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Schlägt bald die letzte Stunde für die alte Badi Robenhausen?

Die Wetziker Aabachgruppe macht sich Sorgen. Sie vermutet dass der Kanton ihre Nutzungskonzession für die Alte Badi nicht erneuern will.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1960 von der alten Badi Robenhausen. Der Schriftzug «Badanstalt» ist mittlerweile ganz verschwunden.

Foto: Wetzipedia/Karl Stokar

Schlägt bald die letzte Stunde für die alte Badi Robenhausen?

Alles hängt vom Kanton ab

Die Aabachgruppe bangt um ihre Nutzungskonzession für die alte Badi Robenhausen in Wetzikon. Sollte sich der Kanton gegen eine Verlängerung entscheiden, müsste das bald 120-jährige Gebäude abgerissen werden.

Eintritt für Kinder 5 Rappen, für Erwachsene 15 Rappen, Saisongebühr 1 Franken – vor 100 Jahren wurde am Aabach im Wetziker Ortsteil Robenhausen fleissig «gebädelet». Ab den 1970er Jahren diente das Gebäude dann als Bootshaus für Fischer, die von dort aus zum Pfäffikersee aufbrachen. Heute darf man dort fast gar nichts mehr, mittlerweile steht sogar die Existenz des kommunal geschützten Gebäudes auf der Kippe.

«Seit ich im Verein bin, hängt ein Schatten über dem Gebäude», sagt Vitus Mändli. Er ist im Vorstand der Aabachgruppe, welche die Nutzungskonzession der alten Badi innehat. Ursprünglich bestand dieser Verein aus den Fischern, die dort ihre Bootsplätze hatten.

Badeanstalt Robenhausen in Wetzikon ZH, undatiert, Geschenk der Chronikstube Pfäffikon ZH.
Undatierte Aufnahme der Badeanstalt Robenhausen in Wetzikon (Geschenk der Chronikstube Pfäffikon).

Mittlerweile dürfen die Boote aus Naturschutzgründen nur noch zweimal im Jahr durch den Aabach gefahren werden. Einmal im Frühling, um das Boot in den Pfäffikersee zu transportieren, und einmal im Herbst, um zurück ins Winterquartier im Bootshaus zu gelangen. Den Sommer über müssen sie sich einen temporären Anlageplatz im See suchen.

Als dann auch noch das Fischen im Aabach verboten wurde, drohte dem Verein vor fünf Jahren sogar die Auflösung. Doch Mändli und ein paar Mitstreiter übernahmen den Vorstand und richteten die Aabachgruppe neu aus. Die Mitglieder gehen nun nicht mehr primär dem Angelsport nach, sondern kümmern sich um den Unterhalt des 1905 erbauten Gebäudes.

Die alte Badi Robenhausen wurde 1905 von Architekt Johannes Meier gebaut. Das L-förmige Kastenbad ähnelt in seiner Beschaffenheit etwa dem Flussbad Unterer Letten in Zürich mit zwei Laubengängen und einem eingefassten, blickgeschützten Wasserbereich. Ab 1952 wurde der Badebetrieb eingestellt, weil die Lastwagenfabrik FBW den Aabach mehr und mehr mit öligen Substanzen verschmutzte.

Es ist eine Wiederholung in der Geschichte. Bereits 1976 verhinderte der Sportfischerverein – aus dem die Aabachgruppe entstanden ist – in einer Feuerwehrübung den Abbruch des Bootshauses.

«Eine Feuerwehrübung wortwörtlich, weil die Idee damals war, das baufällige Holzgebäude einfach anzuzünden», sagt Simon Egloff, der Präsident der Aabachgruppe. Im Frondienst wurde das Bootshaus vom Verein renoviert, dem im Anschluss die Nutzungskonzession erteilt wurde.  

