In Gossau geht ein weiterer Schulleiter
Akutes Führungsproblem?
Anscheinend liegen sich an der Schule Gossau ein Schulleiter und der Schulpflegepräsident in den Haaren. Eltern sind besorgt und verlangen Antworten.
Was bisher geschah
Die Schule Gossau will nicht zur Ruhe kommen. Gewisse Tücher scheinen endgültig zerschnitten. So kündigte im Oktober 2021 der langjährige Informatikverantwortliche aus Unzufriedenheit. Als Hauptgrund für seine Kündigung gab er administrative Überregulierung an. Danach kam es zu einer zweijährigen «Verschnaufpause», bis es fast Schlag auf Schlag ging.
Im August 2023 kündigten mehrere Primarlehrpersonen im Schulhaus Schönbüel und sorgten damit für Aufsehen. Sie sprachen von fehlender Kommunikation, grossen Missverständnissen und fehlender Unterstützung der Schulpflege. In diesem Zusammenhang meldeten sich auch zwei ehemalige Klassenlehrpersonen in einem Leserbrief zu Wort. Beide sprachen offen von mangelnden Führungsqualitäten seitens der Schulpflege.
Im Mai dieses Jahrs kam es für viele Mitarbeitende und Eltern nochmals zu einer Hiobsbotschaft. Der seit 2007 als Schulleiter amtende Patrick Perenzin kündigte sein Arbeitsverhältnis ebenfalls. Die Gründe dafür liess er offen. Allerdings wendeten sich Mitarbeitende nach seiner Kündigung an die Onlineplattform Zuerioberland24 und machten ihr Bedauern über dessen Abgang publik.
Das ist die aktuelle Situation
Ende September machte in Gossau eine weitere Information die Runde: Yannik Bless, der Leiter der Schulhäuser Chapf und Schönbüel, hat seine Anstellung per Ende des laufenden Schuljahrs auf den 31. Juli 2025 gekündigt.
Vorletzte Woche veröffentlichte wiederum die Schulpflege eine Mitteilung, in der sie erklärte, dass sie das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung aufgelöst hat. Die Basis für eine Zusammenarbeit sei nicht mehr gegeben. Man suche nach einer Übergangslösung.
Bless wollte sich zu den Gründen nicht persönlich äussern. Fest steht: Bless ist nach Patrick Perenzin, der im Mai seine Stelle kündigte, bereits der zweite Schulleiter, der innerhalb eines Jahrs sein Amt niederlegt. Doch das ist längst nicht alles.
Pikanter Evaluationsbericht
Der Redaktion liegt ein Evaluationsbericht vor, in dem die rund 140 Lehrpersonen in Gossau die Umstände an den Schulen bewerten konnten. Geht man davon aus, dass dieses Dokument wahrheitsgetreu ausgefüllt wurde, so erhärten sich gewisse Vorwürfe tatsächlich. Die Auswertung stellt der Schule kein gutes Zeugnis aus. Schon auf der ersten Seite ist ersichtlich, dass 33 Prozent der Beteiligten bezüglich des Leitsatzes «Wir handeln und kommunizieren transparent und verlässlich» das Kreuz bei «trifft nicht zu» gesetzt haben. Bei der Aussage «Die Schulpflege ist nahbar» verneinten dies sogar 51 Prozent. Die Frage zur Schulführung und ob die Trennung zwischen strategischen und operativen Aufgaben geregelt ist, sagten 61 Prozent «trifft nicht zu».
Das sagen Eltern und Lehrerschaft
Mittlerweile sieht sich der Vorstand der Elternmitwirkung in Gossau zum Handeln gezwungen. In einem an die Schulpflege gerichteten Brief, der kürzlich auch auf der Website veröffentlicht wurde, verlangen mehrere Eltern nach Taten und kritisieren die Schulpflege scharf.
Sie sorgen sich hinsichtlich der jüngsten Entwicklungen. Insbesondere die Art und Weise des personellen Abgangs des Schulleiters sowie die öffentlich gemachten Resultate des internen Evaluationsberichts stimmen sie negativ.

Eine proaktive Kommunikation der getroffenen Massnahmen und eventuell erreichter Verbesserungen seitens Schulpflege an alle Eltern würde die Situation allerdings entschärfen.
Weiter schreibt der Vorstand, dass sich ein Eindruck erhärte: «Zumindest innerhalb der Schnittstelle Schulpersonal/Schulpflege hat sich eine Kultur des Schweigens etabliert, die durch rechtliche Vorgaben verstärkt wird.» Ein beträchtlicher Anteil der Mitarbeitenden fühle sich anscheinend wenig gehört und getraue sich teilweise nicht, ihre Bedenken gegenüber der Behörde offen zu äussern.
Schwere Vorwürfe
Kürzlich hat diese Redaktion auch ein offener Brief ohne Absender erreicht. Wie in einem ähnlichen Fall in Dürnten will sich in Gossau niemand mit Namen äussern. Angeblich herrscht, seitdem Patrick Umbach (Die Mitte) 2022 das Zepter als Schulpflegepräsident übernommen hat, eine eher frostige Stimmung an den Schulen in Gossau. Zumindest behaupteten dies schon in der Vergangenheit Eltern sowie Lehrpersonen. Allerdings immer nur anonym.
Mitunter deshalb ist es schwierig, die Vorwürfe zu überprüfen. Doch die schiere Menge an Anschuldigungen in diesem Dokument sowie die früheren Aussagen von ehemaligen Lehrpersonen zeigen, dass etwas im Argen liegen muss.
