Er hütet die Ortsgeschichte von Bauma – aber wie lange noch?
Zu Besuch bei Walter Ledermann
Walter Ledermann ist seit 2008 Präsident der Chronikkommission von Bauma. Doch auch er ist nicht mehr der Jüngste. Um die Zukunft des Archivs macht er sich aber keine Sorgen.
Dass Walter Ledermann einst das Chronikarchiv von Bauma führen würde, konnte er sich in jungen Jahren noch nicht vorstellen. Er war engagierter Primarlehrer, Leiter der Bibliothek in Bauma und bekannt für seine Theaterprojekte mit den Schülerinnen und Schülern. «Mit der Geschichte von Bauma befasste ich mich nur, wenn ich dies im Unterricht brauchte.»
Als 2008 die Anfrage des Gemeindeschreibers kam, war Ledermann bereits pensioniert. Ortschronist Walter Sprenger hatte kurz zuvor seine Sammlung der Gemeinde übergeben, mit über 10’000 Zeitungsberichten, Bildern und anderen Dokumenten. «Der Gemeindeschreiber fragte mich, ob ich mich mit der Sammlung auseinandersetzen will», erinnert sich Ledermann.
Er sagte zu. «Und dann stand ich vor einem riesigen Haufen von Ware.» Seine erste Aufgabe war es, alles neu zu ordnen. «Damit ich die Sachen auch wiederfinde.»
Als ehemaliger Bibliotheksleiter führte er rasch ein eigenes System ein, dem er bis heute treu bleibt. Anders als in vielen Archiven legt Ledermann die Dokumente nicht nach Themengebiet ab, sondern meist chronologisch. «Das funktioniert bis heute gut», sagt er nicht ohne Stolz. «Wir finden so eigentlich immer alles auf Anhieb.»
Die Sammlung von Walter Sprenger hat er seit der Anfangszeit erweitert. Seien es Zeitungsartikel, Jahresberichte von Vereinen oder Dokumente und Fotos, die dem Archiv übergeben werden: Ledermann legt alles säuberlich ab und erfasst es im System. Der Aufwand heute ist überschaubar. «Aber in den Anfangszeiten war ich sicher einen Tag pro Woche dran.»
Nicht im «stillen Kämmerlein»
Unterstützung bei seiner Arbeit erhielt Ledermann zu Beginn von zwei Mitstreitern. Zu dritt waren sie die erste vom Gemeinderat gewählte Chronikkommission. Neben Ledermann als Präsident ist auch Karl Zopfi bis heute dabei. Der kürzlich verstorbene Peter Geering war für Computer und Internet verantwortlich.
Aktuell besteht die Kommission aus fünf Mitgliedern, die für ihre Arbeit eine Entschädigung der Gemeinde erhalten. Zudem hilft ein Grüppchen von freiwilligen Fotografen, die baulichen Veränderungen in der Gemeinde festzuhalten.
«Unser Ziel war es von Anfang an, nicht einfach nur im stillen Kämmerlein zu arbeiten», betont Ledermann. Die Geschichte von Bauma sollte für alle Interessierten zugänglich sein.


Am letzten Samstag im Monat ist das Chronikarchiv im obersten Stock des Gemeindehauses jeweils für zwei Stunden geöffnet. «Und es kommen immer eine Handvoll Leute», sagt der Präsident. Sei es für eine Recherche der Familiengeschichte oder auf der Suche nach alten Fotos. Auch sonst erreichen Ledermann immer wieder Anfragen für einen Archivbesuch.
Einmal im Jahr findet ausserdem eine öffentliche Dorfführung durch die Kommission statt, die immer auf reges Interesse stösst. Zudem hat die Chronikkommission 2019 einen Dorfrundgang eröffnet, und zwar mit 22 Informationstafeln an verschiedenen Häusern im Dorfzentrum.
Darin steckten über fünf Jahre Arbeit. Ein Projekt, auf das Ledermann bis heute stolz ist. «Die Infos auf der Tafel sind kurz gehalten, sonst liest sie ja niemand», erläutert der ehemalige Primarlehrer. Für Interessierte gibt es – ganz modern – einen QR-Code auf einen ausführlichen Eintrag auf der Website.
Ein System aus den Achtzigern
Eine Website hat das Archiv seit 2010. Bis heute sind dort alle Bestände erfasst. Viele Fotos sind darauf sogar direkt verfügbar. Doch die Website, das ist bereits auf den ersten Blick ersichtlich, ist in die Jahre gekommen. «Es ist auch ein sehr aufwendiges System», sagt Ledermann.
Die Datenbank wird nämlich mit einem völlig veralteten Programm aus den 1980er Jahren betrieben. Ein weiteres Programm, das manuell gestartet werden muss, exportiert Daten und Dateien und importiert diese in die Datenbank, aus der die Website die Informationen bezieht.
Über Jahre hat er trotzdem damit weitergearbeitet. «Ich verstehe das Technische nicht so», gibt er zu. Doch für Monika Bieri, die nun für die Kommission die Website betreut, war dies nicht länger tragbar. Denn für das System gibt es auch keine Updates mehr.
Und so wurde die Chronikkommission beim Gemeinderat vorstellig. Dieser sah den Handlungsbedarf ebenfalls und hat 23’000 Franken für die Erneuerung der Datenbank und der Website gesprochen. Diese wird von einer spezialisierten Firma aus Zürich erstellt.
Neue Möglichkeiten
«Es muss alles vom alten System übertragen werden», sagt Ledermann, «auch die ganzen Nummern der einzelnen Archivstücke.»
Doch mit der neuen Datenbank und der neuen Website ergeben sich auch weitere Möglichkeiten, Inhalte aus dem Archiv digital zugänglich zu machen – beispielsweise alte Zeitungsartikel oder Gemeindedokumente, die heute nur bei einem Besuch vor Ort einsehbar sind.
«Das können dann aber andere machen», betont Ledermann. Er feiert dieses Jahr noch seinen 80. Geburtstag. «Ich bin ein alter Klaus.» Und er weiss, dass er die Arbeit im Chronikarchiv nicht auf ewig weiterführen kann.

In wenigen Jahren will er das Zepter übergeben. «Ich bin zuversichtlich, dass es auch nach mir weitergeht und wir einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für die Chronikkommission finden», betont Ledermann. Mit der Suche hat er bereits begonnen.
Er werde auch bei der Einarbeitung helfen, verspricht er. Angst vor dem Aufhören hat er nicht. «Ich konnte mit dem Militär abschliessen, mit der Feuerwehr, mit der Bibliothek, mit der Schule», erklärt er. «Und das wird auch beim Chronikarchiv der Fall sein.» Die Geschichte von Bauma müssen dann andere hüten.