Jetzt sitzt Vitus Mändli gemeinsam mit Simon Egloff an einem Tisch im Seitenteil der alten Badi, der «Garage ohne Zufahrt», wie Egloff sie nennt. Nur noch einige Fischernetze und Rettungsringe als Dekoration erinnern an die Glanzzeiten von früher, als der Verein rund 100 Mitglieder hatte. Diese Zahl hat sich mittlerweile halbiert.

«Die Stimmung im Verein ist trotz allem gut», betont Mändli. Man treffe sich hier regelmässig für Vereinsanlässe wie etwa Fondue- oder Kinoabende. «Und mittlerweile haben wir über 1000 Mannstunden in den Unterhalt investiert.»

Kanton hat das Sagen

Eigentümerin der alten Badi ist die Stadt Wetzikon. Sie übernimmt pro Jahr 2000 Franken an Materialkosten für diesen Unterhalt. Doch über die Konzession verfügt der Kanton. Und hier liegt das Problem.

Denn die Anlage ist zwar kommunal geschützt, kantonal aber nicht. «Wir haben unter anderen von Vertretern der Stadt Wetzikon Hinweise darauf erhalten, dass der Kanton die Konzession, die Ende 2026 ausläuft, zugunsten des Naturschutzes nicht erneuern will», sagt Mändli.

Dies würde verheerende Folgen nach sich ziehen: «Das Bootshaus ist zu entfernen und der ursprüngliche Zustand wiederherzustellen, wenn nicht bis spätestens zu diesem Datum ein Gesuch um eine neue Bewilligung eingereicht und diese Bewilligung erneuert worden ist», heisst es in der Verfügung des Kantons.

Für Vitus Mändli und Simon Egloff ist klar: Die alte Badi muss überkommunal geschützt und ihr Bestand gesichert werden. «Schliesslich sind alle Gesetze und Zonen, die nun gegen das Gebäude sprechen, jünger als die Badi», sagt Egloff, «etwa das Naturschutzgebiet.»

Zudem gehöre das Gebäude in das Gesamtwerk des Architekten Johannes Meier, der im ganzen Oberland und speziell auch in Wetzikon zahlreiche Bauwerke geschaffen habe. So wurde etwa die alte Reithalle an der Asylstrasse, die ebenfalls von ihm entworfen worden war, letztes Jahr vom Kanton in das Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung aufgenommen.

Bild der Reithalle Wetzikon von 1980
Auch die Reithalle an der Asylstrasse in Wetzikon wurden vom Architekten Johannes Meier geschaffen. Hier eine Aufnahme von 1980.

Die Konzession läuft zwar erst 2026 aus, doch die Mitglieder der Aabachgruppe wünschen sich so früh wie möglich Klarheit – gerade weil von verschiedenen Seiten immer wieder Andeutungen gemacht werden, dass der Kanton nicht zu ihren Ungunsten entscheiden wird.

Bis die erneuerte Konzession vorliege, wolle die Stadt Wetzikon auch keine grösseren Beträge für Sanierungen sprechen. «Dabei müsste das sanierungsbedürftige und asbestverseuchte Dach unbedingt erneuert werden», sagt Mändli und blickt nach oben. Er weiss, wovon er spricht. So hat er denn auch seine Projektarbeit zur Berufsprüfung als Handwerker in der Denkmalpflege Fachrichtung Holzbau über die alte Badi verfasst.

Weitere Nutzung gerechtfertigt?

Dass man in Wetzikon erst Gelder für eine Dachsanierung bereitstellt, wenn die neue Konzession vorliegt, bestätigt Stadträtin Sandra Elliscasis (FDP), die für die Immobilien zuständig ist. «Wird die Konzession nicht verlängert und das Gebäude demnach abgerissen, macht es keinen Sinn, noch Gelder für die Sanierung des Dachs zu sprechen.»

Sie bestätigt zudem die Befürchtungen der Aabachgruppe, dass der Kanton in Erwägung zieht, die Konzession nicht zu verlängern. Dies gehe aus einem E-Mail-Verkehr zwischen dem Kanton und der Stadt hervor.

