Wieso sind die Landenberger auf dem Wappen von Wila verewigt?
Heraldik im Tösstal
Auf dem Wilemer Gemeindegebiet liegt unter anderem die Ruine Hohenlandenberg. Doch das mittelalterliche Adelsgeschlecht hat noch andere Spuren in der Gemeinde hinterlassen.
Welches Wappen hat Wila? Diese Frage hat zunächst damit zu tun, von welcher Gemeindeart die Rede ist. Seit dem 15. Jahrhundert gab es in Wila eine Dorfgemeinschaft, welche Weiderechte sowie Schutz vor Überschwemmungen der Töss, vor Feuer oder vor Übergriffen von Lehensherren organisierte.
Für das Nutzungsrecht musste man Ortsbürger sein. Im 18. Jahrhundert gab es schon Gemeindeversammlungen mit Protokoll. In der Helvetik (1798–1803) sorgte Napoleon für mehr Zentralstaat und mehr Gleichheit. Nun erhielten alle (männlichen) Einwohner Rechte, und zwar in der neuen Politischen Gemeinde.
Diese bestand vorerst nur aus der öffentlichen Verwaltung mit Polizei, Zivilstandswesen, Beurkundung und Vormundschaftspflege. Daneben existierte aber die Zivilgemeinde weiter, welche ihre Nutzungsrechte, Güter und die Armenpflege behielt und das Flur-, Strassen-, Wasser- und Löschwesen besorgte. Nach einer Stärkung der Zivilgemeinden bis 1830 erhielt anschliessend die Politische Gemeinde immer mehr Aufgaben und mit Steuern auch die Mittel dazu.
So besorgte die Zivilgemeinde Wila 1988 nur noch ihren Wald und die Wasserversorgung. Weil damals grosse Bauvorhaben zur Wasserversorgung anstanden, wurde sie aus finanziellen Gründen aufgelöst und auf den 1. Januar 1989 von der Politischen Gemeinde übernommen.
Wappen der «Edlen von Wila»
1926 fragte sich der (politische) Gemeinderat Wila, welches Wappen die Gemeinde eigentlich habe. Ein Bericht der angefragten Antiquarischen Gesellschaft in Zürich zeigte, dass in der Fachliteratur und in den gemeindlichen Urkunden seit etwa 1850 das Wappen der Landenberger für die Politische Gemeinde Wila stand. Und die Zivilgemeinde Wila seit mindestens dem 18. Jahrhundert als Wappen ein Pfahlhaupt mit zwei Sternen hatte – das Wappen der «Edlen von Wila» aus dem 13. Jahrhundert, die schon lange ausgestorben waren.

Später kamen anstelle des Pfahlhaupts ein halbes Mühlrad (1789) und eine Lilie (1833) dazu. Der Gemeinderat Wila entschied sich aus Verbundenheit mit der Gemeindegeschichte und auf Empfehlung von Wappenkundlern für das Wappen der Landenberger.
Die vier Stämme der Landenberger
Doch wer waren diese Landenberger? Das erste Haus Landenberg mit einer Burg in Bauma bildeten sankt-gallische Dienstleute (Ministerialen) von Werdegg (Hittnau) und Bernegg (Wernetshausen/Hinwil) in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts übernahm ein niederes Adelsgeschlecht «de Turbatun» (lateinisch), welches den Grundbesitz des Klosters St. Gallen in Turbenthal als «Meier» (Gutsverwalter) verwaltete, die Burg Landenberg bei Bauma.
Diese Herren von Turbenthal begründeten das zweite Haus Landenberg und spalteten sich in vier Linien. Da um 1300 in Wila die Burg Hohenlandenberg entstand, nannten sich die Landenberger auf dem Stammsitz neu von Alt-Landenberg.
Schon im 13. Jahrhundert entstanden die Linie Landenberg-Greifensee und 1328 die Linie Breitenlandenberg ob Turbenthal. Die Landenberger lehnten sich an mächtige Abteien (St. Gallen) und die Habsburger an, konnten so zu Landesherren aufsteigen und zahlreiche Burgen und Herrschaften zwischen Zürich und Bodensee erwerben.
Im 15. Jahrhundert waren sie die mächtigste Familie im Ostschweizer Adel und stellten einmal den Abt von St. Gallen (Kaspar von Breitenlandenberg 1442–1463) und zweimal den Bischof von Konstanz (Hermann von Breitenlandenberg 1466–1477 und Hugo von Hohenlandenberg 1496–1532).
Der Bruder von Kaspar und Hermann, Wildhans von Breitenlandenberg (1410–1444), war im Alten Zürichkrieg der Verteidiger von Greifensee und wurde nach der Niederlage gegen die Innerschweizer hingerichtet.
Verzicht auf Kirchen
Die Hohenlandenberger wanderten schon 1385 in den Thurgau ab (Wellenberg, Sonnenberg, Frauenfeld) und 1522 ins Breisgau und Elsass, wo sie nach 1789 ihren Besitz verloren. Die Breitenlandenberger spalteten sich in drei Linien: Eine blieb in Turbenthal, eine ging ins Elsass und nach Südbaden und die dritte nach dem heutigen Österreich.
Letztere heirateten Ende des 17. Jahrhunderts ins Moselgebiet, wo sie zuerst Weingutsverwalter wurden und dann bis 2012 in Ediger-Eller selber Wein anbauten. Seit 2014 wird das Weingut Freiherr von Landenberg von Karen Steinhauer geführt.

In Turbenthal verzichteten derweil 1837 die Herren von Breitenlandenberg auf ihre Rechte an den Gotteshäusern von Turbenthal, Wila, Weisslingen, Bäretswil und Pfäffikon – das Vermögen ging an den Kanton Zürich, das Recht zur Pfarrwahl an die Kirchgemeinde.
1885 starb der letzte männliche Schweizer Landenberger: Hartmann Friedrich von Breitenlandenberg. 1899 starb Hermine von Landenberg, welche jahrelang von Adolf Guyer-Zeller eine Rente erhalten hatte.
Zum Autor: Wolfgang Wahl ist Historiker und Archivar. Er ist Präsident der Ortsmuseumskommission von Wila.
