Über 600 Räben werden in Greifensee für den Umzug vorbereitet
Räbeliechtli, Räbeliechtli, wo chunsch her?
Für den jährlichen Räbeliechtliumzug in Greifensee wurden über 600 Räben geschnitzt. Dorjee Bargemann und ein Team aus 30 Freiwilligen haben am Samstagmorgen hart gearbeitet. Zum Glück mussten sie nicht alles von Hand machen.
«Räbeliechtli, Räbeliechtli, wo gasch hi?», ist eine Frage, die wohl jedes Schulkind beantworten könnte. Denn wenn jährlich der Räbeliechtliumzug ansteht, ist dieses Lied ein Klassiker. Singend werden die Kinder antworten: «I de dunkle Nacht, ohni Sterneschii, do mues mis Liechtli sii.»
Das trifft auch auf Greifensee zu. Bei Einbruch der Nacht wird am Samstag die Beleuchtung abgestellt, sodass nur die geschnitzten Räben auf den Fenstersimsen und in den Händen der Kinder gegen die Dunkelheit ankämpfen. Soweit stimmt das Lied also.
Doch bereits in der zweiten Strophe ändert sich das: «Räbeliechtli, Räbeliechtli, wo bisch gsi? Dur d Strass duruuf und s Gässli ab», lautet der Text. Doch auf die Frage, wo die Räben herkommen, haben die Bewohnerinnen und Bewohner Greifensees eine andere Antwort.
Mit dem Bohrer wird ausgehöhlt
Im Lager des Werkhofs in Greifensee höhlt ein Team aus 30 Freiwilligen am Samstagmorgen über 600 Räben für den Umzug am selben Abend aus. Wer an diesem Morgen «immer der Nase nach» durch Greifensee laufen würde, würde wohl genau dort landen. Schon bevor man das Lager des Werkhofs in Greifensee sehen oder das fröhliche Plaudern hören kann, riecht man das Event.
Mit einem Bohrer höhlen sie einen Grossteil der Räben aus, bevor dann der Feinschliff von Hand gemacht wird. Dafür zuständig ist Ueli Diggelmann: «Wir bekommen die Räben der Grösse nach geordnet geliefert», erzählt er. Das sei wichtig, denn je nach Grösse der Räbe muss die Bohrmaschine anders eingestellt werden.





Sind die Räben fertig geschnitzt, werden sie anschliessend in das Lager des Werkhofs gebracht, wo anschliessend der Feinschliff gemacht wird.
Bei der Verarbeitung der ersten Räben wird besonders auf die Hygiene geachtet, denn das Innere der ersten paar Pflanzen wird am Abend gebraucht für das Räbenmus, welches an den Ständen im Dorf verkauft wird.
Lieferung per Van
Drei Stunden lang höhlen die 30 Freiwilligen die Räben aus, anschliessend werden diese je nach Bestellung in Säcke gefüllt. Der grüne Container, in dem das Innere der Räben gesammelt wird, ist kurz vor 12 Uhr randvoll gefüllt. Die ersten Helfer treten nun den Heimweg an.
Für die Organisatorin des Events, Dorjee Bargemann, ist der Arbeitstag jedoch noch nicht zu Ende. Gemeinsam mit ihrem Mann Roel Bargemann packt die Greifenseerin Dutzende Säcke voller Räben in ihren Van. «Nun müssen wir die bestellten Räben noch ausliefern, damit die Anwohnenden ihre Fenstersimse für den Abend schmücken können», erklärt sie.



«Mir gefällt das Räben-Aushöhlen», erzählt Bargemann, «die Stimmung ist locker, und man kann sich gut mit Freunden austauschen.» Das Highlight des Tags sei dann aber natürlich der Abend, berichtet sie: «Wenn alle Lichter im Dorf abgestellt werden, dann sieht es magisch aus.»
Die Räben beleuchten Greifensee
Kurz vor 18 Uhr ist es schliesslich so weit. Beim Kindergarten Pfisterhölzli treffen sich die Familien, um gemeinsam den Weg zum Schloss Greifensee anzutreten. Nervös warten die Kinder, bis es endlich losgeht. «Mami, chömer jetzt mini Räbe aazünde?», fragt ein kleines Mädchen.
Sie muss sich gedulden. Denn immer mehr Familien schliessen sich dem Umzug mit ihren Räbeliechtli an. Schliesslich laufen über 50 Greifenseerinnen und Greifenseer mit. Nun werden die Räben angezündet, und die versammelte Menge läuft Richtung Schloss Greifensee.




Beim Schloss angekommen, werden die Gäste von der Musik der Tambouren Uster empfangen. Dort trifft man sich noch mit Freunden und Bekannten, isst ein Räbenmus und lässt den Abend ausklingen. Die dritte Frage des Räbeliechtli-Lied bleibt ungeklärt: «Räbeliechtli, Räbeliechtli, wänn gasch hei?»