsch klappt es inzwischen schon ganz gut. Inzwischen habe ich eine C-Bewilligung und lebe in Uster.»

Jampa Kawotsang, Spengler EBA, Gruppenleiter Solarinstallationen

Mann mit Käppi an Maschine.

«Ich war Mönch in einem Kloster in Tibet. Bei einer Demonstration gegen China lief ich mit. Danach geriet ich in den Fokus der Polizei. Ich musste deshalb das Land verlassen. Zuerst war ich in Nepal, danach kam ich via Italien in die Schweiz. Ich bin 47 Jahre alt und habe 2019 hier eine Lehre als Spengler EBA abgeschlossen. Jetzt bin ich Gruppenleiter Solarinstallationen. Ich habe eine B-Bewilligung und lebe in Ermatingen.»

Dawit Daniel, Sanitärinstallateur EFZ, Weiterbildung Chefmonteur Sanitär

Mann bearbeitet Rohr

«Ich bin 35 und 2021 aus Eritrea in die Schweiz geflüchtet. Meine ganze Familie war zuvor schon vor der Militärregierung geflohen. Ich kam mit einem Flüchtlingsboot mit 400 Menschen von Libyen nach Sizilien. Auf der Überfahrt sind viele gestorben. Ich habe eine Vorlehre in Winterthur gemacht. Als Praktikant war ich hier in Egg. Die Stimmung in der Firma hat mir gut gefallen. Der Chef war zufrieden mit mir und hat mir eine Stelle angeboten. Mit meiner Frau und unseren drei Kindern lebe ich in Mönchaltorf.»

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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