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So schmeissen Freiwillige das «Freieck» in Fischenthal

Unverhofft kommt oft: Dieses Sprichwort trifft auf die neuen Betreiber des «Freieck» in Fischenthal zu. Auch wenn ihr Engagement zeitlich begrenzt ist, haben sie einige Pläne.

Gaby Girola hat zusammen mit anderen Mitstreitern vorübergehend das Gasthaus Freieck übernommen. Jetzt muss sie auch das Handwerk in der Gastroküche lernen.

Foto: Bettina Schnider

So schmeissen Freiwillige das «Freieck» in Fischenthal

Nach Krebserkrankung der Wirtin

Wirtin Mary Helbling vom Gasthaus Freieck fällt auf unbestimmte Zeit aus. Ein Team aus der Nachbarschaft hat deshalb das Restaurant übernommen – vorerst. Für dieses ist es ein Herzensprojekt.

Ursula Trösch hatte mit der Gastronomie eigentlich schon vor Jahren abgeschlossen. Dass sie jetzt im Gasthaus Freieck in Fischenthal wieder den Kochlöffel schwingt, kam deshalb völlig unerwartet. «Aber die Gastronomie ist wie Velofahren, das verlernt man zum Glück nie», sagt sie.

Trösch hatte Anfang der Neunzigerjahre ihr Wirtepatent erworben und führte später acht Jahre lang eigene Restaurants in Rüti und Grüningen. Heute arbeitet sie in der Seniorenbetreuung und wohnt im Fischenthaler Weiler Fistel, nur wenige Schritte vom «Freieck» entfernt.

So erfuhr sie wie die anderen Einwohner im Sommer, dass Wirtin Mary Helbling an Krebs erkrankt war. Das Schicksal hat die ganze Nachbarschaft bewegt.

Eine Bildcombo einer Frau und eines Restaurants.
Mary Helbling ist an Krebs erkrankt. Sie war seit 2017 Wirtin im «Freieck».

Überraschend kam dann für Trösch die Anfrage des Hausbesitzers, ob sie den Betrieb nicht temporär übernehmen wolle. Sie sagte zu – im Wissen, dass sie für ihren Einsatz auch auf weitere tatkräftige Unterstützung zählen konnte.

Ein wichtiger Treffpunkt

Das «Freieck» hat seit dem 24. September wieder regulär geöffnet. «Die grosse Wertschätzung der Gäste spüren wir», sagt Trösch.

Das Restaurant sei ein wichtiger Treffpunkt in der Gemeinde. Es freut sie, dass zahlreiche Stammgäste wieder zurück sind – sei es zum Jassen oder für eine gesellige Runde im Raucherbereich des Restaurants.

Man sieht eine Jassrunde.
Die Gäste schätzen es, dass das Restaurant wieder offen ist – zum Beispiel für eine Jassrunde.

Und trotzdem: Ganz zufrieden ist Trösch noch nicht. «Unser Ziel ist es jetzt, die Frequenz zu erhöhen.» Dazu gehört auch, am Abend vermehrt Essen zu servieren. Das Mittagsgeschäft habe ebenfalls Steigerungspotenzial. Dann gibt es im «Freieck» jeweils ein Viergängemenü für Fr. 16.50.

Die Restaurantbetreiber hoffen ausserdem, dass künftig auch Vereine am Abend noch einkehren. Sie haben deshalb eine E-Mail an zahlreiche Organisationen aus der Umgebung geschrieben. «Wenn wir das vorher wissen, sind wir dann auch nach 21 Uhr für sie da», erklärt sie.

Das «Gastro-Virus» ist zurück

Trösch kann im Betrieb unter anderen auf die Hilfe von Gaby Girola zählen. Sie ist eigentlich im kaufmännischen Bereich tätig, hat sich aber bereit erklärt, im «Freieck» auszuhelfen. Erfahrung in der Gastronomie hat sie im Gegensatz zu Trösch nicht.

Damit die Interimswirtin nicht allein für die Küche verantwortlich ist, lernt auch Girola jetzt das nötige Handwerk. «Zu Hause kochen kann ich natürlich», sagt sie. «Aber in einem Restaurant ist das schon noch etwas anderes, vor allem die ganze Planung und die Abläufe.»

Denn ein Höhepunkt steht bald bevor: Am 18. und 19. Oktober findet die Metzgete statt – damit kommen zwei Grosskampftage auf das kleine Team zu. Eine weitere Aktion, um das Angebot des Restaurants bekannter zu machen.

«Wenn man einmal in der Gastronomie gearbeitet hat, kommen natürlich immer zahlreiche Ideen», sagt Trösch und spricht dabei vom «Gastro-Virus». Trotzdem ist für sie klar: Ihr Engagement im «Freieck» hat ein Ablaufdatum.

Wie lange das Team um Trösch und Girola den Betrieb noch führt, ist offen. Ursprünglich war das Gastspiel der Freiwilligen als Überbrückung bis zu einer möglichen Rückkehr von Wirtin Mary Helbling geplant.

Ein Herzensprojekt – ohne Lohn

Ob und wann Helbling das «Freieck» wieder übernehmen kann, ist trotz guter Prognose unsicher. Sollte eine Rückkehr der Wirtin nicht in absehbarer Zeit möglich sein, muss ein neuer Pächter oder eine neue Pächterin den Betrieb übernehmen.

«Unser Bestreben ist es deshalb, eine deutliche Steigerung an Gästen zu erzielen», sagt Girola. Dies vor allem auch im Hinblick auf die spätere Weiterführung.

«Für uns war einfach klar: Den Betrieb zu schliessen, kommt nicht infrage», betont Trösch. Für das Team ist der Einsatz im «Freieck» deshalb vor allem ein Herzensprojekt, grosse finanzielle Sprünge sind dabei nicht möglich.

«Einen regulären Lohn können wir uns nicht auszahlen», sagt Girola. Das Ziel sei vielmehr, dass der Betrieb nicht defizitär sei. «Wir tun das ja nicht zuletzt für die Gäste, und wir spüren, wie wichtig das ist.»

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