Im aktuellen Schreiben wirft man Schulpflegepräsident Patrick Umbach explizit einen schlechten Führungsstil vor. «Die Gründe für die Kündigung von Yannik Bless liegen in den Schwierigkeiten, die sich aus der Zusammenarbeit mit der Schulpflege, insbesondere mit Herrn Umbach, ergeben haben», heisst es in dem Dokument.
Es handelt sich anscheinend um ein wiederkehrendes Muster, wobei mehrere Führungskräfte die Schule bereits verlassen haben, nachdem es zu Uneinigkeiten mit der Schulpflege gekommen ist.
Stimme einer Mutter
Eine besorgte Mutter, deren Kinder in Gossau zur Schule gehen, sagt: «Es sind die Schülerinnen und Schüler, die hier im Mittelpunkt stehen sollten, und nicht Leute, die ihren Job offensichtlich nicht machen.»
Diese Wahrnehmung habe sie nicht für sich allein gepachtet. «Bevor Bless da war, wollten Eltern ihre Kinder wegen unzumutbaren Zuständen nicht ins Schulhaus Chapf schicken, doch mit ihm hat sich alles zum Positiven gewendet.»
Der Schulpflegepräsident werde als empathielos wahrgenommen, verbreite ein Klima der Angst und führe die Schule zu eigensinnig. Da er das Amt als Schulpflegepräsident bis mindestens 2026 ausübe, fühle man sich machtlos. «Er ist anscheinend auf einer Mission, wir können nichts tun.» Aber die Kosten für die Schulleitung, die wegen der Kündigung anfallen würden, sowie die Anwaltskosten für rechtliche Streitereien werde das Volk berappen müssen.
Die Forderungen
Unabhängig davon, wie es zur Kündigung von Schulleiter Yannik Bless gekommen ist, erwartet die Elternmitwirkung von der Schulpflege nun einen offenen Dialog. Dass der in ihren Augen fachlich wie menschlich kompetente Schulleiter gehe, sprich gehen müsse, stehe in keiner Relation zu ihrer Vorstellung eines funktionierenden Schulsystems.
Dazu fordert sie, dass das Wahlversprechen von Schulpflegepräsident Patrick Umbach aus dem Jahr 2022, «eine offene Kommunikation und mehr Zeit für die Schüler», umgesetzt wird. Man wolle vor allem wissen, welche Schlüsse die Schulpflege aus der internen Erhebung zieht. Denn das Wohl der Kinder geniesse oberste Priorität.
So reagiert die Schulpflege
Wir haben den Schulpflegepräsidenten mit den Vorwürfen und der Kündigung von Yannik Bless konfrontiert. Zu personalrechtlichen Angelegenheiten kann und will sich Umbach aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genauer äussern. «Mit anonym zugetragenen Behauptungen ist niemandem gedient.»
Auf die Frage, ob er als Schulpflegepräsident für ein «frostiges Klima» an den Schulen in Gossau sorge, entgegnet Umbach: «Die Bewertung der Stimmung ist eine Frage der persönlichen Wahrnehmung. Es gibt viele Mitarbeitende, die eine durchaus konstruktive und positive Stimmung erleben.»
Eine letztgültige Klärung gebe es nicht. Fest stehe, dass die Schulpflege eine strategische Weiterentwicklung vorantreibe und alte Muster aufbreche. «Solche Veränderungen verlaufen in der Regel nicht ohne Nebengeräusche.»
Im letzten Jahr betonte Umbach im Zusammenhang mit der ersten Kündigungswelle bereits, dass bei den Aufgabengebieten einer Schulleitung keine Einigkeit herrsche. Dies hatte offenbar, nicht nur wie in diesem aktuellen Fall, schon in der Vergangenheit zu erheblichen Spannungen geführt.
Offen für Kritik
Generell betrachtet es Umbach als schwierig, angemessen auf kolportierte Vorwürfe zu reagieren, die aus anonymer Quelle stammen. «Die Lage ist undankbar, und zwar für die gesamte Schulpflege.» Denn grundsätzlich nehme man die Kritik ernst und sei daran interessiert, sich mit den verschiedenen Haltungen und Wahrnehmungen vertieft auseinanderzusetzen.
«Wir wollen die einzelnen Kritikpunkte verstehen.» Auch deshalb hätten in der ersten Septemberhälfte mehrere Gespräche zwischen der Schulpflege und den Mitarbeitenden stattgefunden. Aktuell sei man dabei, diese auszuwerten, und will daraus Schlüsse ziehen. «Wir sind jederzeit offen für Anliegen.»
Auf die Frage, ob der Ruf der Schule Gossau nun Schaden genommen hätte und es deshalb schwierig werden könnte, neue Schulleitungen zu finden, entgegnet Umbach: «Die Personalrekrutierung stellt generell eine Herausforderung dar. Doch wir sind davon überzeugt, eine geeignete Nachfolge für die Stelle zu finden.»

Dazu sei man damit beschäftigt, die Strukturen auf die Ansprüche der Zeit auszurichten. So ist in Gossau die neue Stelle Leitung Bildung in Vorbereitung. Auch ein Kompetenzzentrum Sonderpädagogik ist aufgebaut und implementiert worden. «Zeitgemässe Rahmenbedingungen machen unsere Schule auch als Arbeitgeberin attraktiv», sagt Umbach abschliessend.