«Die bisherige Nutzung, die auch die Erteilung einer Konzession rechtfertigte, war die Nutzung als Winterlagerplatz für Boote. Diese Nutzung war somit ans Wasser gebunden», sagt Elliscasis. «Für eine Nutzung als Event- oder Vereinslokal dürfte die Bewilligungsfähigkeit aus Sicht von Naturschutz, Raumplanung und Gewässernutzung schwierig sein.»

Die Stadt Wetzikon bleibe dabei unparteiisch. «Die Abteilung Immobilien ist in der Angelegenheit Bauherrenvertreterin – ein eigenes Interesse hat sie nicht.»

Beim Kanton wartet man derweil auf das offizielle Gesuch um Konzessionsverlängerung, bevor man sich weiter äussert. «Erst wenn ein solches Gesuch vorliegt, können wir eine allfällige Verlängerung prüfen», sagt Katharina Weber von der Medienstelle der Baudirektion.

Fokus auf Winterbootsplätze

Für dieses Gesuch ist ein Nutzungskonzept nötig, das von der Aabachgruppe aktuell überarbeitet wird. «Wir sind gerade dabei, das Nutzungskonzept anzupassen und den Fokus auf die Winterbootsplätze zu legen», sagt Vitus Mändli. Dies habe unter anderem wegen der invasiven Quagga-Muschel aktuell an Wichtigkeit gewonnen.

Doch das ist neben dem Unterhalt des Gebäudes nicht die einzige Arbeit, welche den Verein beschäftigt. Auch gesellschaftlich soll es weitergehen.

Viele Jahre war das Aabachfest, das die Aabachgruppe jeweils im Frühling organisiert hatte, ein Fixpunkt im Wetziker Veranstaltungskalender und zog Hunderte von Besuchern an. 2017 fand es aufgrund der Unsicherheiten im Verein zum letzten Mal statt. Im nächsten Jahr soll die alte Badi aber nach langer Pause im Rahmen eines Tages der offenen Tür erstmals wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Verschiedene Deko-Gegenstände im Gebäude der alten Badi zeugen von besseren Zeiten der Aabachgruppe.
Ein Relikt aus vergangenen Tagen: Das Aabachfest lockte regelmässig Hunderte von Besuchern nach Robenhausen.

«Sozusagen als Generalprobe für das Fest, das wir 2026 zum Jubiläum planen», sagt Egloff. Dann wird es 50 Jahre her sein, dass der Verein das Gebäude erstmals vor dem Verfall gerettet und die Konzession übernommen hatte. «Hoffentlich wird es nicht unsere Abschiedsparty sein.»

Finanzielle Mittel fehlen

Dass die Aabachgruppe und die alte Badi von vielen eher als Last und nicht als Teil eines Gesamtbilds angesehen würden, sei nicht nachvollziehbar. «Wir beteiligen uns jeweils auch an der Seeputzete und kümmern uns dabei um den Aabach», sagt Mändli. «Je mehr Leute man vertreibt, desto weniger Interessierte wird es geben, die sich einsetzen wollen.»

Sollte sich der Kanton tatsächlich gegen die Erneuerung und für einen Abbruch entscheiden, müsste die alte Badi erst einmal aus dem kommunalen Inventar schützenswerter Bauten entlassen werden. «Dagegen könnte man wohl noch rekurrieren», sagt Egloff. Viele finanzielle Mittel für einen Rechtsstreit habe die Aabachgruppe allerdings nicht.

«Wir wären motiviert, uns noch einmal 50 Jahre im Frondienst um das Gebäude zu kümmern», betont Mändli. «Dabei kann ich nicht einmal sagen, warum genau ich mich für den Erhalt der Badi einsetze», sagt Simon Egloff seufzend und nimmt noch einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. Doch Vitus Mändli hat die Antwort: «Weil es sonst niemand tut.»

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